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Dauertest: Walnuss führt zu Totalschaden an 1.000-Euro-Rasenmähroboter

Rasenmähroboter können zum Geldgrab werden. Die Technik scheint nicht ausgereift für die Praxis.
/ Achim Sawall
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Wiper Blitz 2.0: Die Freude währte nicht lange. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
Wiper Blitz 2.0: Die Freude währte nicht lange. Bild: Martin Wolf / Golem.de

Nach lediglich rund drei Jahren ist unser Wiper Blitz 2.0 für 1.000 Euro nur noch Schrott. Todesursache war eine Walnuss im Schneidwerk. Schon zuvor musste er kostspielig repariert werden.

Golem.de hatte den Wiper Blitz 2.0 im Sommer 2016 als Testgerät in Leihstellung sechs Wochen lang gründlich getestet und für gut befunden . Doch manche Probleme zeigen sich offenbar erst in längerem Gebrauch.

Im Mai 2018 kauften wir das Gerät bei einem Händler in Österreich, um es genauer zu prüfen. Es handelte sich um die 2017er-Version mit 7,5-Ah-Akku, die 1.000 Euro kostete. Die Wiper-Blitz-Reihe ist die führende Marke für Rasenmähroboter, die kein Begrenzungskabel brauchen. Hersteller ist die italienische Firma Zucchetti Centro Systemi beziehungsweise Niko, Geräte anderer Marken dieser Art stammen ebenfalls aus dem Hause Zucchetti Centro Systemi(öffnet im neuen Fenster) .

Wie gewohnt musste der Wiper nur ausgepackt und aufgeladen werden, schon ging der Roboter an die Arbeit. Er fuhr erst einige Male hin und her und begann dann leise sirrend das Gras abzuschneiden. Das Problem des lästigen Rasenmähens war scheinbar gelöst. Wenn der Wiper nicht arbeitete, wohnte er trocken in der Garage. Im Winter war er im Dachboden sicher eingelagert.

Mähroboter: Häufig Pannen beim Mähen

Grundsätzlich lief aber auch das Rasenmähen auf Dauer leider nicht problemlos. Die ZGS-Gras-Sensoren funktionieren laut Angaben eines Händlers auf Basis von Feuchtigkeit und Berührung. Nötig sei unbedingt "eine definierte Rasenkante" .

Doch trotz Rasenkantensteinen und eines breiten Streifens Rindenmulch stoppte der Wiper nicht immer und fuhr sich in Hecken oder einem Loch dazwischen fest. Auch mit Hindernissen wie einem großen Trampolin lernte er nie umzugehen. Wir gewöhnten uns daran: Wenn der Wiper lief, musste man immer nebenbei aufpassen, ob er sich nicht festfuhr und Hilfe brauchte. Manchmal bis zu zehnmal bei einem Arbeitsgang, dann wieder lief er tagelang ohne Probleme. Das war immer noch besser, als selbst zu mähen.

Ein solches Mähroboter-Ende ist selten, kommt aber vor

Lange Freude hatten wir aber nicht an dem Wiper Blitz 2.0. Im August 2020 drehten die Räder sich auf einer Seite nicht mehr. Der Roboter fuhr immer im Kreis. Die Experten des namhaften Fachhändlers Rumsauer stellten fest: Der Antriebsmotor war kaputt und das Chassis beschädigt. Wie das nach zur rund zwei Jahren vorsichtiger Nutzung passieren konnte, blieb unklar.

Die Reparatur kostete inklusive Arbeitslohn und Versand rund 500 Euro. Damit waren wir schon bei 1.500 Euro Kosten für die Digitalisierung des Gartens. Doch auch das war nicht genug, denn knapp ein Jahr später beendete eine vor Ort ansässige Rabenkrähe das Leben des Wiper: durch den Abwurf einer Walnuss. Die Nuss verfing sich während des Mähens im Schneidwerk des Wiper, obwohl wir zuvor geschaut hatten, ob es Hindernisse gibt.

Diesmal probierten wir einen anderen Dienstleister. Boremo aus Österreich verlangte 69 Euro für den Kostenvoranschlag einer Reparatur, was bei Beauftragung verrechnet werde. Doch das Ergebnis war niederschmetternd: Die Nuss hatte einen Totalschaden verursacht. Kaputt war – ausdrücklich durch die Nuss – das Motherboard L60 im Wert von 349 Euro und der Schnittmotor mit einem Lagerschaden, erklärte Boremo. Kosten: 199 Euro.

Reparaturkosten bei 995 Euro

Auch der rechte Radmotor hatte nun ein "schwergängiges Lager" , dessen Austausch für 189 Euro "dringend empfohlen" wurde. Dazu kam ein neuer Haarriss im Chassis, das neu 99 Euro kosten sollte – und ein Arbeitslohn von 159 Euro. "Insgesamt würden sich die Reparaturkosten auf 995 Euro belaufen" , erklärte uns Boremo. Beim Neukauf eines anderen Gerätes wurde immerhin ein Rabatt in Höhe von 69 Euro angeboten.

"Die Statistik sagt: Rasenroboter haben eine höhere Ausfallquote als traditionelle Mäher, aber eine niedrigere als beispielsweise die KfZ-Branche. Die Technik ist ausgereift, kann jedoch manche Dinge schlicht noch nicht realisieren" , erklärte Christian Rumsauer, Vertriebstechniker für Mähroboter bei der Firma Hans Rumsauer, Golem.de auf Anfrage. Beispielsweise beherrsche der Mäher nicht die sichere Unterscheidung zwischen feuchtem Rindenmulch und Rasen.

Wiper Blitz 2.0 – Fazit
Wiper Blitz 2.0 – Fazit (01:29)

"Ich persönlich halte den Fall, so ärgerlich die Konstellation ist, für sehr außergewöhnlich. Dass sich eine Walnuss derart im Mähwerk verklemmt, dass diese massiven Schäden – Mainboard, Mähmotor, eventuell auch der Chassischaden – auftreten, ist mir bisher nicht zu Ohren gekommen" , sagte Rumsauer. Dass sich generell irgendwelche Gegenstände mit derart negativen Folgen im Mähwerk verfangen, sei nach Statistik des Unternehmens sehr selten, komme aber vor.

Alles also nur besonderes Pech? Dafür spricht, dass auf dem Nachbargrundstück zu unserem Testgelände ein Mähroboter mit Begrenzungsdraht seit zwei Jahren ohne Probleme läuft. Doch ob das auch in Zukunft so bleiben wird?


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