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Death by Scrolling angespielt: Ron Gilbert schickt uns ins Fegefeuer

Mit seinem neuen Retro-Roguelike beweist der Monkey-Island -Schöpfer, dass er auch ohne Piraten höllisch guten Witz hat.
/ Peter Steinlechner
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Szene aus Death by Scrolling (Bild: Bild: Microprose / Screenshot: Golem)
Szene aus Death by Scrolling Bild: Bild: Microprose / Screenshot: Golem

Ron Gilbert, der Entwickler hinter Monkey Island und Thimbleweed Park, hat wieder zugeschlagen – und diesmal geht es buchstäblich um den Tod durch Scrollen. Death by Scrolling ist ein erstaunlich klassisches Roguelike, das sich über so ziemlich alles lustig macht – auch über sich selbst.

Das Spiel beginnt mit einem Satz, der so trocken ist, dass wir fast husten müssen: "Willkommen im Fegefeuer" .

Um zu entkommen, müssen wir nach Norden (oben) laufen und dabei 5.000 Gold sammeln. Damit können wir den Fährmann bezahlen und ins Jenseits weiterreisen. Wer scheitert, beginnt wieder von vorn.

Die Prämisse ist so simpel wie clever: ein klassischer Roguelike-Loop aus Sammeln, Sterben und Wiederholen, verpackt in eine selbstironische Höllenbürokratie. Schon das Tutorial ist eine Parodie auf alte Spielezeiten.

Ein Bildschirm verkündet: "Bitte lesen Sie dieses Handbuch, während das Spiel von Diskette installiert wird" – obwohl längst nichts mehr installiert wird, und schon gar nicht von Diskette.

Death by Scrolling ist voll von solchen gelungenen Retro-Witzen: Handbuch-Humor, Kopierschutz-Satire und 80er-Jahre-Game-Design.

Spielerisch erinnert das Ganze an Titel wie Vampire Survivors: Gegner stürmen in Wellen heran, wir bewegen uns per WASD oder mit den Pfeiltasten unablässig durch zufällig generierte Karten, sammeln Power-ups und Gold.

Wer zu lange trödelt, wird einfach vom unteren Bildschirmrand verschluckt. Das kostet Herzchen, ebenso wie die Treffer von feindlichen Bogenschützen oder Zombies. Wenn wir dem Sensenmann in die Arme laufen, sind sofort alle Herzchen verbraucht – "Game over" .

Die einzige Aktionstaste ist der Sprint (Leertaste). Das ist praktisch zum Überleben, aber riskant, weil wir dabei keine Münzen oder Karten aufsammeln können. So wird jeder Lauf zu einem Balanceakt zwischen Risiko, Gier und Zeitdruck. Im Grunde ist Death by Scrolling auch ein Extraction-Spiel.

Zwischen den Levels landen wir im Camp, das wie ein Verwaltungsposten des Jenseits wirkt. Dort warten schrullige Figuren mit herrlich absurden Dialogen. Ein NPC empfiehlt, "Edelsteine für überteuerte Schicksalskarten" auszugeben, während ein anderer anmerkt, wir sollten lieber sparen, um den Fährmann zu bezahlen.

Trotz seiner satirischen Oberfläche funktioniert das Spiel auch mechanisch erstaunlich gut. Wir sammeln Karten-Upgrades, etwa mehr Lebenspunkte oder zusätzliche orange Ladungen, und versuchen, immer länger zu überleben.

Death by Scrolling: Verfügbarkeit und Fazit

Die Steuerung ist simpel, das Feedback unmittelbar und das Moment-by-Moment-Gameplay großartig. Jeder Lauf erzeugt diese Mischung aus Hektik, Kontrolle und knapper Rettung, die sofort den "nur noch fünf Minuten" -Reflex auslöst.

Death by Scrolling ist die Sorte Spiel, bei der wir nach einer halben Stunde merken, dass wir seit zwei Stunden "nur mal kurz" unterwegs sind.

Grafisch wirkt das Ganze wie eine Liebeserklärung an die 16-Bit-Ära. Knallige Farben, einfache Animationen, ein Soundtrack zwischen Chiptune und Fegefeuer-Polka. Das Interface sieht ebenfalls aus, als käme es aus den 80er Jahren.

Hinter dem Klamauk steckt aber auch eine gewisse Nachdenklichkeit. Das Spiel ist ein Kommentar über die Spieleindustrie und das endlose Streben nach Fortschritt. Gold, Upgrades, Edelsteine – alles verliert irgendwann an Bedeutung, weil wir am Ende doch nur zahlen, um den Fährmann zu bezahlen.

Death by Scrolling(öffnet im neuen Fenster) ist für Windows-PC über Steam erhältlich. Der Preis beträgt regulär 8 Euro, der Download ist knapp 180 MByte klein. Die Bildschirmexte sind gut ins Deutsche übersetzt, Konsolenversionen sind geplant.

Fazit

Death by Scrolling ist zwar kein Adventure, erstaunlicherweise aber trotzdem Ron Gilbert in Reinform: selbstironisch und wunderbar verspielt. Was auf den ersten Blick wie ein simples Pixel-Roguelike aussieht, entpuppt sich beim Anspielen als satirischer Rundumschlag über Spielemechaniken, Sammelwahn und digitales Dauergrinden.

Wir sterben oft, fluchen regelmäßig und merken schnell, dass das Fegefeuer hier kein Ort der Qual ist, sondern ein Loop aus Versuch, Scheitern und Neuanfang – und so unterhaltsam, dass wir sehr gerne freiwillig bleiben.

Wer mit Monkey Island oder Thimbleweed Park gelacht hat, wird sich auch in Death by Scrolling wohlfühlen. Ron Gilbert zeigt einmal mehr, dass Humor, Retro-Charme und Suchtpotenzial wunderbar zusammenpassen. Dieses Spiel wird noch sehr lange auf unserer "Diskette" bleiben!


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