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DCMM 2014: Wenn PC-Gehäuse zu Kunstwerken werden

Gamescom 2014
Computergehäuse aus Schubkarren, Automotoren und Glasvasen gibt es bei der Deutschen Casemod Meisterschaft auf der Gamescom zu sehen. Golem.de hat sich über den Messestand führen lassen und sich die spektakulären Kreationen angeschaut.
/ Sebastian Wochnik
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"Unterwasser-PC" in Parafin (Bild: Michael Wieczorek)
"Unterwasser-PC" in Parafin Bild: Michael Wieczorek

Auf der Gamescom gibt es nicht nur Spiele zu sehen: Bei der Deutschen Casemod Meisterschaft(öffnet im neuen Fenster) (DCMM) zeigen Casemodder aus aller Welt ihre kuriosen und aufwendigen Kunstwerke. Sie haben aus schlichten Computergehäusen beispielsweise einen Kampfroboter oder einen Rennsitz gebaut. Dabei wurden die verschiedensten Materialien verwendet – dieses Jahr auch eine Schubkarre und flüssiges Paraffin. Ein funktionsfähiger PC muss natürlich in dem Gehäuse eingebaut sein.

24-Stunden-Casemodding – Rundgang auf der Gamescom
24-Stunden-Casemodding – Rundgang auf der Gamescom (02:54)

"Die Exponate werden in fünf Kategorien aufgeteilt" , erklärt uns Christopher Dilling, Mitglied der DCMM-Jury. Die Casemods (von case modification) sind modifizierte Seriengehäuse, wie sie jeder kaufen kann. Bei den Casecons (von case construction) werden die Gehäuse von Grund auf neu entworfen und gebaut. Die CE-Mods (von consumer electronics) sind umgebaute Gehäuse von beispielsweise externen Festplatten oder auch einer Playstation Portable. In der Kategorie Cases on the Move werden Gehäuse bewertet, die so viele sich selbstständig bewegende Komponenten wie möglich besitzen.

Eine der interessantesten Kategorien ist die 24 Stunden Live-Modding-Challenge: Teams aus zwei Personen bauen innerhalb von 24 Stunden ein Gehäuse auf der Messe um. Alle beginnen mit dem gleichen Gehäuse, außerdem gibt es ein vorgeschriebenes Thema – dieses Jahr war es Kampf der Titanen. Mit allen möglichen Werkzeugen setzen die Teams ihre Ideen vor den Augen der Standbesucher um. Besonders in den letzten Minuten kann es hektisch werden, denn läuft der Timer ab, dürfen die Teams ihr Gehäuse nicht mehr berühren.

Die Fachjury bewertet nach verschiedenen Kriterien. Wichtig ist das äußere Erscheinungsbild und damit verbunden die Originalität, Funktionalität und das Begeisterungspotential. Aber auch auf das Handwerkliche wird Wert gelegt. Selberbauen bringt mehr Punkte als etwas bauen lassen, darunter darf die Verarbeitung der modifizierten Teile aber nicht leiden. In der letzten Kategorie geht es um die Elektrik: Selbst entworfene und gebaute Schaltungen werten das Exponat auf, aber auch die Kreativität dieser ist entscheidend.

Unabhängig von der Jury wählen Zuschauer auf der Messe die beste Kreation.

Der PC voller Öl

Einer der spektakulärsten PCs ist der Melting Ice Cube(öffnet im neuen Fenster) von Christian Kempaß. Als Basis diente eine Blumenvase aus Glas, in der die Hardware Platz findet. Das Besondere: In der Blumenvase befindet sich Paraffinöl, das in direktem Kontakt zur Hardware steht. Das Öl dient vor allem zur Kühlung des kleinen PCs, es leitet die Abwärme der Hardware an die Umgebungsluft. Es ist die ganze Zeit in Bewegung und wird über die Ränder der Blumenvase gepumpt, dadurch läuft das Öl an den Glaswänden herunter. In einem selbst konstruierten Unterbau wird das Öl gesammelt und in einem Filter gesäubert, so dass Staub und Schmutz dem PC nichts ausmachen.

Die Hardware musste zuvor nicht speziell behandelt werden, das Paraffinöl isoliert ausreichend stark, um keinen Kurzschluss zu verursachen. Das Kaltgerätekabel musste Kempaß aber speziell umbauen, denn an die Kontakte darf ihm zufolge kein Öl herankommen. Anfängern rät er vom Nachbauen eines Öl-PCs ab, denn die Hardware könne man schnell kaputt machen. Ölkühlung ist bei Casemoddern schon seit Jahren ein Betätigungsfeld, und die Idee setzt sich im professionellen Bereich langsam durch: Der neue Supercomputer Vienna Scientific Cluster 3 badet ebenfalls in Paraffinöl, allerdings kommen dort gleich 35 Tonnen des teuren Kühlmittels zum Einsatz.

Peter Bartos baute aus einem alten Mercedes-Benz-Motor sein PC-Gehäuse. Den Motorblock hat er zu großen Teilen verchromen lassen, aus den Kolben hat er die Halterung für eine Glasplatte gebaut – den PC nutzt er im Wohnzimmer als Glastisch. In den einzelnen Zylindern werden Weinflaschen gekühlt – dazu verwendet er eine Wasserkühlung.

Viel Publikum zieht auch der Casemod von Balázs Szabó(öffnet im neuen Fenster) an. Szabó baute an das Gehäuse einen beweglichen Drachenkopf. Feuerspeien kann dieser aus Sicherheitsgründen nicht. Stattdessen kommt aus seinem Rachen Rauch heraus – zusammen mit roten Leds sorgt das für viel Aufsehen.

Die Exponate können noch bis Sonntag, dem 17. August 2014, auf der Gamescom in Halle 10.2 angeschaut werden. Am Sonntagnachmittag werden auch die Sieger bekannt gegeben.


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