Datenschutzbeauftragte: Wirre Whatsapp-Behauptungen aus Berlin

Äußerungen von Politikern zur Verschlüsselung von Whatsapp lösen immer wieder Kopfschütteln aus. Dieses Mal will die Berliner Datenschutzbeauftragte den Einsatz von Whatsapp an Schulen untersagen - und spricht ohne Quelle von Lücken in der Verschlüsselung.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk (Bild: Berliner Datenschutzbeauftragte/Pressebild)

Whatsapp ist also wieder einmal geknackt - wie so oft in diesem Jahr. Diesen Eindruck jedenfalls muss gewinnen, wer den Jahresbericht [PDF] der Berliner Beauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit liest. Nur: Stimmt das auch? Und: Auf welche Erkenntnisse stützt sich die Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk?

Inhalt:
  1. Datenschutzbeauftragte: Wirre Whatsapp-Behauptungen aus Berlin
  2. Telefonlisten waren schon immer problematisch

Ursache der Erwähnung von Whatsapp im Jahresbericht der Berliner Behörde ist eine Auseinandersetzung an einer Berliner Schule. Ein Lehrer hatte dort eine Whatsapp-Gruppe mit den Eltern der Kinder eingerichtet, um eine unkomplizierte Kommunikation mit den Eltern zu ermöglichen. So geschehen sicher viele tausend Mal in Deutschland.

Ein Elternteil aus der Klasse jedoch beschwerte sich bei der Datenschutzbehörde, die bei der Schule intervenierte. Diese habe die Lehrer dann geschult, die Gruppe soll mittlerweile nicht mehr existieren. Es folgen Begründungen der Datenschutzbehörde. Und die sind zum Teil abenteuerlich.

In dem Bericht heißt es: "Zwar behauptet der Betreiber [von Whatsapp, Redaktion], dass die Daten verschlüsselt (im Ende-zu-Ende-Verfahren) übertragen würden, dies ist aber nicht in allen Fällen garantiert." Als Quelle wird ein späteres Kapitel des Berichtes erwähnt. Nur: Wer dort sucht, findet keine Hinweise auf Sicherheitslücken in der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Whatsapp, sondern lediglich einen Hinweis auf den zu Recht umstrittenen geplanten und zurzeit pausierten Datenaustausch zwischen Whatsapp und Facebook.

Stellenmarkt
  1. Testingenieur E/E und Software (m/w/d)
    WEBER-HYDRAULIK GMBH, Güglingen
  2. Head of IT (m/w/d)
    CQLT SaarGummi Deutschland GmbH, Wadern-Büschfeld
Detailsuche

Golem.de hat die Datenschutzbehörde um Stellungnahme gebeten, ob dort neue, bislang unbekannte Fakten zur Sicherheit der implementierten Verschlüsselung nach dem Signal-Protokoll vorlägen. Das wäre tatsächlich eine brisante Neuigkeit. Eine Antwort liegt bislang nicht vor. Wir vermuten, dass die Behördenleiterin und ihre Mitarbeiter die zumindest irreführend formulierte und von verschiedenen Kryptographen kritisierte Whatsapp-Geschichte des Guardian gelesen oder den selbsternannten Sicherheitsforscher auf Russia Today gesehen haben.

Die Datenschutzbeauftragte ignoriert geltendes Recht

Frau Smoltczyk geht in ihrer Kritik aber noch weiter: Whatsapp sei ein US-Unternehmen und unterläge nicht dem deutschen Datenschutzrecht. Und das US-Recht garantiere kein dem europäischen Rechtsrahmen vergleichbares Datenschutzniveau. Das ist zwar grundsätzlich richtig, ignoriert aber, dass die EU-Kommission mit dem Privacy Shield in Zusammenarbeit mit der WP-29-Arbeitsgruppe der Europäischen Datenschützer das Nachfolgeabkommen zum gekippten Safe-Harbor-Arrangement verhandelt hat.

Mit diesem, zu recht umstrittenen Verfahren attestieren Unternehmen sich selbst, die Vorschriften des Datenschutzrechtes in Europa einzuhalten. Kontrollen sind selten, von verhängten Sanktionen wegen Fehlverhaltens ist bislang nichts bekannt. Das Abkommen wird also zu Recht immer wieder von Bürgerrechtlern und Datenschutzaktivisten kritisiert. Doch es ist geltender Rechtsrahmen. Die Nutzung einer Software vor diesem Hintergrund für illegal zu erklären, ist abenteuerlich.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Telefonlisten waren schon immer problematisch 
  1. 1
  2. 2
  3.  


crazypsycho 21. Apr 2017

Hätteste dir sparen können, da das Problem nicht existiert. Falsch. AGBs ist absolut...

crazypsycho 20. Apr 2017

Die aber alle nicht in Frage kommen. Denn da kann der Datenschutz nicht gewährleistet...

crazypsycho 20. Apr 2017

Und woher genau kommen denn die Zusatzinfos, wie bspw politische Ausrichtung? Die stehen...

janoP 20. Apr 2017

Einen Blog macht man heute in zwei Klicks auf. Blogger, Blogspot und wie sie alle heißen...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Meta
"Es ist euer Job, euch in Horizon Worlds zu verlieben!"

Amüsante Auszüge aus Memos von Meta zeigen, dass nicht mal die Entwickler von Horizon Worlds gerne in ihre virtuelle Welt eintauchen.

Meta: Es ist euer Job, euch in Horizon Worlds zu verlieben!
Artikel
  1. Nach Datenleck: Softwareentwickler durch Privatdetektiv bedroht
    Nach Datenleck
    Softwareentwickler durch Privatdetektiv bedroht

    Durch Zufall entdeckte ein Entwickler ein Datenleck, meldete es und informierte die Betroffenen. Kurze Zeit später stand ein Privatdetektiv vor seiner Tür.
    Eine Recherche von Moritz Tremmel

  2. Data Engineering und Data Science mit Python
     
    Data Engineering und Data Science mit Python

    Bei der Auswertung und Darstellung von Daten kommt keine Programmiersprache häufiger zum Zug als Python. Kurse zum leichten Einstieg bietet die Golem Karrierewelt.
    Sponsored Post von Golem Karrierewelt

  3. Klage gegen Datenschutzaufsicht: Bundeskriminalamt weigert sich, Funkzellendaten zu löschen
    Klage gegen Datenschutzaufsicht
    Bundeskriminalamt weigert sich, Funkzellendaten zu löschen

    Das BKA will gesammelte Überwachungsdaten nicht löschen müssen. Deswegen klagt die Polizei gegen einen Bescheid des obersten Datenschützers.
    Eine Exklusivmeldung von Lennart Mühlenmeier

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • iPhone 14 Plus jetzt erhältlich • Günstig wie nie: Gigabyte RTX 3090 Ti 1.099€, Sapphire RX 6900 XT 834,99€, KF DDR5-5600 16GB 99,39€, Logitech Gaming-Maus 69,99€, MSI Curved 27" WQHD 165Hz 289€ • AMD Ryzen 7 5800X3D 429€ • NfS Unbound vorbestellbar • 3 Spiele für 49€ [Werbung]
    •  /