Deep Fakes: Die Leute hinter Nixons Rede zur gescheiterten Mondmission

In einem Deep-Fakes-Experiment spricht der Ex-US-Präsident zur Nation. Für Schauspieler und MIT-Forscherinnen war das komplettes Neuland.

Artikel veröffentlicht am ,
Das MIT hat mit Deep Learning eine neue Nixon-Rede erstellt.
Das MIT hat mit Deep Learning eine neue Nixon-Rede erstellt. (Bild: MIT)

Der Schauspieler Lewis D. Wheeler spricht von Erschöpfung, aber auch von einem für ihn sehr interessanten neuen Berufsfeld. Er war das Gesicht und die Stimme für ein Deep-Fakes-Experiment des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Ziel: den ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon virtuell zum Leben zu erwecken und von der fehlgeschlagenen Mondlandung zu berichten.

Stellenmarkt
  1. Junior Softwareentwickler (m/w/d)
    Cognitec Systems GmbH, Dresden
  2. Fachinformatiker Systemintegration/IT-Systema- dministrator (m/w/d)
    Verbandsgemeinde Jockgrim, Jockgrim
Detailsuche

In dem kurzen fertigen Clip - von dem Golem.de bereits vor einigen Monaten berichtete - wird klar, wie realistisch die Manipulation von Videos durch Deep Learning mittlerweile ist. "Das Schicksal hat bestimmt, dass die Männer, die zum Mond gegangen sind, um dort in Frieden zu forschen, auf dem Mond bleiben werden, um in Frieden zu ruhen", sagt das Abbild von Richard Nixon im Video. Diese Rede war für den Fall einer fehlgeschlagenen Mondlandung vorbereitet worden und musste in Realität nie vorgetragen werden.

Wheeler lieh dem virtuellen Alter-Ego seine Stimme und Mimik, damit die Ansprache so realistisch wie möglich erscheinen würde. Der Gesichtsaustausch wurde mit Hilfe von Canny AI realisiert, einem kommerziellen Programm für diesen und andere Zwecke. Außerdem wurde Respeecher verwendet, welches Stimmensamples so moduliert, dass sie wie eine andere Person - in diesem Fall Richard Nixon - klingen.

Die Wurzeln von Deep Fakes

Durchgeführt wurde das Experiment von den Forscherinnen Francesca Panetta und Halsey Burgund, beide Multimedia-Künstlerinnen. "Das ist so neu, dass es nicht wirklich einen Ablauf oder dergleichen gibt", sagt Burgund dem Branchenmagazin Technology Review. "Ich meine, wir wedeln irgendwie herum und denken uns die Dinge einfach aus". Die beiden Macherinnen sind anscheinend genauso auf Neuland gestoßen wie der Schauspieler Lewis D. Wheeler, der Nixon verkörpert.

Golem Akademie
  1. Cloud Computing mit Amazon Web Services (AWS): virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.–16. Februar 2022, virtuell
  2. Unreal Engine 4 Grundlagen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    28. Februar–2. März 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Gerade das Aufnehmen der eigenen Stimme sei besonders merkwürdig und interessant gewesen, berichtet Wheeler. Respeech nutzt einzelne Wortschnipsel als Eingabe. Diese teils nicht zusammenhängenden Silben musste der Schauspieler in einem Tonstudio einsprechen. Allein das hat mehrere Tage gedauert. Zusätzlich wurde der Deep-Learning-Software Quellmaterial aus Nixons Amtszeit übergeben. Zu großen Teilen wurden Ausschnitte der Abtrittsrede des Ex-Präsidenten verwendet. Dies war eine gute Datenbasis für eine eher traurige und enttäuschte Tonlage - passend zu einer traurigen und enttäuschten Rede.

Deepfakes: The Coming Infocalypse

Kim Jong Un verspottet Demokratie

Die Gesichtsaufnahme mit Canny AI sei für ihn wesentlich einfacher gewesen, da dort schauspielerische Fähigkeiten mehr zum Tragen gekommen seien, sagte Wheeler und fügte hinzu: "Ich musste mich wirklich in den Gedanken reinversetzen und denken: Okay, worum geht es in der Rede? Wie erklärst du dem amerikanischen Volk, dass diese Tragödie stattgefunden hat?". In einem Filmstudio wurden Mimik und Gesichtszüge des Schauspielers aufgenommen und auf das virtuell erstellte Gesicht von Nixon gesetzt. Der Körper des Protagonisten und der Hintergrund der Szene wurden der Original-Rede von 1969 entnommen. Das Ergebnis ist eine realistische Nachstellung dessen, was hätte passieren können.

Deepfakes werden immer häufiger in Medien eingesetzt. Ein Beispiel ist auch ein politischer Werbespot, der zum Mitmachen in einer Demokratie anregt. Dort zu sehen ist der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un, der lächelnd die Zerbrechlichkeit des westlichen Staatssystems anprangert. Trotzdem scheint der Prozess an sich noch recht neu zu sein. Das bestätigt das Nixon-Experiment.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bundesservice Telekommunikation  
Die dubiose Adresse in Berlin-Treptow

Angeblich hat das Innenministerium nichts mit dem Bundesservice Telekommunikation zu tun. Doch beide teilen sich offenbar ein Bürogebäude.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Bundesservice Telekommunikation: Die dubiose Adresse in Berlin-Treptow
Artikel
  1. Reddit: IT-Arbeiter automatisiert seinen Job angeblich vollständig
    Reddit
    IT-Arbeiter automatisiert seinen Job angeblich vollständig

    Ein anonymer IT-Spezialist will unbemerkt seinen Job vollständig automatisiert haben. Dem Arbeitgeber sei dies seit einem Jahr nicht aufgefallen.

  2. E-Mail: Outlook-Suche in MacOS 12.1 ist noch immer kaputt
    E-Mail
    Outlook-Suche in MacOS 12.1 ist noch immer kaputt

    Seit Wochen ärgern sich Outlook-User darüber, dass die E-Mail-Suche unter MacOS 12.1 nicht mehr richtig funktioniert. Ein Fix ist in Arbeit.

  3. Spielebranche: Microsoft will Activision Blizzard übernehmen
    Spielebranche
    Microsoft will Activision Blizzard übernehmen

    Diablo und Call of Duty gehören bald zu Microsoft: Der Softwarekonzern will Activision Blizzard für rund 70 Milliarden US-Dollar kaufen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5 wohl am 19.01. bestellbar • RTX 3080 12GB bei Mindfactory 1.699€ • Samsung Gaming-Monitore (u.a. G5 32" WQHD 144Hz Curved 299€) • MindStar (u.a. GTX 1660 6GB 499€) • Sony Fernseher & Kopfhörer • Samsung Galaxy A52 128GB 299€ • CyberGhost VPN 1,89€/Monat [Werbung]
    •  /