Deauther: Legal, illegal, Einzelfall

Wenn sich Theorie und Praxis gegenüberstehen, zieht sich eine Behörde auf Vorschriften zurück. Im Fall von Deauthern raubt das vor allem Zeit.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Der Einsatz von spezielle Deauther wie diesem ist wohl in den meisten Fällen klar verboten.
Der Einsatz von spezielle Deauther wie diesem ist wohl in den meisten Fällen klar verboten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Die Debatte um die Nutzung sogenannter Deauther an Hochschulen hat gezeigt, dass diese möglicherweise legitime Einsatzzwecke haben können. Dennoch ist ihre Nutzung laut der Bundesnetzagentur prinzipiell "nicht zulässig", wie die Behörde Anfang des Jahres mitteilte. Wir wollten von der Bundesnetzagentur wissen, ob es Ausnahmen davon geben kann und legitime Einsätze von Deauthern dennoch legal sein können. Die Behörde will das zwar nicht gänzlich verneinen, reagiert hier aber sehr ausweichend.

Inhalt:
  1. Deauther: Legal, illegal, Einzelfall
  2. Paragrafen reiten dauert

Die grundlegende Technik der Deauther-Technik nutzt einen bestimmten Teil des WLAN-Standards aus: das Deauthentication Frame. Damit können Basisstationen wie Router oder Access Points wiederum Clients dazu auffordern, sich von dem Netz abzumelden. Werden kontinuierlich solche Deauth-Befehle gesendet, könnten Dritte ein WLAN faktisch unbenutzbar machen, es also ausknipsen.

Es gibt viele kleine Platinen, sogar in der Größe von Armbanduhren, mit denen sich solche Deauth-Angriffe praktisch durchführen lassen, etwa um eine Winkekatze zu klauen oder auch schlicht Menschen in der näheren Umgebung zu trollen - was beides natürlich illegal ist.

Darüber hinaus ist die Deauth-Funktion aber auch oft in Access Points für den professionellen Einsatz eingebaut und per Klick aktivierbar. Dies wird als Sicherheitsfunktion vermarktet, dafür gibt es dann Namen wie Air Marshal oder Rogue Access Point Containment.

Legitime, aber auch fragwürdige Nutzung

Stellenmarkt
  1. Digitalisierungsexperte (Smart Factory) und Lean Manager (m/w/d)
    Knauf Gips KG, Iphofen bei Würzburg
  2. Full Stack Software Developer (m/f/d)
    Lufthansa Technik AG, Hamburg
Detailsuche

Die legitime Sicherheitsfunktion besteht hier darin, dass sogenannte Honeypots effektiv ausgeschaltet werden können, sowie auch Access Points, die ein WLAN klonen, um darüber Informationen zu gewinnen und abzuleiten. Ausschließlich dafür genutzt wird die Funktion aber nicht.

Hotels oder auch Cafés können die Funktion etwa verwenden, um Gäste zum Beispiel davon abzuhalten, eigene Hotspots zu nutzen, weil sie das kostenpflichtige WLAN der Betreiber umgehen wollen. In den USA hat die dortige Kontrollbehörde, die Federal Communications Commission (FCC), Unternehmen bereits zu Strafzahlungen deswegen verpflichtet.

Die Vorgehensweise zum Unterbinden eigener WLAN-Netze per Deauthentication setzen wie eingangs erwähnt offenbar auch Hochschulen in Deutschland ein. Das hat die Initiative eines kleinen privaten Forschungsprojekts ergeben, die dazu systematisch Anfragen über die Plattform "Frag den Staat" erstellt hat. Solch ein Vorgehen ist aber eben prinzipiell nicht zulässig, was uns die Bundesnetzagentur erneut bestätigt.

"Aussendungen, die absichtlich bestimmungsgemäße WLAN-Nutzungen stören oder verhindern, wie z.B. Aussendungen von Funksignalen und/oder Datenpaketen, die die Abmeldung oder Beeinflussung von WLAN-Verbindungen anderer Nutzer gegen deren Willen zum Ziel haben, sind nicht gestattet." Es ist ziemlich leicht nachvollziehbar, dass das Ausschalten eines selbst aufgespannten Netzes oder eben auch eines Hotspots durch Dritte dementsprechend nicht zulässig ist.

Die Hochschulen begründen ihr Vorgehen meist mit einem Verweis auf das eigene Hausrecht, das die Nutzung eigener drahtloser Netzwerke verbietet. Das soll etwa einem besseren Bandbreiten-Management dienen. Die Unterbindung fremder Netzwerke über das Hausrecht sowie auch das Aufspüren etwaiger Access Points über die Funktionen des WLAN-Controllers ist dabei natürlich nicht illegal. Das Ausknipsen ist zwar unter den meisten Umständen illegal - aber eben auch die schnellste Lösung. Und das gilt wohl auch bei der Deauth-Nutzung für legitime Sicherheitszwecke.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Paragrafen reiten dauert 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Enter the Nexus 18. Aug 2020

Es ist hier definitiv schon vorgekommen, dass Kunden oder Lieferanten mit einem eigenen...

Enter the Nexus 18. Aug 2020

Und warum muss ich es hinnehmen, dass jemand auf meinem Grundstück mein WLAN stört, indem...

Varbin 14. Aug 2020

Es ist tatsächlich möglich: Mit moderner Hardware sind sogenannte "Protected Management...

Mampfradler 12. Aug 2020

Und wie hoch ist die Verfolgungsquote bei kriminell motivierten deauths? Wie hoch ist sie...

LanMarc77 11. Aug 2020

Also §2 (3) TKG legt fest: "Die Bundesnetzagentur wendet bei der Verfolgung der in Absatz...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Giga Factory Berlin
Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste

Tesla kann die Milliarde Euro Förderung für die Akkufabrik Grünheide nicht beantragen - weil es sonst zu Verzögerungen beim Einsatz neuer Technik käme.

Giga Factory Berlin: Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste
Artikel
  1. Nachhaltigkeit: Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner
    Nachhaltigkeit
    Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner

    Kawasaki will elektrische Antriebe für seine Fahrzeuge entwickeln, 2022 sollen drei Elektromotorräder erscheinen.

  2. Doppelbildschirm: Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg
    Doppelbildschirm
    Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg

    Das Kickstarter-Projekt Slidenjoy kann nach 6 Jahren seinen Doppelbildschirm Slide für Notebooks ausliefern.

  3. Elektroauto: Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um
    Elektroauto
    Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um

    Tesla hat in China damit begonnen, den Ryzen von AMD in das Model Y zu verbauen. Käufer berichten von einem viel flüssigerem Scrolling.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • WD Blue SN550 2 TB ab 149€ • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops • Cooler Master V850 Platinum 189,90€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /