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DDR-Computer: Wie ich mir nach 28 Jahren Warten meinen Z1013 bastelte

Auf einen Trabbi jahrelang warten zu müssen, war in der DDR normal. Aber auf einen Computer? Ich habe auf meinen Mikrorechnerbausatz genau 28 Jahre gewartet. Die Mauer fiel, ich wurde erwachsen, ich wurde Sysadmin. Und jetzt endlich habe ich ihn, meinen Z1013.

Artikel von Mario Keller veröffentlicht am
Der Robotron Z1013
Der Robotron Z1013 (Bild: Holger Krull)

1987, irgendwo in einem Plattenbau in Halle an der Saale in der DDR: Ich sitze vor einem Artikel der Ausgabe 02/87 der Zeitschrift Practic mit dem spannenden Titel "Mikrorechnerbausatz Z1013 - Technische Daten - Bezug - Erweiterungen". Mit meinen 14 Jahren ist mein größter Wunsch ein eigener Computer. Die Programmiersprache Basic habe ich mit Hilfe eines Urania-Sonderheftes und diversen Büchern gelernt. Durch ein wenig Glück habe ich über einen Computerclub an der Pädagogischen Hochschule Halle auch einmal pro Woche Zugriff auf einen KC87, einen DDR-Home-Computer. Jetzt möchte ich Computer von Grund auf verstehen.

Inhalt:
  1. DDR-Computer: Wie ich mir nach 28 Jahren Warten meinen Z1013 bastelte
  2. Endlich mein!
  3. ... und dann läuft er endlich!
  4. Henne - Ei - Henne

Mit dem Bausatz Z1013 auf Basis des UB880 (Z80-Klon) scheint der Traum in greifbare Nähe gerückt zu sein: ein Computer, den ich jederzeit nutzen kann, mit dem ich lernen, spielen und programmieren kann, ohne von AG-Zeiten abhängig zu sein! Es folgen zähe Verhandlungen mit meinen Eltern über die Anschaffung, denn mit 965 Mark ist der Z1013 nicht gerade preiswert. Von dieser Menge Geld können wir einige Monate unsere Miete zahlen. Schließlich der Erfolg: Es gelingt mir, meine Eltern von der absoluten Notwendig- und Sinnhaftigkeit dieser Anschaffung zu überzeugen, und ich schicke meine Bestellung an das Robotron-Fachgeschäft in Erfurt. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich 28 Jahre auf den Bausatz warten würde, wäre ich nicht so aufgeregt gewesen.

  • Gesamtansicht Z1013 mit Tastatur und BAS-Signal am Monitor (Foto: Mario Keller)
  • 12V-Netzteil und Stromabschluss auf der Platine, inklusive Originalkabel (Foto: Mario Keller)
  • Tastatur-Vorderseite (Foto: Mario Keller)
  • Tastatur-Rückseite (Foto: Mario Keller)
  • Abgreifen des Bildsignals auf der Platine ... (Foto: Mario Keller)
  • und verbunden über einen Kondensator ... (Foto: Mario Keller)
  • mit einem Cinch-Kabel (Foto: Mario Keller)
  • Originale Verpackung mit Handbüchern und Garantieurkunde  (Foto: Mario Keller)
  • Label auf dem Karton (Foto: Mario Keller)
  • Garantieurkunde (Foto: Mario Keller)
  • Erika-Schreibmaschine (Foto: Mario Keller)
  • Der Geracord-Kassettenrekorder (Foto: Mario Keller)
  • 60-Euro-Display (1.024 x 600 Pixel) mit passendem CVBS-Eingang (Foto: Mario Keller)
Gesamtansicht Z1013 mit Tastatur und BAS-Signal am Monitor (Foto: Mario Keller)

Das bisschen Warten ...

Eine gewisse Wartezeit hatte ich natürlich eingeplant - das war bei vielen begehrten Konsumartikeln so. Es machte mir nichts aus: So gewann ich Zeit, Geld für den Kauf des Rechners zu sparen. Doch je mehr Zeit verging, desto freudiger erwartete ich die baldige Nachricht, dass ich den Z1013 abholen könne. Verschickt wurden die Geräte nur in Ausnahmefällen, man musste den Bausatz zwecks kurzer "Einweisung" persönlich abholen.

Monate vergingen. Ich fragte in Erfurt nach, wann mein Gerät denn geliefert würde. "Das kann dauern", lautete die lapidare Antwort. Wann die Bestellungen bearbeitet würden? "Keine Auskunft!" Es sei ja nicht einmal sicher, dass die Abarbeitung der Reihenfolge der Bestellungen entspreche. Also übte ich mich zwangsläufig in Geduld. Doch je mehr Monate vergingen, desto mehr schwand meine Hoffnung, den Bausatz demnächst in der Hand zu halten. Oder bald. Oder später. Oder überhaupt irgendwann.

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Ob meine Bestellung einfach vergessen wurde oder ob ein anderer sie bekommen hat, habe ich nie erfahren. Ich weiß nur: Meinen bestellten Z1013 habe ich nie bekommen. Irgendwann besorgte mir mein Vater über seine Kanäle einen C64 und später sogar noch ein Floppylaufwerk, so dass ich zumindest etwas getröstet war. 1989 kam die Wende und die Produktion des Z1013 wurde eingestellt. Ich wurde erwachsen. Ich wurde Sysadmin. Ich hatte Technik in der Hand, von der ich als Kind nicht einmal geträumt hatte. Aber der unerfüllte Wunsch nach meinem Z1013 hat mich irgendwie nicht losgelassen.

"Ich hoffe, der Z1013 gerät in gute Hände"

Es ist Dezember 2015, und die 14 habe ich lange hinter mir gelassen. Was geblieben ist, ist die Begeisterung für Computer - neue und vor allem alte. Seit einiger Zeit bin ich sogar Mitglied im Verein zum Erhalt klassischer Computer und habe im Lauf der Jahre eine durchaus vorzeigbare Sammlung an alten und älteren Geräten angehäuft. Fehlt noch ein Z1013. Mein Z1013.

Das Robotron-Fachgeschäft in Erfurt gibt es natürlich nicht mehr, dafür aber Plattformen wie Ebay, auf denen hin und wieder alte Computer zu finden sind, manchmal sogar zu sinnvollen Preisen. Ich stöbere in der Rubrik "Computerklassiker" nach Geräten für meine Sammlung. Unter anderem suche ich einen Polycomputer 880 (DDR-Lerncomputer), einen KC 85/3 oder 85/4 (einen KC 87 habe ich schon) und natürlich den Z1013. Und dann lese ich: "Ich verkaufe hier meinen Bausatz des Einplatinencomputers aus der DDR, Robotron Z1013, aus dem Jahr 1988. ... Der Z1013 wurde gerade einmal ausgepackt, aber nie angeschlossen. Als Zubehör liegen eine Matrixtastatur und ein paar Kabel dabei. Ich hoffe, der Z1013 gerät in gute Hände."

Endlich mein! 
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m9898 12. Mär 2016

Der gehäuselose Trafo ist Lebensgefährlich. Trägt beim Author vielleicht zum DDR-feeling...

MrTuscani 03. Mär 2016

+1... Wer von uns kann so etwas nicht nachvollziehen?

Rubbelbubbel 01. Mär 2016

Etwas Magie ist hier angekommen, obschon ich erstens ein Wessi-Bengel und zweitens jünger...

BadBigBen 01. Mär 2016

Action Figuren aus dem Karton = Wertverlust...

ft1307 29. Feb 2016

Nach der Wende begann die große Rauschbefriedigung. Alles, was man bis dato nur über...


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