Datenskandal: Bundestag unzufrieden mit Facebooks Antworten

Kann Facebook überhaupt kontrollieren, was mit den Nutzerdaten geschieht, die über die API abfließen? Der Bundestagsausschuss Digitale Agenda will das von dem Netzwerk wissen und wundert sich über fehlende Antworten.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Der Bundestag beschäftigt sich nun ebenfalls mit Facebooks Geschäftsmodell.
Der Bundestag beschäftigt sich nun ebenfalls mit Facebooks Geschäftsmodell. (Bild: Michele Tantussi/Getty Images)

In der Debatte um die Weitergabe von Facebook-Nutzerdaten ist das soziale Netzwerk gegenüber Bundestagsabgeordneten offenbar viele Antworten schuldig geblieben. "Viele Fragen wurden nicht beantwortet", sagte Thomas Jarzombek (CDU), Sprecher des Bundestagsausschusses Digitale Agenda am Freitag nach einem Treffen mit Facebook-Vertretern in Berlin. Man habe keinerlei Auskunft darüber erhalten, ob und wie viele der mehr als 30 Millionen Nutzer in Deutschland betroffen gewesen seien.

Facebook habe auch die Frage nicht beantwortet, ob weitere Datenbestände mit Informationen aus Deutschland im Umlauf sein könnten, sagte Jarzombek. Die Beantwortung dieser Frage dürfte allerdings schwierig sein. Der Fall der Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat schließlich gezeigt, das die Nutzung einmal abgegriffener Daten im Grunde nicht kontrolliert werden kann.

Facebook gelobt Besserung

Facebook unterstrich dagegen seine Bereitschaft, Konsequenzen zu ziehen. "Unsere Priorität ist es nun, die Vorfälle aus der Vergangenheit aufzuklären, Datenmissbrauch in Zukunft zu vermeiden und den Menschen mehr Kontrolle zu geben", sagte Semjon Rens von Facebook Deutschland. Bereits seit 2014 hätten Apps nur noch einen begrenzten Zugriff auf Nutzerdaten. Dieser werde weiter eingeschränkt.

"Mehr als Beruhigungsfloskeln" habe der Ausschuss am Freitag von Facebook nicht zu hören bekommen, sagte Tabea Rößner von den Grünen. "In Wahrheit hat die Plattform die Augen verschlossen und ihr Geschäftsmodell geschützt." Die Probleme seien seit langem bekannt, aber alle Kritik sei bei Facebook "auf taube Ohren gestoßen".

Voßhoff bleibt skeptisch

Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Profilen von Facebook-Nutzern verschafft hat. Mit dem Datenbestand soll auch gezielt der Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump unterstützt worden sein. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich nach tagelangem Schweigen entschuldigt und weitere Änderungen beim Zugang zu den Nutzerdaten angekündigt.

Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff bezweifelt allerdings die Aufrichtigkeit. "Das Geschäftsprinzip von Facebook ist ja gerade, Daten zu generieren und sie gewinnbringend zu vermarkten. So gesehen würde ich jetzt nicht unbedingt behaupten wollen, dass ich ihm das per se glaube, aber er kann es ja auch unter Beweis stellen", sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.

Barley trifft sich mit Facebook

Für kommenden Montag hat Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) Spitzenvertreter von Facebook Europe zum Gespräch geladen und verlangt Aufklärung. Erwartet wird unter anderem der europäische Politikverantwortliche Richard Allan. Barley verwies aber auch auf die neue Datenschutz-Grundverordnung, die am 25. Mai europaweit in Kraft treten wird. Dann können Bußgelder in Höhe von vier Prozent des weitweiten Jahresumsatzes verhängt werden. Für Facebook werde das eine beträchtliche Summe sein, sagte Barley.

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bombinho 26. Mär 2018

Jetzt kombiniere Strafzahlungen fuer VW mit Strafzahlungen fuer FB und vergleiche...

crazypsycho 25. Mär 2018

So wie ich das verstanden habe, haben die User doch selbst eine App installiert, welche...

schnedan 24. Mär 2018

Lösung ist einfach: keine Werbung, keine sog. "API's", kein BigData, einfach einen guten...

schnedan 24. Mär 2018

na komm... bei Outlook kann man ungelese Mails doch auch zurückholen. Woher soll denn...



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