Debranding: 20.000 Fritzboxen nach Verkaufsverbot verschrottet

Nach einer Niederlage von Gericht hat ein Online-Händler Tausende Fritzboxen verschrotten lassen.

Artikel veröffentlicht am ,
Tausende von Fritzbox-6490-Cable-Routern mussten  auf den Schrott.
Tausende von Fritzbox-6490-Cable-Routern mussten auf den Schrott. (Bild: AVM)

Im Rechtsstreit um ein Verkaufsverbot gebrauchter Fritzboxen hat der Onlinehändler Woog Media seine Niederlage vor Gericht akzeptiert. "Wir haben die Berufung zurückgezogen und werden keine Fritzboxen mit aktualisierter Firmware mehr anbieten, da das Verkaufsverbot nun rechtskräftig ist", sagte Firmenchef Carlo Faber auf Anfrage von Golem.de und bestätigte damit einen Bericht von Heise.de. Sein Unternehmen habe keine andere Wahl gehabt, "als die Router an unseren Lieferanten zurückzugeben". Der Zwischenhändler Lama Vertrieb teilte auf Anfrage von Golem.de mit: "Es wurden circa 20.000 Geräte zurückgenommen, diese wurden verschrottet." Fritzbox-Hersteller AVM hatte das Verkaufsverbot gerichtlich durchgesetzt.

Stellenmarkt
  1. Fachinformatiker*in für Systemintegration
    3A Composites GmbH, Singen (Hohentwiel)
  2. IT Service Manager (m/w/d)
    Gasunie Deutschland Transport Services GmbH, Hannover, Schneiderkrug
Detailsuche

Woog Media hatte nach eigenen Angaben Zehntausende ausgemusterte Kabelrouter vom Typ Fritzbox 6490 Cable vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia aufgekauft und anschließend mit einem ungebrandeten Fritz-OS weiterkauft. Das Landgericht München hatte diese Praxis in einer einstweiligen Verfügung vom 13. Februar 2020 untersagt und das Verkaufsverbot im Mai bestätigt (Az: Aktenzeichen 17 HK O 1703/20). Die damals angekündigte Berufung gegen das Urteil zog der Händler nun zurück.

Woog hatte die Geräte ursprünglich beim Düsseldorfer Zwischenhändler Lama Vertrieb aufgekauft, das Branding entfernt und ein aktuelles, nicht für einen bestimmten Provider modifiziertes Fritz-OS aufgespielt. Solche Geräte können Nutzer nach Wegfall des Routerzwangs auch in Kabelnetzen verwenden. Der Provider Unitymedia, der inzwischen zu Vodafone gehört, tauscht seit einiger Zeit die 6490er-Geräte gegen neuere 6591er aus, damit Nutzer auf den neuen Standard Docsis 3.1 umsteigen können. Bis zur Entscheidung des Landgerichts München soll Woog bereits 10.000 Exemplare verkauft haben. Weitere 20.000 sollen sich im Lager des Händlers befunden haben.

AVM hatte sich gegenüber dem im nordrhein-westfälischen Velbert ansässigen Händler zu Gesprächen bereit gezeigt, was die Weiternutzung der Geräte betraf. "Wir haben ein gut funktionierendes Refurbishment-Management", hatte Sprecherin Doris Haar gesagt. Prinzipiell unterstütze und begrüße AVM den Verkauf gebrauchter Geräte im privaten Bereich. Auch für diese Geräte würden kostenfreier Support und Updates angeboten. "Das Urteil verhindert lediglich die gewerbsmäßige Manipulation von Software oder Hardware", sagte Haar.

BGH-Urteil zu Simlock-Entsperrung

Golem Akademie
  1. CEH Certified Ethical Hacker v11: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    10.–14. Januar 2022, Virtuell
  2. Java EE 8 Komplettkurs: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    24.–28. Januar 2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

AVM berief sich in dem Streit auf das sogenannte Simlock-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2004 (Az: I ZR 13/02). Demnach liegt eine unzulässige Produktveränderung vor, wenn durch Simlock gesperrte Mobiltelefone ohne Zustimmung des Markeninhabers in den Verkehr gebracht werden. Durch die Entsperrung werde die ursprüngliche Softwareinformation der Mobiltelefone geändert, was eine Produktveränderung bedeute.

Das Landgericht hat demnach festgestellt, dass Woog sich auch nicht auf das Elektrogesetz berufen könne. Dieses Gesetz "bezweckt vorrangig die Vermeidung von Abfällen von Elektro- und Elektronikgeräten". Das Elektrogesetz "ermächtigt keinen Dritten, Markenrechte eines anderen zu verletzen", sagte AVM.

Nachtrag vom 21. September 2020, 12:11 Uhr

AVM machte keine Angaben, ob es zuletzt noch Verhandlungen mit den Händlern über eine Weiternutzung der 20.000 Geräte gegeben hat. "Das Urteil vom Landgericht München I ist rechtskräftig. Über einen möglichen weiteren Austausch mit den Beteiligten geben wir keine weiteren Auskünfte", sagte Haar am Montag auf Anfrage von Golem.de.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


goliathundco 23. Sep 2020

Macht für mich auch keinen Sinn. Da könnte man doch noch Sinnvolles damit anstellen...

EmmaBeck 23. Sep 2020

I do share the same sentiment. Cloud seems like it's almost necessary now that files...

Telecom... 22. Sep 2020

Geil, inkl. PUMA-Bug und fehlender Bridge-Funktion in den größten Bundesländern. Richtig...

Jakelandiar 22. Sep 2020

Als Privat Person. Also Firma sieht das wie immer anders aus und hat andere Gesetze...

User_x 22. Sep 2020

Warum so überheblich? AVM hat dem Zwischenhändler die Router abgekauft und ihn gebeten...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Softwarepatent
Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten

Microsoft hat eine Klage um ein Software-Patent vor dem BGH verloren. Das Patent beschreibt Grundlagentechnik und könnte zahlreiche weitere Cloud-Anbieter betreffen.
Ein Bericht von Stefan Krempl

Softwarepatent: Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten
Artikel
  1. Apple: Neues Macbook Pro macht Probleme mit SD-Kartenleser
    Apple
    Neues Macbook Pro macht Probleme mit SD-Kartenleser

    Der Kartenleser im neuen Macbook Pro ist nicht mit allen SD-Karten kompatibel, die sich mit Dongle-Lösungen problemlos auslesen lassen.

  2. Spielfilm: Matrix trifft Unreal Engine 5
    Spielfilm
    Matrix trifft Unreal Engine 5

    Ist der echt? Neo taucht in einem interaktiven Programm auf Basis der Unreal Engine 5 auf. Der Preload ist bereits möglich.

  3. Cyberbunker-Verfahren: Ein Bunker voller Honig
    Cyberbunker-Verfahren
    Ein Bunker voller Honig

    Das Verfahren gegen die Cyberbunker-Betreiber hat sich für die Staatsanwaltschaft gelohnt - egal, wie das Urteil ausfällt. So leicht kommt sie wohl nie wieder an Daten illegaler Marktplätze.
    Eine Analyse von Friedhelm Greis

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MM Weihnachtsgeschenkt (u. a. 3 Spiele kaufen, nur 2 bezahlen) • Apple Days bei Saturn (u. a. MacBook Air M1 949€) • Switch OLED 349,99€ • Saturn-Advent: HP Reverb G2 + Controller 499,99€ • Dualsense + Destruction All Stars 62,99€ • Alternate (u. a. Corsair 750W-Netzteil 79,90€) [Werbung]
    •  /