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Debatte zu Handyverbot an Schulen: Unterstützung und Unverständnis für Handyverbot in Kitas

In Hanauer Kitas sind Kindern künftig keine ortbaren Geräte mehr erlaubt. In anderen hessischen Städten wird das Problem zum Teil anders angegangen.
/ Ingo Pakalski , dpa
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In Kitas der Stadt Hanau sind Handys ab dem 2. Dezember 2024 verboten. (Bild: Pixabay)
In Kitas der Stadt Hanau sind Handys ab dem 2. Dezember 2024 verboten. Bild: Pixabay

Handys, GPS-Tracker, Smartwatches und andere ortbare Geräte sind ab dem 2. Dezember 2024 in den städtischen Kindertagesstätten in Hanau verboten. Mit dieser Anordnung hat Bürgermeister Maximilian Bieri (SPD) für Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Es gab Zustimmung, aber auch scharfe Kritik.

"Für mich ist klar, dass wir keine Ortungsgeräte in Kindertagesstätten brauchen" , sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Vor allem in Hanau habe er viel Unterstützung für das Verbot bekommen. "Es kam aber auch zu harten Gegenreaktionen. So solle ich mich als Bürgermeister aus dem Privatleben heraushalten."

Aber darum gehe es nicht, sondern darum, welche gemeinschaftlichen Regeln es in öffentlichen Einrichtungen gebe, erklärt er. Ihn habe sogar eine Klageandrohung erreicht, der er aber gelassen entgegensehe, sagte Bieri weiter.

Regierung verweist auf Hausrecht

"Wir üben unser Hausrecht aus und niemand muss sein Kind in unsere Kitas bringen." Die Kitas hätten Schutzkonzepte und alle Fachkräfte seien in Kinderschutz und Pädagogik geschult. Außerdem seien die Einrichtungen für Fremde nicht so einfach betretbar.

Bieri, der auch Sozialdezernent ist, begründete das Verbot damit, dass die Möglichkeit einer dauerhaften Ortung zwar in privaten Situationen hilfreich sein könne, in Kindertagesstätten jedoch nicht nur überflüssig, sondern sogar kontraproduktiv sei.

"Jedes Kind hat das Recht auf Selbstbestimmung und darauf, seine Umwelt frei und ohne ständige Überwachung zu erkunden. Der Einsatz von GPS-Trackern, Handys, Smartwatches und Ähnlichem kann dieses Recht erheblich einschränken und das Gefühl vermitteln, unter ständiger Beobachtung zu stehen."

Kinder mit Handys in Kitas "noch kein Massenphänomen"

Eine genaue Größenordnung, wie viele Kita-Kinder Ortungsgeräte und Handys bei sich haben, hat die Stadt nicht. "Wir haben keine Zählung vorgenommen. Handys in Kitas sind noch kein Massenphänomen."

Nach den Worten Bieris werde es weder Taschen- noch Einlasskontrollen geben, um das Verbot zu kontrollieren. Das Thema solle mit gesundem Menschenverstand angegangen werden. "Wir vertrauen und bauen auf das Verständnis der Eltern."

Unterstützung vom Kitaverband

Rückendeckung bekommt Hanau vom Deutschen Kitaverband. "Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass Eltern aus einem Bedürfnis nach vermeintlicher Sicherheit heraus die Bewegungsdaten ihrer Kinder tracken wollen, ist der Einsatz von Smartwatches und ortbaren Geräten aus pädagogischer Perspektive nicht sinnvoll" , sagte die Bundesvorsitzende Waltraud Weegmann der dpa.

Ein solcher Schritt widerspreche zudem dem Recht der Kinder auf Selbstbestimmung. Kita-Kinder seien außerdem entweder auf einem abgeschlossenen Gelände oder bei einem Ausflug unter der Aufsicht der Erzieher. "Ich appelliere hier zu mehr Vertrauen der Eltern in die Kompetenz der Fachkräfte" , betonte Weegmann.

Hanaus Bürgermeister Bieri halte auch ein Handyverbot an Schulen für denkbar. Er sehe Gefahren wie Cybermobbing, Ablenkung vom Unterricht und heimliche Aufnahmen mit Kameras.

Diskussion um Handyverbot an Schulen

Die Nutzung von Handys an Schulen birgt laut Bieri einige Gefahren. Auch in Schulen seien ihm Handys nicht willkommen. Ende Oktober 2024 regte er in einem offenen Brief an die Leitungen aller Hanauer Schulen eine Diskussion über ein Handyverbot für Schülerinnen und Schüler in Grundschulen sowie in der Unter- und Mittelstufe an.

Laut Bieri könnte dieser Schritt zu einem Instrument gegen die zunehmende Handynutzung und für ein besseres Lernumfeld an Schulen sein. Die Schulleiter sollten im Zuge einer Schulkonferenz prüfen, ob ein generelles Handyverbot für die unteren Jahrgänge eine denkbare Lösung sei. In einem Schreiben an den Städtetag rief er dazu auf, die Debatte gemeinsam voranzutreiben.

Nach seiner Ansicht kann die Benutzung von Handys die Schüler im Unterricht ablenken und einen Erreichbarkeitsdruck mit sich bringen. Hinzu kämen die Gefahren von Cybermobbing und heimlichen Foto- und Videoaufnahmen.

Bislang nur wenig Probleme an Kitas in Kassel

Bezogen auf das Handyverbot an Kitas in Hanau erklärte eine Sprecherin der Stadt Kassel: "Dem Grunde nach können wir die Intention der Stadt Hanau nachvollziehen." Bislang sei das Thema in den städtischen Kitas nur einmal aufgetreten. "Die Situation konnte mit den Sorgeberechtigten zufriedenstellend besprochen werden."

In städtischen Kitas sei die Nutzung von Smartphones und Smartwatches nicht erlaubt. "Sofern uns die Thematik zukünftig häufiger begegnen sollte, würden wir diese um GPS-Tracker erweitern" , so die Sprecherin.

Kein Trackingverbot an Kitas in Darmstadt

In Darmstadt gibt es kein Trackingverbot in Kitas. Eine solche Maßnahme sei nach Angaben der Stadt auch nicht geplant. "Wir finden das Tracking von Kindern in Kitas nicht gut, unseres Wissens nach findet es in den städtischen Kitas auch nicht statt" , erklärte Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne).

Vor einem generellen Verbot der Nutzung von GPS-Trackern, Smartwatches und ähnlichen Geräten in Kitas sei es jedoch wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen sorgfältig zu prüfen, insbesondere in Hinblick auf Datenschutz, Elternrechte und den Erziehungsauftrag der Einrichtungen.

"Darüber hinaus setzen wir auf Sensibilisierung statt allein auf Verbote" , erklärte Akdeniz weiter. Eltern könnten durch direkte Kommunikation, gezielte Informationsangebote und Dialogformate besser verstehen, wie ein geschützter, vertrauensvoller Raum für ihre Kinder zur Förderung von Eigenständigkeit beitrage.


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