Debranding: AVM verbietet Verkauf von 20.000 Fritzboxen

Ein Händler hat von Unitymedia ganze Paletten mit gebrauchten Fritzboxen aufgekauft. AVM hat den Verkauf mit veränderter Firmware gestoppt.

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AVM streitet sich mit einem Händler über ausgemusterte Fritzboxen.
AVM streitet sich mit einem Händler über ausgemusterte Fritzboxen. (Bild: AVM)

Der Routerhersteller AVM hat einem Online-Händler den Verkauf vormals gebrandeter Fritzboxen per Gericht untersagen lassen. Im Streit mit dem nordrhein-westfälischen Anbieter Woog Media habe das Landgericht München einem Antrag auf einstweilige Verfügung stattgegeben, teilte der Fritzbox-Hersteller auf Anfrage von Golem.de mit und bestätigte damit einen Bericht des Magazins C't. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um 20.000 Kabelrouter vom Typ 6490, die zuvor vom Kabelprovider Unitymedia an dessen Kunden vermietet worden waren.

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Demnach hat Woog die Geräte über einen Zwischenhändler aufgekauft, das Branding entfernt und ein aktuelles, nicht für einen bestimmten Provider modifiziertes Fritz-OS aufgespielt. Solche Geräte können Nutzer nach Wegfall des Routerzwangs auch in Kabelnetzen verwenden. Dabei liege der Preis der gebrauchten Geräte mit 70 Euro deutlich unter dem aktuellen Neupreis von 155 Euro für eine Fritzbox 6490 Cable. Der Provider Unitymedia, der inzwischen zu Vodafone gehört, tauscht seit einiger Zeit die 6490er-Geräte gegen neuere 6591er aus, damit Nutzer auf den neuen Standard Docsis 3.1 umsteigen können.

Bereits 10.000 Geräte verkauft

Bis zur Entscheidung des Landgerichts München (Az. 33 O 1703/20) soll Woog bereits 10.000 Exemplare verkauft haben. Weitere 20.000 sollen sich im Lager des Händlers stapeln. Woog will dem Bericht zufolge nicht auf das Aufspielen des neuen Betriebssystems verzichten. Er begründet das unter anderem mit Sicherheitsupdates, die fehlen könnten.

Allerdings ist ohne ein ungebrandetes Betriebssystem die Nutzung der Geräte in anderen Kabelnetzen nicht ohne weiteres möglich. So schreibt AVM auf seiner Webseite: "Fritzbox-Cable-Produkte, die zuvor etwa als Mietgerät über einen Provider bezogen worden sind, können nicht an beliebigen Kabelanschlüssen verwendet werden. Dazu zählen unter anderem die Fritzbox 6360, 6340, 6320 sowie Fritzbox 6490 Cable mit der AVM-Artikelnummer ungleich 20002778."

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Auf Anfrage von Golem.de begründete AVM das Verbot mit Sicherheitsbedenken. "Die Sicherheit des Anwenders hat dabei Priorität. Dieser nimmt beim Kauf an, ein Produkt mit Original-Firmware zu erwerben. Ob das so ist, können wir nicht beurteilen. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass die Auto-Update-Funktion nicht zuverlässig funktioniert", sagte AVM-Sprecherin Doris Haar.

BGH-Urteil zu Simlock-Entsperrung

Das Unternehmen berief sich in dem Streit auf das sogenannte Simlock-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2004 (Az: I ZR 13/02). Demnach liegt eine unzulässige Produktveränderung vor, wenn durch Simlock gesperrte Mobiltelefone ohne Zustimmung des Markeninhabers in den Verkehr gebracht werden. Durch die Entsperrung werde die ursprüngliche Softwareinformation der Mobiltelefone geändert, was eine Produktveränderung bedeute.

Nach Angaben der C't verwiesen die Woog-Anwälte hingegen auf ein Urteil des BGH aus den 1980er Jahren. Demnach liegt kein Verstoß vor, wenn der Eingriff "keine Beeinträchtigung der Ware mit sich bringt". Woog habe die Router keineswegs beeinträchtigt, sondern dafür gesorgt, dass sie "einwandfrei funktionsfähig und sicher" genutzt werden können. Nutzer können das Branding allerdings auch selbst entfernen.

Nachtrag vom 30. März 2020, 22:00 Uhr

Woog-Geschäftsführer Carlo Faber sagte auf Anfrage von Golem.de, dass es seinem Unternehmen darum gehe, vor allem sichere Geräte zur Verfügung zu stellen. "Würden wir die gebrauchten Boxen mit alter Firmware und nur einer Anleitung zum Aufspielen neuer Firmware verkaufen, wäre diese Sicherheit nicht gewährleistet, weil auch mit Anleitung möglicherweise nicht sämtliche Käufer das Firmware-Update selbst durchführen könnten", sagte Faber. Zudem behaupte AVM in dem Gerichtsverfahren selbst, dass Firmware-Updates dem Käufer einer unveränderten Unitymedia-Fritzbox verwehrt wären.

Laut Faber war AVM nicht bereit, trotz eines entsprechenden Angebots der Anwälte über andere Verkaufskonditionen zu verhandeln: "AVM ist auf unser Angebot eines Gesprächs aber leider nicht eingegangen, sondern hat ein vorläufiges gerichtliches Verbot gegen uns erwirkt." Faber hofft noch darauf, sich im Hauptsacheverfahren vor Gericht durchsetzen zu können. "Sollte dies wider Erwarten nicht geschehen, müssten wir sehr viele Geräte wohl verschrotten. Das könnten wir nicht verstehen, weil wir ja nur dafür sorgen, dass gebrauchte Geräte voll funktionsfähig sind und sicher weiter benutzt werden können", sagte der Firmenchef.

Nachtrag vom 31. März 2020, 9:18 Uhr

Die einstweilige Verfügung, die Golem.de vorliegt, untersagt Woog unter anderem das Verkaufen der Geräte mit entferntem Unitymedia-Logo, veränderter OEM-Kennung im Bootloader, aktivierter DVB-C-Streaming-Funktion und einer Firmware-Version, die das kostenlose Aufspielen von Firmware-Updates ermöglicht. Zudem muss Woog unter anderem Auskunft erteilten über "die Menge der hergestellten, ausgelieferten, erhaltenen oder bestellten Erzeugnisse sowie der Preise, die für die betreffenden Erzeugnisse bezahlt wurden". AVM verlangt darüber hinaus Angaben zu gewerblichen Abnehmern, jedoch nicht von privaten Käufern.

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Steffen991 13. Apr 2020

TV ohne VPN kann ich nicht glauben, viel ist gesperrt heutzutage und man braucht das ja immer

M.P. 05. Apr 2020

Naja, die sind aber meiner Vermutung nach vom Inverkehrbringenden nach Satz 8 bereits dem...

treysis 05. Apr 2020

Hast du die Verfügung gelesen? Ich nicht, aber ich meine, irgendwo auch gelesen zu...

Tuxinator 05. Apr 2020

das ist ja völliger Quatsch ! Haben wollen, wollte ich nicht - ich wurde zum Tausch...

LinuxMcBook 04. Apr 2020

Ich glaube, du verwechselst nicht nur "Gewährleistung" und "Garantie" miteinander, wie...


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