Wichtige Details ausgespart
Merz hat bei seiner Aussage, es sei nicht entscheidend, ob jemand mit 61, 65 oder 68 in den Ruhestand gehe, sondern wann er mit dem Arbeiten begonnen habe, ein wichtiges Detail ausgespart. Die Frage, wann denn mit der Arbeit begonnen worden sein und wie lange gearbeitet werden müsste, bleibt nämlich völlig offen.
Ein junger Mensch, der mit 16 Jahren eine Ausbildung beginnt, hätte mit 66 Jahren eine Arbeitszeit von 50 Jahren hinter sich (mit weniger wird sich Merz kaum zufriedengeben). Mit Abitur verschiebt sich die Grenze, je nachdem, ob zwölf oder dreizehn Schuljahre absolviert wurden, auf 68 oder 69 Jahre. Wer ein Studium absolviert, erwirtschaftet sich nochmals drei bis fünf zusätzliche Arbeitsjahre, bevor in Rente gegangen werden kann. Elternzeiten und längere Ausfälle wegen Erkrankungen sollten ebenfalls gut überlegt sein.
Statt mit sinnvollen Reformen eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu erreichen, zum Beispiel, indem Produktivitätsgewinne durch Automatisierung in die Alterssicherung einfließen , verhindert Merz, dass sich junge Menschen weiterbilden, Kinder bekommen und motiviert ihrer Arbeit nachgehen wollen. Und auch langjährige Arbeitnehmer dürften kaum motiviert auf ihre Arbeit blicken, wenn die soziale Absicherung gegen Lebensrisiken keinen Bestand mehr hat. Wohlstand sieht anders aus.