DE-CIX: Corona fordert die gesamte Internetinfrastruktur heraus

Gegenwärtig gebe es keine echten Kapazitätsprobleme im Internet, das könne sich jedoch mittel- bis langfristig in der Coronakrise ändern, sagte ein Experte vom DE-CIX.

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Der weltgrößte Internetknoten
Der weltgrößte Internetknoten (Bild: DE-CIX)

Mittel- bis langfristig kann es durch die Coronapandemie für die gesamte Internetinfrastruktur Herausforderungen geben. Das erklärte (PDF) Christoph Dietzel, Global Head of Products & Research bei DE-CIX, am 22. Juni 2020. Durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit könnten Wartungen oder Erweiterungen an den Geräten in den Rechenzentren nicht immer wie geplant stattfinden.

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"Das ist kurzfristig kein Problem, da jederzeit ausreichende Reserven vorgehalten werden und die Automatisierung in Rechenzentren - zum Beispiel Patch-Roboter bei DE-CIX in Frankfurt, die selbstständig Upgrades von Kundenkapazitäten durchführen können - teilweise recht weit vorangeschritten ist." Sollte die momentane Situation über weitere Monate anhalten, könnte allerdings laut Dietzel irgendwann der Punkt erreicht werden, "an dem dringender Handlungsbedarf besteht. Im Hinblick auf die Lieferketten der eingesetzten Hardware könnte es beispielsweise zu Lieferverzögerungen kommen. Die Fertigung von Routern, Switchen oder optischer Ausrüstung findet überwiegend in Asien statt."

Da diese Geräte in Benutzung ständigen physischen Belastungen ausgesetzt seien, würden sie früher oder später ersetzt werden müssen, wobei die typischen Zyklen dafür eher in Jahren bemessen werden können - und eine über Jahre andauernde Krise inklusive verzögerter Lieferungen doch eher unwahrscheinlich sei, erklärte Dietzel.

Zu unterscheiden sei in Endkundennetze (Teilnetze mit DSL, UMTS/LTE oder Kabel), Transportnetze (Netze zwischen dem Endkundennetz und dem leistungserbringenden Netz) sowie Dienstbetreibernetze. In der aktuellen Krise könnten in diesen drei Netzarten durch einen sprunghaften Anstieg des Datenverkehrs Engpässe entstehen.

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Der limitierende Faktor im Endkundennetz könne zum Beispiel die Anschlusskapazität des DSL-Anschlusses sein, also weniger eine technische Beschränkung als eine kommerzielle. Wichtiger sei, "dass die Betreiber von Endkundennetzen ausreichende Kapazitäten innerhalb ihres Netzes vorhalten müssen. Es muss jederzeit genügend Kapazität vorhanden sein, um den erforderlichen Datenverkehr aus den Haushalten oder Büros durch die Endkundennetze zu den Übergabepunkten und von dort aus in Transport- oder Dienstbetreibernetze transportieren zu können", sagte Dietzel.

Um nach den Worten von Dietzel einem limitierten Datenverkehr beim Endnutzer vorzubeugen, werden im heutigen Internet nicht mehr alle Inhalte direkt von den jeweiligen CDN-Servern (Content Delivery Network) zum Endkunden transportiert, sondern beliebte Inhalte bereits auf Servern direkt im Endkundennetz zur Verfügung gestellt. "Ein populärer neuer Film, der auf Streaming-Plattformen angeboten wird, muss nur einmalig auf einen sogenannten Cache-Server im Endkundennetz übertragen werden - das betrifft heute bis zu 50 Prozent der Fälle", erklärte Dietzel.

Potenzielle Engpässe könnten auch an den Netzübergängen entstehen. Damit seien die kritischen Verbindungen und Übergabepunkte zwischen den einzelnen Teilnetzen - Endkunden-, Transport- und Dienstbetreibernetze - gemeint. Technisch gesehen könne das eine direkte Verbindung mittels Glasfaser oder auch einer der 880 Internetknoten weltweit sein, die diese Teilnetze verbinden.

Eben diese Netzübergänge könnten bei unzureichendem Ausbau die Flaschenhälse des Internets werden und somit bei explosionsartig wachsendem Datenverkehr die Verfügbarkeit von Diensten einschränken. Wenn mehr Datenverkehr von allen an dem Internetknoten angeschlossenen Teilnetzen (Endkundennetze) zu einem anderen Teilnetz wie dem Dienstbetreibernetz fließen soll, als dieser über Anschlusskapazität am Internetknoten verfügt, werde ein Teil des Datenverkehrs zwangsläufig verworfen.

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