Debatte um Arbeitszeitmodell: CDU-Flügel will Recht auf "Lifestyle-Teilzeit" abschaffen

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Der Wirtschaftsflügel der CDU geht in die Offensive. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) will den bisherigen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit drastisch einschränken. Nach Informationen des Magazins Stern(öffnet im neuen Fenster) soll auf dem CDU-Bundesparteitag Ende Februar 2026 ein entsprechender Antrag zur Abstimmung kommen.
Der Antrag trägt nach Informationen des Stern den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" . Die MIT verlangt, dass Arbeitnehmer künftig eine "besondere Begründung" vorlegen müssen, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Ohne triftigen Grund soll freiwillige Teilzeit nicht mehr möglich sein.
Was gilt derzeit? Liberales Teilzeitrecht
Bislang haben Beschäftigte in Deutschland weitreichende Rechte: Wer länger als sechs Monate in einem Unternehmen arbeitet und dieses mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt, kann Teilzeit beantragen. Betriebliche Gründe können dem Wunsch zwar entgegenstehen, doch die Hürden für den Anspruch auf Teilzeit sind niedrig.
Die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann begründet den Vorstoß im Magazin Stern mit dem Fachkräftemangel. "Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten." Freiwillige Teilzeit aus Gründen der persönlichen Lebensgestaltung dürfe nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert werden.
Als legitime Gründe für Teilzeitarbeit nennt der Antrag die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen, Weiterbildungen. Wer aus anderen Motiven weniger arbeiten möchte, soll das nicht mehr können. Die Solidargemeinschaft dürfe nicht die "Work-Life-Balance von Aufstockern" finanzieren, heißt es in dem Antragspapier.
Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen einen klaren Trend. Im Jahr 2024 arbeiteten 29 Prozent der Deutschen in Teilzeit – ein Höchststand. Bei Frauen lag der Anteil bei 49 Prozent, bei Männern bei zwölf Prozent.
Eine Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergab, dass viele Mütter gern mehr arbeiten würden(öffnet im neuen Fenster) . 45 Prozent der Befragten würden demnach ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn Unternehmen stärker auf ihre Bedürfnisse eingingen. Flexible Arbeitszeitmodelle und bessere Rahmenbedingungen seien entscheidend.
Die Debatte um Arbeitszeit und Leistungsbereitschaft hat in den vergangenen Wochen an Schärfe zugenommen. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte wiederholt die angeblich fehlende Leistungsbereitschaft der Deutschen. Er bemängelte zu häufige Krankmeldungen und die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung .