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Datenskandal: Briten kritisieren Facebook als "digitale Gangster"

In einem aufsehenerregenden Bericht dokumentiert das britische Parlament, wie Facebook die Daten seiner Nutzer für Werbezwecke verkauft. Die Untersuchungskommission fordert eine neuartige Regulierung sozialer Medien.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook-Chef Mark Zuckerberg wollte nicht vor dem britischen Parlament erscheinen.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg wollte nicht vor dem britischen Parlament erscheinen. (Bild: Toby Melville/Reuters)

Mit scharfen Worten kritisiert das britische Parlament die Geschäftspraktiken des US-amerikanischen IT-Konzerns Facebook. "Unternehmen wie Facebook sollte es nicht erlaubt sein, sich wie 'digitale Gangster' in der Online-Welt zu benehmen, indem sie sich selbst als den Gesetzen vorausgehend oder außerhalb der Gesetze stehend betrachten", heißt es in dem 111-seitigen Abschlussbericht (PDF) der Untersuchungskommission. In parallel dazu veröffentlichten internen Dokumenten (PDF) wird gezeigt, wie Facebook den unzulässigen Zugriff auf Nutzerdaten von Werbeanzeigen der App-Entwickler abhängig machte.

Inhalt:
  1. Datenskandal: Briten kritisieren Facebook als "digitale Gangster"
  2. Konkurrenz gezielt von Datenzugriff abgeschnitten

Die Kommission zur Untersuchung von "Desinformation und 'Fake-News'" war bereits im September 2017 gestartet worden. Nach Bekanntwerden des Skandals um die britische Analysefirma Cambridge Analytica waren die Datenschutzpraktiken von Facebook noch stärker ins Zentrum gerückt. Bereits im Juli 2018 hatte die Kommission einen Zwischenbericht zu den Themen Fake-News und Wahlbeeinflussung in sozialen Netzwerken vorgelegt (PDF). Im vergangenen November war es dem Parlament gelungen, in einer aufsehenerregenden Aktion an geheime Gerichtsunterlagen von Facebook zu gelangen. Insgesamt wertete die Kommission 170 schriftliche Stellungnahmen und die Aussagen von 73 Zeugen aus, denen 4.350 Fragen gestellt worden waren.

Datenzugriff gegen Anzeigen

Die interne Kommunikation mit dem US-amerikanischen App-Entwickler Six4Three wird nun als Beleg dafür genommen, dass Facebook "absichtlich und wissentlich sowohl gegen Datenschutzgesetze als auch gegen Wettbewerbsgesetze verstoßen hat". Facebook-Chef Mark Zuckerberg soll dem Bericht zufolge Mitte 2012 ein Geschäftsmodell zur Umsatzmaximierung und Wettbewerbsunterdrückung vorgeschlagen haben. Dabei soll Entwicklern der Zugang zu Daten von Nutzern und deren Freunden gewährt worden sein, um Apps für die Plattform zu entwickeln, heißt es in dem Bericht.

Aus den Gerichtsdokumenten gehe "eindeutig hervor, dass die Ausgabe beträchtlicher Beträge für Facebook, als Bedingung für den bevorzugten Zugang zu persönlichen Daten, ein Teil der Unternehmensstrategie zur Plattformentwicklung im Mobilgeschäft war". Zuckerberg soll demnach im Oktober 2012 vorgeschlagen haben, dass Entwickler "viel Geld" bezahlen sollen, wenn sie "alles lesen" dürfen, einschließlich der Freunde. Dabei schlug er einen Preis von 10 US-Cent jährlich pro Nutzer vor. Die Firmen sollten für das Geld Anzeigen bei Facebook kaufen oder Facebook-Anzeigen in ihren eigenen Apps laufen lassen.

Datenmacht als Druckmittel

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Darüber hinaus habe Facebook den Datenzugang dazu genutzt, um von erfolgreichen Apps wie Tinder bestimmte Markenrechte zu erhalten. Dabei spielte das sogenannte Whitelisting eine Rolle. Diese Praxis sicherte bestimmten Anbietern weiterhin den vollständigen Datenzugriff, nachdem das Unternehmen in den Jahren 2014/1015 seine API-Vorgaben verschärft hatte. Dabei sei unklar, ob die Nutzer dem hätten zustimmen müssen oder nach welchen Kriterien bestimmte Partner den bevorzugten Zugriff erhalten sollten.

Wichtig für Facebook sei in diesem Zusammenhang das Konzept des Datenaustauschs gewesen. Das bedeutet, dass Facebook auf der einen Seite den App-Entwicklern Zugriff auf die Daten von Facebook-Nutzern gewährt, auf der anderen Seite aber die Daten der App-Nutzer ebenfalls erhalten will. "Wenn sich Nutzer beispielsweise bei Tinder einloggten, bemerken sie nicht, dass sie alle Information an Facebook weitergeben", heißt es in dem Bericht.

Konkurrenz gezielt von Datenzugriff abgeschnitten 
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/mecki78 19. Feb 2019

Meine Kontaktdaten sind nicht geheim, die stehen im Impressum meiner Webseite, können...

ArchLInux 19. Feb 2019

und sich über ihre 9873400 Trillionen "Freunde" freuen, wird sich auch nichts ändern. An...

My2Cents 19. Feb 2019

Verstehe nicht was die mit den ganzen Daten wollen - Werbung für Zielgruppen ist in der...

ML82 18. Feb 2019

Regulierung ist nicht kontra Sicherheit, es sei denn sie verändert sich andauernd Auch...

matok 18. Feb 2019

Kein Problem. Allerdings stellt sich die Frage, was man dann bei Facebook macht und nicht...


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