Datenverkehr: Hai beißt Kabel

Geklaut, durchtrennt, gebissen: Es gibt viele Gründe für Schäden an Tiefseekabeln.

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Der Kabelleger Léon Thévenin im Hafen von Brest: Reinraum unter Deck
Der Kabelleger Léon Thévenin im Hafen von Brest: Reinraum unter Deck (Bild: Rama/Wikipedia/CC-BY-SA 2.0)

Mal eben eine Webseite aus China oder den USA angeklickt - darüber denkt heute niemand mehr nach. Blitzschnell jagt der Aufruf um die Welt und ebenso schnell kommen die Daten auf dem Rechner, dem Tablet oder dem Smartphone an. Die Daten kommen durch Kabel zu uns, Kabel, die unter dem Meer verlegt sind und die Kontinente miteinander verbinden.

Etwa 99 Prozent des Datenverkehrs werden durch die Unterseekabel abgewickelt, die zusammengenommen rund anderthalb Millionen Kilometer lang sind. Und es werden immer mehr: Kürzlich haben Facebook und Vodafone den Bau von 2Africa angekündigt, eines 37.000 Kilometer langen Kabels, das von England rund um Afrika durch das Mittelmeer nach Südeuropa verlaufen wird.

Diese Kommunikationsadern sind empfindlich und können durch Unfälle oder absichtlich beschädigt werden. Selbst Meeresbewohner setzen ihnen zu. Die Reparatur eines mehrere Tausend Kilometer langen Kabels ist nicht so einfach. Auf hoher See behindert das Wetter oft genug die Arbeiten.

Normalerweise fällt der Ausfall eines Kabels nicht weiter auf. Denn ein solches Kabel ist keine Einwegstrecke, etwa von Europa nach Nordamerika, sondern ein Ring. Das in Norden in Niedersachsen beginnende Transatlantic Telecommunications Cable No. 14 (TAT-14) etwa besteht aus zwei Trassen.

TAT-14 hat Landepunkte auf beiden Seiten des Atlantiks

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Die eine führt über Blåbjerg in Dänemark und die Shetland-Inseln nach Manasquan und Tuckerton im US-Bundesstaat New Jersey. Die andere verläuft an der Nordseeküste entlang weiter über Katwijk in den Niederlanden nach Saint-Valery-en-Caux an der französischen Kanalküste, quert den Ärmelkanal nach Bude in Cornwall und verläuft dann durch den Atlantik nach New Jersey.

Kommt es zu einem Schaden, wie etwa im Mai 2014, fällt nur dieser eine Teil aus. Der Rest arbeitet weiter. Außerdem kann der Datenverkehr umgeleitet werden. Im Idealfall merken die Nutzer davon nichts. Durch den erwähnten Schaden wurden jedoch die Internetverbindungen in die USA beeinträchtigt.

Problematisch wird es, wenn es keine Umleitung gibt wie im Februar 2012 in Kenia. Ein Schiff beschädigte das Kabel East Africa Marine System (Teams). Das war aber bereits das Backup für die einen Monat früher im Roten Meer beschädigten Unterseekabel East Africa Submarine Cable System (Eassy), Europe India Gateway (EIG) und South East Asia Middle East Western Europe-3 (Sea-Me-We 3). In der Folge kam es zu massiven Netzproblemen in der Region. In so einem Fall muss ein Reparaturschiff auslaufen, um das Kabel zu flicken.

Doch bevor sich ein Schiff wie die Raymond Croze oder ihr Schwesterschiff Léon Thévenin auf den Weg machen, muss die beschädigte Stelle geortet werden. Dafür sind die Seekabelendstellen zuständig. Mit verschiedenen elektrischen und optischen Messverfahren wie beispielsweise der optischen Zeitbereichsreflektometrie (Optical-Time-Domain-Reflectometry, OTDR) lässt sich eine Schadensstelle bis auf etwa 100 Meter relativ genau lokalisieren. Daraus lässt sich dann eine Position ermitteln, die das Schiff ansteuern kann.

Ein Computer hält das Schiff in Position

Ein solches Schiff ist normalerweise ein DP-Schiff - DP ist eine Abkürzung für dynamische Positionierung und bedeutet, dass es mit Hilfe einer Computersteuerung seine Position halten kann. Ist es im Bereich der Schadensstelle angekommen, können die Arbeiten beginnen.

Zunächst muss das Schiff das Kabel auf dem Meeresgrund orten. Das ist nicht immer einfach. In großen Tiefen, etwa mitten im Atlantik, liegt es auf dem Meeresboden auf. Schäden an Kabeln entstehen jedoch in flacheren Gewässern. Dort kann die Strömung das Kabel bedecken, so dass es unter Umständen erst unter dem Sand gefunden werden muss.

Die meisten Schäden treten allerdings in Landnähe auf. Dort sind die Kabel zum Schutz oft eingegraben oder eingespült. Bei letzterem wird mit einem Hochdruckwasserstrahl ein Graben im Boden gezogen, in den das Kabel gelegt und anschließend bedeckt wird.

Eine andere Möglichkeit ist es, das Kabel mit einem Verlegepflug einzugraben. Der Kabelleger zieht den Pflug über den Meeresgrund. Der Pflug reißt Boden auf und legt das Kabel in die Furche, die bis zu einem Meter tief sein kann. Doch auch das schützt ein Kabel nicht immer.

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Seebeben, Anker und Schleppnetze 
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