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DDR5-17.600: Mit Multi-Rank soll Speicher doppelt so schnell werden

Jedec stellt einen Standard fĂŒr doppelt so schnellen DDR5-Speicher vor. Multi-Rank-Module vereinen zwei Speicherriegel auf einer Platine.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Nimm zwei DIMMs, packe sie auf eine Platine, noch einen Puffer dazu, fertig ist ein MRDIMM. (Bild: SK Hynix)

Der RAM wird fĂŒr Prozessoren zum Flaschenhals – das ist nichts Neues. Neu ist ein weiterer Ansatz, um dem Problem zu begegnen: Sogenannte Multi-Rank-DIMMs (MRDIMMs) sollen zwei Speichermodule zu einem zusammenfassen. Damit soll die Anbindung an den Prozessor doppelt so schnell werden, aus zwei DDR5-4400-Modulen wird etwa ein DDR5-8800-Modul. Jedec, das Gremium fĂŒr Speicherstandards, hat auf der Konferenz Memcon einen Vorschlag fĂŒr einen Standard vorgestellt (via Tom's Hardware).

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UnterstĂŒtzung bekam der Jedec-Vorschlag von AMDs Vice President fĂŒr Serverprodukte, Robert Hormuth. Auf Linkedin zeigte er Interesse an dem Vorschlag und schrieb, AMD "steht voll hinter der Arbeit an offenen Industriestandards" – das lĂ€sst eine Mitarbeit von AMD erwarten. Intel wird MRDIMMs bereits mit den kommenden Granite-Rapids-Xeons unterstĂŒtzen, hier allerdings mit einer zusammen mit SK Hynix und Renesas entwickelten Technologie namens MCR (fĂŒr Multiplexer Combined Ranks).

Der Jedec-Vorschlag liest sich allerdings sehr Ă€hnlich: Über einen speziellen Puffer-Chip werden zwei Speicherbausteine angesprochen. Die Daten dĂŒrften abwechselnd auf beide verteilt sein (Interleaving), um die Latenz gering zu halten. Da parallel aus beiden Chips gelesen oder in sie geschrieben wird, lĂ€sst sich die Datenrate theoretisch verdoppeln. Intel beschrĂ€nkt sich bei der ersten MCR-Generation auf 8.000 MT/s, der Vorschlag der Jedec sieht 8.800 MT/s vor. Etwas verwunderlich ist, dass hier von "QDR @ 8800" die Rede ist.

17.600 MT/s erst 2030

Robert Hormuth fĂŒgte seinem Beitrag noch Fotos von zwei Vortragsfolien bei, auf einem davon ist ein grober Zeitplan zu sehen. Demnach plant Jedec, die anfĂ€nglichen 8.800 MT/s zunĂ€chst auf 12.800, dann auf 17.600 MT/s zu steigern. Dazu gibt es eine Zeitachse, die allerdings nur mit "realistische Bandbreitenanforderungen 203x" beschriftet ist – wann mit den entsprechenden Standards zu rechnen ist, bleibt damit unklar.

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Gedacht sind die MRDIMMs fĂŒr Server-Systeme, die zunehmend Probleme haben, die vielen Rechenkerne schnell genug mit Daten zu versorgen. Mit High Bandwidth Memory (HBM) existiert zwar eine Lösung mit hoher Bandbreite, der Stapelspeicher ist allerdings teuer und im gewohnten DIMM-Format kaum anzubinden. Auch mehr Speicher-Controller – Intel erhöht bei Granite Rapids auf 12 – sind kein gangbarer Weg, da die Mainboard-FlĂ€che begrenzt ist.

Auch bei der Datenrate der Speicherschnittstellen sind keine großen Steigerungen zu erwarten. Daher stellen MRDIMMs eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kostengĂŒnstige Zwischenlösung zu HBM dar, die Kunden mehr FlexibilitĂ€t bei der Speicherausstattung ihrer Systeme lĂ€sst – zumal sie nur eine Alternative zu normalen DIMMs sind. Ihre Leistung werden sie allerdings nur ausspielen können, wenn hauptsĂ€chlich sequenzielle Daten verarbeitet werden. Ob MRDIMMs auch in Desktop-Systeme kommen, bleibt abzuwarten.

Update, 5.4.2023, 11:58 Uhr:

Wir haben die Übersetzung des Kommentars von Robert Hormuth korrigiert.