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Debatte um Arbeitszeitmodell: CDU-Flügel will Recht auf "Lifestyle-Teilzeit" abschaffen

Der Wirtschaftsflügel der CDU will Teilzeitarbeit massiv einschränken. Der Rechtsanspruch auf Downgrading soll nur noch in ausgewählten Fällen bleiben.
/ Andreas Donath
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Teilzeit und Kinderbetreuung gehen oft Hand in Hand. (Bild: Pexels)
Teilzeit und Kinderbetreuung gehen oft Hand in Hand. Bild: Pexels

Der Wirtschaftsflügel der CDU geht in die Offensive. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) will den bisherigen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit drastisch einschränken. Nach Informationen des Magazins Stern(öffnet im neuen Fenster) soll auf dem CDU-Bundesparteitag Ende Februar 2026 ein entsprechender Antrag zur Abstimmung kommen.

Der Antrag trägt nach Informationen des Stern den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit". Die MIT verlangt, dass Arbeitnehmer künftig eine "besondere Begründung" vorlegen müssen, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Ohne triftigen Grund soll freiwillige Teilzeit nicht mehr möglich sein.

Was gilt derzeit? Liberales Teilzeitrecht

Bislang haben Beschäftigte in Deutschland weitreichende Rechte: Wer länger als sechs Monate in einem Unternehmen arbeitet und dieses mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt, kann Teilzeit beantragen. Betriebliche Gründe können dem Wunsch zwar entgegenstehen, doch die Hürden für den Anspruch auf Teilzeit sind niedrig.

Die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann begründet den Vorstoß im Magazin Stern mit dem Fachkräftemangel. "Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten." Freiwillige Teilzeit aus Gründen der persönlichen Lebensgestaltung dürfe nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert werden.

Als legitime Gründe für Teilzeitarbeit nennt der Antrag die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen, Weiterbildungen. Wer aus anderen Motiven weniger arbeiten möchte, soll das nicht mehr können. Die Solidargemeinschaft dürfe nicht die "Work-Life-Balance von Aufstockern" finanzieren, heißt es in dem Antragspapier.

Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen einen klaren Trend. Im Jahr 2024 arbeiteten 29 Prozent der Deutschen in Teilzeit – ein Höchststand. Bei Frauen lag der Anteil bei 49 Prozent, bei Männern bei zwölf Prozent.

Eine Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergab, dass viele Mütter gern mehr arbeiten würden(öffnet im neuen Fenster). 45 Prozent der Befragten würden demnach ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn Unternehmen stärker auf ihre Bedürfnisse eingingen. Flexible Arbeitszeitmodelle und bessere Rahmenbedingungen seien entscheidend.

Die Debatte um Arbeitszeit und Leistungsbereitschaft hat in den vergangenen Wochen an Schärfe zugenommen. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte wiederholt die angeblich fehlende Leistungsbereitschaft der Deutschen. Er bemängelte zu häufige Krankmeldungen und die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung.

Eingriff in bestehende Rechte – vor allem Frauen betroffen

Der MIT-Vorstoß zielt auf einen etablierten Rechtsanspruch. Kritiker dürften argumentieren, dass die Maßnahme vor allem Frauen trifft, die häufiger in Teilzeit arbeiten. Zudem bleibt unklar, wer über die Berechtigung von Teilzeitwünschen entscheiden soll und wie "besondere Gründe" genau definiert werden.

Widerstand aus der eigenen Partei

Innerhalb der CDU regte sich Widerspruch gegen den Vorschlag. Dennis Radtke, der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, äußerte Kritik in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe:(öffnet im neuen Fenster)"Eine solche Beschränkung geht das Thema von der falschen Seite an." Die CDU habe sich immer dafür eingesetzt, dass Menschen möglichst frei wählen können.

Radtke betonte, dass auch er es begrüßen würde, wenn mehr Teilzeitbeschäftigte in Vollzeit zurückkehrten – viele empfänden Teilzeit schließlich als Falle. Allerdings müssten dafür zunächst die Bedingungen in den Bereichen Kinderbetreuung und Pflege verbessert werden, die einen Wechsel aktuell oft verhinderten.

Nachtrag vom 26. Januar 2026, 15:53 Uhr

Alexander Schweitzer, der als stellvertretender Vorsitzender der SPD und als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz fungiert, kritisierte den Vorschlag aus dem Wirtschaftsflügel der Union, das Recht auf Teilzeitarbeit zu beschränken. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk(öffnet im neuen Fenster) wies er die Vorstellung von sogenannten Lifestyle-Arbeitnehmern zurück. Stattdessen betonte er, dass die meisten Menschen in Deutschland bemüht seien, Beruf, Familie und persönliche Prioritäten zu vereinbaren.


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