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Der Robotron Z1013
Der Robotron Z1013 (Bild: Holger Krull)

Endlich mein!

Hallo, das bist doch du? Mein Z1013? Die Auktion endet an einem Mittwoch um 19:47 Uhr. Ich mache mir Termine in sämtlichen Kalendern mit einer hinreichend großen Zahl an Erinnerungen und setze mir ein persönliches Limit, das ich noch ein oder zwei Mal nach oben korrigiere. Noch zehn Minuten, der Preis ist noch nicht dreistellig, das lässt hoffen. Noch eine Minute, jetzt klettert der Preis und ein Teil von mir bereitet sich schon einmal auf ein mögliches Scheitern vor. Drei Sekunden vor Ablauf der Auktion setze ich mein Maximalgebot. Und dann ist er plötzlich mein Z1013!

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Nach einiger Zeit normalisiert sich auch mein Adrenalinspiegel. Und dann ist es wieder da, das Gefühl, das ich so gut kenne: das bange Warten auf das ersehnte Paket. Ist wirklich alles original, sind die Bauteile noch in Ordnung oder sind Kondensatoren ausgelaufen? Noch kann eine Menge schiefgehen.

Komplettes Set, super Zustand

Auf dem Auktionsbild sieht alles toll aus: die Platine, der originale Karton, die Handbücher. Diesmal muss ich mich nur drei Tage gedulden, am Samstag kommt das Paket mit der Post. Ein wenig mulmig ist mir schon, als ich den Karton öffne. Jetzt wird sich zeigen, ob sich der Aufwand und die Kosten und vor allem das Warten gelohnt haben. Die Verpackung ist ordentlich, alles gut gepolstert. Vorsichtig wird das Polstermaterial entfernt und zum Vorschein kommt tatsächlich der originale Karton: "Mikrorechnerbausatz Z1013.16" EVP: 965,- M.

  • Gesamtansicht Z1013 mit Tastatur und BAS-Signal am Monitor (Foto: Mario Keller)
  • 12V-Netzteil und Stromabschluss auf der Platine, inklusive Originalkabel (Foto: Mario Keller)
  • Tastatur-Vorderseite (Foto: Mario Keller)
  • Tastatur-Rückseite (Foto: Mario Keller)
  • Abgreifen des Bildsignals auf der Platine ... (Foto: Mario Keller)
  • und verbunden über einen Kondensator ... (Foto: Mario Keller)
  • mit einem Cinch-Kabel (Foto: Mario Keller)
  • Originale Verpackung mit Handbüchern und Garantieurkunde  (Foto: Mario Keller)
  • Label auf dem Karton (Foto: Mario Keller)
  • Garantieurkunde (Foto: Mario Keller)
  • Erika-Schreibmaschine (Foto: Mario Keller)
  • Der Geracord-Kassettenrekorder (Foto: Mario Keller)
  • 60-Euro-Display (1.024 x 600 Pixel) mit passendem CVBS-Eingang (Foto: Mario Keller)
Originale Verpackung mit Handbüchern und Garantieurkunde (Foto: Mario Keller)

28 Jahre nach dem Abschicken meiner Bestellung steht er also vor mir, so wie er geliefert worden wäre, und der Zustand ist wirklich super. Bis auf ein wenig Staub hat die Zeit kaum Spuren hinterlassen. Der Bausatz wurde wohl tatsächlich nur einmal kurz ausgepackt und dann eingemottet.

Es ist alles vorhanden, was dazugehört. Die Platine, die Tastatur, ein Flachbandkabel, zwei Stromkabel, sogar die Kabelschuhe für den Stromanschluss auf der Platine, alle Handbücher, die Schaltungsunterlagen, die Ergänzung zur Bedienungsanleitung und sogar die Garantieurkunde von 1988. Handschriftlich ausgefüllt am 23. September (zunächst August, das ist aber durchgestrichen) 1988. Ich habe das Gerät Nummer 8386, genaue Typenbezeichnung Z1013.16 MPF D/A 03/85.

Auch hier wurde von Hand nachgearbeitet. Da stand eigentlich Z1013.01, daraus wurde dann ein Z1013.16 gemacht. Da steht er nun, mein Z1013. Jetzt bloß nichts überstürzen oder gar etwas kaputt machen.

Ich mache etwas Untypisches: Ich lese Handbücher

Ich entscheide mich daher für etwas ganz Untypisches, ich lese Handbücher. Jedes Detail will ich wissen über meinen Bausatz. Wie bereits geschrieben, basiert der Z1013 auf dem UB880, einem Klon der verbreiteten 8-Bit-CPU Zilog Z80. Wobei auf meinem Board sogar ein "echter" Z80 (SGS Z8400AB1) verbaut ist. Dazu kommen 16 KByte RAM (daher der Name Z1013.16). Ergänzt wird das um ein 4-KByte-ROM, welches das Monitorprogramm enthält. Zusätzlich gibt es noch 1 KByte Bildschirmspeicher und 1 KByte ROM mit den Definitionen der Bildschirmzeichen.

Für Ein- und Ausgabeoperationen wird ein UB855D (Klon des Z80-PIO-Bausteins) verwendet. Über ihn wird die Tastaturmatrix abgefragt und die Schnittstelle für einen Kassettenrekorder als externes Speichergerät bedient. Einer der beiden 8-Bit-I/O-Ports steht dabei noch frei zur Verfügung. Zum Bausatz gehört eine vollständige Beschreibung der Hardware in Form von Schaltplänen auf fünf A4-Blättern, inklusive eines Bestückungsplans.

Die Form als offene Platine ohne Gehäuse mit viel Hands-on-Bedarf für die Software hat schon ihren Reiz. Zum einen sieht man sehr gut, was man da eigentlich bedient. Abstrakte Begriffe wie CPU, RAM, ROM, I/O sind plötzlich greifbar, sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich den Rechner verwenden will, muss ich verstehen, wie er funktioniert. Je besser ich das Gerät verstehe, desto besser kann ich es nutzen. Heute sind wir gewohnt, dass die komplexe Technik vor uns verborgen wird. Alles ist einfach und intuitiv bedienbar. So ein Bausatz ist das genaue Gegenteil.

Noch ein bisschen Bastelarbeit ...

Eigentlich ist die Bezeichnung Bausatz etwas übertrieben, denn die Platine ist komplett bestückt. Was fehlt, ist die Stromversorgung. Hier muss ein Trafo mit 12 V Wechselspannung angeschlossen werden, der bis zu 2 A liefern kann. Das ist gar nicht so einfach. Wo bekomme ich denn einen 12V-AC-Trafo her? Hier helfen freundlicherweise die Kollegen auf der Arbeit aus, die aus einer Kiste mit alten Netzteilen einen passenden Trafo zaubern, vermutlich von einer Halogenlampe, die schon lange nicht mehr existiert.

Zusätzlich muss noch die mitgelieferte Folientastatur angelötet werden. Die ersten Modelle hatten dazu entsprechende Lötfahnen auf der Platine, später wurde hier ein richtiger, 13-poliger Stecker verwendet. Das passende Flachbandkabel wird auch mitgeliefert. Ich habe schon ein neueres Modell. Das freut mich aus verschiedenen Gründen. Da ist zum einen der Tastaturanschluss per Stecker. Warum das toll ist, sehen wir später.

Die ersten Modelle, die ab Ende 1985 produziert wurden, waren noch mit sogenannten "Anfallbauteilen" bestückt - also Bauteilen, die zwar prinzipiell funktionierten, aber nicht alle Produktionsvorgaben erfüllten. Um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, wurde daher auch nur ein 1-MHz-Systemtakt verwendet. Ab 1987 wurden getypte (also reguläre) Bauteile verwendet und der Takt auf 2 MHz erhöht.

Die Tastatur selbst ist eine mechanisch sehr einfach aufgebaute 4-x-8-Matrix mit bis zu vierfach belegten Tasten. Das Tippen damit ist sehr mühsam, zumal es kaum ein sinnvolles Feedback für einen Tastendruck gibt.

Ein weiteres Problem ist die Bildschirmausgabe. Der Z1013 hat einen eigenen HF-Modulator, der ein analoges Antennensignal erzeugt - eine übliche Methode von Homecomputern in den 80ern, sowohl in Ost als auch in West, denn einen Fernseher hatten die meisten Haushalte. Hier macht es sich bezahlt, dass schon einige Computer in meiner Sammlung sind, die so ein Bildschirmsignal liefern. Einen älteren Mustek-TFT-Fernseher, der viele alte Videosignale direkt verarbeiten kann, unter anderem auch ein analoges Antennensignal, und den ich vor geraumer Zeit für genau diesen Zweck angeschafft habe, kann ich als Monitor verwenden.

 DDR-Computer: Wie ich mir nach 28 Jahren Warten meinen Z1013 bastelte... und dann läuft er endlich! 

eye home zur Startseite
m9898 12. Mär 2016

Der gehäuselose Trafo ist Lebensgefährlich. Trägt beim Author vielleicht zum DDR-feeling...

MrTuscani 03. Mär 2016

+1... Wer von uns kann so etwas nicht nachvollziehen?

Rubbelbubbel 01. Mär 2016

Etwas Magie ist hier angekommen, obschon ich erstens ein Wessi-Bengel und zweitens jünger...

BadBigBen 01. Mär 2016

Action Figuren aus dem Karton = Wertverlust...

ft1307 29. Feb 2016

Nach der Wende begann die große Rauschbefriedigung. Alles, was man bis dato nur über...



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