Datenschutz: Zuckerberg will Facebook verstecken
Angesichts andauernder Kritik wegen Datenschutzverstößen und sinkender Nutzerzahlen in den USA will Facebook-Gründer Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk langfristig neu ausrichten. "Wenn ich über die Zukunft des Internets nachdenke, glaube ich, dass eine auf den Schutz der Privatsphäre konzentrierte Kommunikationsplattform noch wichtiger als die heutigen offenen Plattformen wird", schrieb Zuckerberg am 6. März 2019 in einem umfangreichen Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster). Da viele Nutzer inzwischen an privater Kommunikation interessiert seien, "gibt es die Gelegenheit, eine einfachere Plattform zu bauen, die den Datenschutz in den Mittelpunkt stellt".
Solche Aussagen aus dem Mund des Facebook-Chefs wirken überraschend, kommen aber nicht von ungefähr. Schon Ende Januar 2019 war bekanntgeworden, dass Zuckerberg mittelfristig die Messengerdienste von Facebook, Instagram und Whatsapp zusammenlegen und interoperabel machen wollte. "Der Hauptgrund, warum ich mich darüber freue, ist die zunehmende standardmäßige Nutzung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und deren Ausdehnung auf weitere Produkte. Die Leute mögen das bei Whatsapp", sagte Zuckerberg. Es gehe auch darum, mehr Produkte "vergänglicher" zu machen, damit die Informationen der Nutzer nicht für ewige Zeiten gespeichert würden.
Facebook verliert Millionen Nutzer in den USA
Ähnlich äußerte sich Zuckerberg nun in dem Blogbeitrag. "Heute sehen wir bereits, dass private Nachrichten, vergängliche Geschichten und kleine Gruppen die mit Abstand am schnellsten wachsenden Bereiche der Online-Kommunikation sind", schrieb er weiter. Seiner Ansicht nach wird sich die Zukunft der Kommunikation "zunehmend auf private, verschlüsselte Dienste verlagern, bei denen die Menschen darauf vertrauen können, dass das, was sie zueinander sagen, sicher bleibt und ihre Nachrichten und Inhalte nicht für immer gespeichert bleiben".
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Einer am 6. März 2019 veröffentlichten Umfrage(öffnet im neuen Fenster) zufolge verzeichnete Facebook in den USA in den vergangenen beiden Jahren einen Rückgang von 15 Millionen Nutzern. Vor allem bei den jungen US-Bürgern zwischen 12 und 34 Jahren sank der Anteil der Facebook-Nutzer stark: von 79 Prozent im Jahr 2017 auf 62 Prozent in diesem Jahr. Lediglich bei der Altersgruppe ab 55 Jahren war noch ein Zuwachs zu verzeichnen. Allerdings konnte die Facebook-Tochter Instagram in den vergangenen Jahren den Rückgang bei Facebook fast ausgleichen.
Geld verdienen wird schwieriger
Wann und wie konkret der Umbau Facebooks vonstatten gehen soll, erläutert Zuckerberg nicht. Er räumt sogar offen ein: "Ich kann nachvollziehen, dass viele Leute nicht glauben, dass Facebook diese Art von datenschutzorientierter Plattform aufbauen kann oder auch will – denn offen gesagt haben wir derzeit keinen guten Ruf, datenschutzfreundliche Dienste aufzubauen." Facebook habe sich darauf konzentriert, Werkzeuge für das offene Teilen von Inhalten bereitzustellen.
Sollte Facebook tatsächlich den Nutzern vor allem verschlüsselte Kommunikationsmittel bereitstellen, würde sich das Geschäftsmodell des Unternehmens stark ändern müssen. Denn ohne direkten Zugriff auf die Nutzerdaten kann weniger personalisierte Werbung verkauft werden. Zuckerberg will Facebook nun ähnlich entwickeln, wie Whatsapp aufgebaut wurde. Auf Basis eines sicheren Messaging-Dienstes sollen weitere Interaktionsmöglichkeiten folgen. Dazu zählten "Gespräche, Videochats, Gruppen, Geschichten, Geschäfte, Zahlungen, Handel" und am Ende viele andere private Dienste.
Verschlüsselung soll nicht geschwächt werden
Zuckerberg verteidigt in seinem Beitrag die Entscheidung, eine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anzubieten: "In einer Welt, in der Cyber-Gefahren und unbeholfene Eingriffe von Regierungen in vielen Ländern zunehmen, wünschen sich die Menschen von uns zusätzliche Anstrengungen, um ihre privatesten Daten zu schützen." Er verwies dabei auf den Fall eines Facebook-Mitarbeiters, der inhaftiert worden sei, weil er den Behörden nicht die private Kommunikation eines Nutzers habe aushändigen können. Dennoch wolle Facebook "angemessene Sicherheitssysteme entwickeln, um schlechte Akteure innerhalb der Grenzen eines verschlüsselten Dienstes so gut wie möglich zu stoppen".
Dabei will Zuckerberg auch in Kauf nehmen, dass sein Dienst nicht in solchen Ländern angeboten werden kann, in denen Regierungen das Recht auf Privatsphäre oder Meinungsfreiheit missachteten. In solchen Ländern wolle Facebook auch künftig keine Rechenzentren errichten.
Skepsis angebracht
Im Laufe dieses Jahres und darüber hinaus will Zuckerberg zunächst "viele Details und Kompromisse bei der Ausarbeitung dieser Prinzipien klären". Dazu berate sich das Unternehmen weltweit mit Experten, Anwälten, Geschäftspartnern und Regierungen. Zudem müsse man sich ernsthafte Gedanken darüber machen, was die zusätzlichen Dienste auf Basis der verschlüsselten Kommunikation betrifft. Dazu zählten Zahlungsmöglichkeiten und finanzielle Transaktionen sowie die Rolle von Geschäften und Werbung.
US-Medien sehen die Ankündigung Zuckerbergs eher mit Skepsis. So verweist das Magazin The Verge darauf(öffnet im neuen Fenster), dass Facebook in der Vergangenheit schon häufig bessere Datenschutzeinstellungen versprochen habe, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Dazu zählten beispielsweise ein anonymes Login oder die Möglichkeit, gespeicherte Trackingdaten einsehen und löschen zu können.
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