David Autor: Ökonom warnt vor Entwertung menschlicher Expertise durch KI

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Der MIT-Ökonom David Autor äußert sich in einem Gespräch mit dem Spiegel(öffnet im neuen Fenster) zur Zukunft der Arbeitswelt im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Seine Einschätzungen fallen differenzierter aus als viele Prognosen, die entweder Panik oder blinden Optimismus verbreiten.
Autor sieht die Entwicklung nicht nur als technologisches, sondern vor allem als gesellschaftliches Problem. Während Chatbots heute bereits Fachwissen in großem Umfang zugänglich machen, werde die Fähigkeit zur Orientierung in einer komplexen Informationsflut zunehmend wertvoller. "Wir leben in einer immer komplexer und verwirrender werdenden Welt" , so der Wissenschaftler.
Was Wissen noch wert ist
Der Arbeitsmarktforscher verweist auf einen grundlegenden Wandel der Wissensarbeit. Zu seiner Studienzeit bedeutete Recherche noch den Gang in die Bibliothek und das Durcharbeiten dicker Bücher. Heute hingegen stehe man einem überwältigenden Informationsstrom gegenüber. Die Herausforderung bestehe darin, echtes produktives Wissen vom allgemeinen Grundrauschen zu unterscheiden.
Berufe mit Zukunft erfordern Urteilsvermögen, erklärt David Autor. Bereits heute gehörten jene Jobs zu den bestbezahlten, die Entscheidungskompetenz verlangten. Der Arzt, der zwischen verschiedenen Therapien wählen muss, der Anwalt, der eine Prozessstrategie entwickelt, oder Fachleute für komplizierte Reparaturen seien Beispiele dafür.
Führungskompetenzen bleiben gefragt
Eine neue Untersuchung des Ifo-Instituts untermauert Autors Thesen. Personen mit ausgeprägten Führungskompetenzen zeigen sich nicht nur im Management menschlicher Teams überlegen. Sie koordinieren auch Gruppen von KI-Agenten deutlich effektiver als andere, berichtet der Ökonom von einer Münchner Konferenz zum Thema KI und Arbeitsmarkt.
Die entscheidende Frage sei weniger, wie viele Jobs durch Technologie verschwinden. Wichtiger erscheine, was Menschen stattdessen tun würden. Autor verweist auf historische Beispiele: Im Jahr 1900 arbeiteten in den USA 39 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft, heute sind es weniger als zwei Prozent. Trotzdem sei die Arbeit nicht ausgegangen.
Dennoch warnt der Wissenschaftler vor voreiligem Optimismus. Transformationen könnten unglaublich schmerzhaft verlaufen, sehr schlechte Szenarien seien möglich. Die Gesellschaft müsse sich gegen die Risiken absichern.



