DECT für IoT und Smart Citys: Die Aufwertung eines 30 Jahre alten Funkstandards

Nach drei Jahrzehnten DECT zieht DECT-2020 NR alias NR+ als vierte Radiotechnologie in den 5G-Standard/IMT-2020 ein.

Artikel von Karl-Heinz Müller veröffentlicht am
Alles mit allem vernetzen mit DECT-2020 NR alias NR+
Alles mit allem vernetzen mit DECT-2020 NR alias NR+ (Bild: Pexels/Montage: Golem.de)

Weil es das 1.900-MHz-Band komplett für sich hat, ist DECT seit 30 Jahren besonders störungsfrei und relativ abhörsicher. Allerdings hatte der digitale Schnurlosstandard zuletzt das Problem, dass es immer weniger verfügbare Frequenzbänder als Anwendungen gab und er sich das Band mit anderen teilen sollte.

Inhalt:
  1. DECT für IoT und Smart Citys: Die Aufwertung eines 30 Jahre alten Funkstandards
  2. Integration von DECT in IMT-2020

Das ist nun abgewendet, denn als DECT-2020 NR oder NR+ hält der Standard Einzug in die 5G-/IMT2020-Sphäre und wird damit quasi zu einem Mobilfunkstandard. Damit eröffnen sich neue, zukunftsweisende Anwendungen für IoT, Smart City und Industrie 4.0 - und das in Europa exklusive 1.900-MHz-Frequenzband bleibt gesichert.

DECT wurde 1992 als digitaler Schnurlosstandard vom Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen ETSI definiert. Ursprünglich für Europa konzipiert, wurde er mit einigen Frequenzband-Modifikationen für weltweite Anwendungen erweitert. Seitdem steht das E in DECT nicht mehr für European, sondern für Enhanced (Digital Enhanced Cordless Telecommunications).

In den USA wird der Standard bis heute als DECT 6.0 in Schnurlostelefonen vermarktet. DECT ist weltweit in vielen anderen Ländern etabliert, außer in China, wo er sich nicht durchsetzen konnte, da keine geeigneten Frequenzen freigegeben wurden.

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Die ersten DECT-Chipsets entwickelten Philips und Siemens, hinzu kamen DSPG (jetzt Synaptics) und Sitel (jetzt Dialog/Renesas). Später übernahm DSPG die DECT-Chipset-Technologie von NxP (ehemals Philips) und Infineon (ehemals Siemens) verkaufte seine Wireless-Sparte inklusive DECT an Intel. 2020 wurde die Home-Gateway-Sparte inklusive DECT von Intel jedoch wieder verkauft.

Lagen die Herstellungskosten eines DECT-Telefons anfangs noch bei weit über 100 US-Dollar, sind es mittlerweile für einfache Telefone weniger als 10 US-Dollar. Gigaset fertigt heute noch DECT-Telefone in seiner vollautomatischen Fabrik in Bocholt. Da der Heimtelefonmarkt mit der Zeit aber immer kleiner wurde, drohen auch Schnurlos-DECT-Telefone an Bedeutung und damit die exklusive Nutzung des 1.900-MHz-Bandes zu verlieren.

Um das zu verhindern, arbeitete das DECT Forum an neuen Anwendungen. So wurde bereits 2006 mit CAT-iq eine Erweiterung definiert, die HD-Sprachübertragung möglich macht und wichtig für VoIP-basierte Sprachdienste und Messaging ist.

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Smart Home auf Basis der DECT-Technologie

Aber erst jetzt, mit NT+, kann das DECT-Frequenzband auf Jahre hin als gesichert betrachtet werden. Davon profitiert auch ULE für Smart Home. Die ULE Alliance wurde 2012 gegründet, wobei ULE für Ultra Low Energy steht und das DECT-Frequenzband für Smart-Home-Anwendungen nutzt. Basierend auf der DECT-Technologie wurde ein für Smart Home/IoT geeigneter Protokoll-Stack (HAN FUN) entwickelt.

Denn andere Technologien im Smart-Home-Bereich wie Zigbee, Z-Wave und Bluetooth haben nicht das Privileg, ein exklusives Frequenzband nutzen zu können. Sie müssen sich die Frequenzen in den ISM-Bändern, zumeist 2,4 GHz, mit Wi-Fi und anderen Anwendungen teilen.

Smart Home ULE und DECT für Sprache findet man heute in vielen Heimnetzwerkboxen, unter anderem von der Telekom und von AVM. Es gibt eine Vielzahl an ULE-zertifiziertem Zubehör wie LED-Lampen, Thermostate, Bewegungsmelder und vieles mehr.

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Integration von DECT in IMT-2020 
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