Debitkarten: Kunden beschweren sich über Zahlungsprobleme

Banken verteilen an Kunden immer häufiger keine Girocards(öffnet im neuen Fenster) mehr, sondern geben Debitkarten von Kreditkartenunternehmen als Standardzahlungsmittel zum Girokonto aus. Das führte bei Verbraucherschützern im ersten Halbjahr 2023 zu "substanziell" mehr Beschwerden bei Zahlungskarten, als es im ersten Halbjahr 2022 der Fall war, heißt es seitens der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Nach einem Aufruf der Verbraucherschützer hätten sich zwischen Februar 2023 und Juli 2023 1.745 Personen gemeldet, die Probleme mit der Akzeptanz von Debitkarten haben. "Vor allem in Geschäften innerhalb Deutschlands, im Hotel, im Ausland oder um Bargeld an der Ladenkasse zu erhalten, sind die neuen Debitkarten mitunter nicht akzeptiert worden" , sagt Ramona Pop, Vorständin beim vzbv.
Darüber hinaus wurden Akzeptanzprobleme bei Behörden, in Kliniken, im Online-Handel oder beim TÜV gemeldet. Demnach gibt es in manchen Behörden nur die Möglichkeit, mit Girocard zu bezahlen, andere Zahlungsmöglichkeiten werden nicht akzeptiert - nicht einmal Bargeld. Auch bei Funktionen zur Altersverifikation werden Probleme mit den Debitkarten beschrieben, beispielsweise am Zigarettenautomaten. Der Zugang zum SB-Bereich von Banken war mit Debitkarten ebenfalls nicht möglich.
Versprechen der Banken werden nicht eingehalten
Viele der geschilderten Probleme gehen nach Ansicht des vzbv auf schlechte oder unzureichende Informationen der herausgebenden Banken zurück. Zum Teil würden Kunden Leistungen erwarten, die nicht erfüllt würden.
Die geschilderten Probleme "stehen in absolutem Widerspruch zu den mitunter blumigen Versprechen der Banken, wonach die Debitkarten von Visa oder Mastercard die Funktionen von Giro- und Kreditkarten vereinen würden" , bemängelt Pop. Die fünf am häufigsten genannten Anbieter waren die Deutsche Kreditbank (DKB) mit 53 Prozent, die Santander mit 19 Prozent, die Targobank mit 8 Prozent, die ING sowie die Comdirect mit jeweils 7 Prozent.
In einem Spiegel-Bericht(öffnet im neuen Fenster) verweist Visa darauf, dass sich die Akzeptanz von Visa-Karten in Deutschland stark gesteigert habe; sie liege auf Augenhöhe mit nationalen Zahlungssystemen, also der Girocard. Bei Mastercard heißt es, man könne die Akzeptanzlücken nicht nachvollziehen.
Eine Debitkarte ist anders als eine Kreditkarte
Die Kreditkartenfirma weist zudem auf einen wichtigen Unterschied zwischen Debitkarten und Kreditkarten hin, der manche Probleme am Mietwagenschalter oder an der Hotelrezeption erklären könnte. Während sich bei Kreditkarten höhere Beträge für eine Kaution blocken lassen, wird diese Funktion auf Debitkarten nicht ohne weiteres angeboten.
Mastercard erklärt: "Wenn eine Vorautorisierung für einen später zu zahlenden Betrag oder eine Kaution erfolgen soll, muss der entsprechende (oft hohe) Betrag auch tatsächlich auf dem Girokonto vorhanden sein, um dem Verkäufer von Waren oder Dienstleistungen Sicherheit zu geben."
Aus Sicht der Verbraucherschützer kann dagegen der digitale Euro helfen. Pop kritisiert, dass es zu einem "Karten-Chaos" komme, "wenn wir uns beim Bezahlen von wenigen kommerziellen Anbietern abhängig machen" . Es sei deshalb Zeit für eine europäische Lösung, meint Pop: "Mit dem digitalen Euro würde es möglich werden, im gesamten Euroraum nahezu überall bezahlen zu können."
Nachtrag vom 6. September 2023, 7:12 Uhr
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) meldete sich mit einer Stellungnahme bei Golem.de. Kunden der Sparkassen hätten solche Probleme nicht. "Anders als viele Wettbewerber haben wir die Girocard nicht durch Debitkarten von Mastercard und Visa ersetzt, sondern packen einfach beide Zahlverfahren auf eine Karte. Damit können unsere Kundinnen und Kunden weiterhin überall bezahlen - also auch in Behörden, in kleineren Läden und überall dort, wo wirklich nur die Girocard akzeptiert wird. Gleichzeitig sorgt die Kombination mit der Debitkarte von Mastercard oder Visa für weltweit größtmögliche Akzeptanz - auch online und in Apps. Die neuen Karten geben die Sparkassen seit einigen Monaten aus."



