Datenschutz: Sicherheitslücke in Berliner Polizeidatenbank

In einer Datenbank der Berliner Polizei werden sensible Informationen gespeichert. Unzureichender Schutz erleichtert offenbar den Missbrauch.

Artikel veröffentlicht am ,
Schon Extrabreit wussten 1981: Polizisten speichern, was sie wissen, elektronisch ein.
Schon Extrabreit wussten 1981: Polizisten speichern, was sie wissen, elektronisch ein. (Bild: Carsten Koall/Getty Images)

Die Berliner Polizei sichert den Zugang zu einer internen Datenbank offenbar nur unzureichend ab. Die formal strengen Vorschriften zur Abfrage der Daten könnten leicht umgangen werden, berichtete die Berliner Zeitung unter Berufung auf Ermittler. Betroffen sei das Polizeiliche Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung, abgekürzt Poliks. Darin würden Straftäter und Tatverdächtige erfasst, ebenso die Daten von Opfern und Zeugen.

Darüber hinaus sei in dem System ersichtlich, wann jemand in welcher Eigenschaft mit Polizei, Staatsanwaltschaft oder den Ordnungsbehörden zu tun gehabt habe. Auf Poliks hätten rund 16.000 bei der Polizei Beschäftigte Zugriff. Allerdings könne aufgrund einer Sicherheitslücke nicht immer nachvollzogen werden, welcher Behördenmitarbeiter wann und weshalb auf diese Daten zugegriffen habe.

Missbrauchsfälle aufgedeckt

Das erleichtert die Möglichkeit, die Datenbank zu missbrauchen. So soll ein Polizeioberkommissar jahrelang einen Drogenring mit Poliks-Informationen versorgt und die Kriminellen beispielsweise vor Razzien gewarnt haben. Eine Polizeikommissarin in Zehlendorf habe monatelang ihre Nachbarschaft auf diese Weise ausspioniert. Polizisten sollen sich illegal informiert haben, ob eine Kollegin verheiratet oder geschieden sei.

Dem Bericht zufolge ist es bei Poliks leicht möglich, sich ein unbefugtes Kennwort zu verschaffen. "Wenn man unter der Personalnummer dreimal ein falsches Kennwort eingibt, wird der Benutzeraccount gesperrt", zitiert die Zeitung einen hochrangigen Beamten. "Dann muss jemand nur bei der System-Hotline anrufen und bekommt einfach so ein neues Passwort." Eine Rückfrage in der Dienststelle, ob es sich tatsächlich um den betroffenen Beamten handele, gebe es nicht. Zudem werde ein solcher Vorgang nirgends dokumentiert. Polizisten könnten daher unter falschem Namen leicht sensible Daten abfragen.

Inzwischen habe die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk die Polizeibehörde überprüft. Das Ergebnis der Überprüfung stehe aber noch nicht fest.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


gol.emnutzer 25. Aug 2018

kann auch jeder Hotlinemitarbeiter... eigentlich jeder der irgendwie mit den Kundendaten...

Tantalus 22. Aug 2018

Die Benzinpumpe ist aber Teil des Autos. Der Servicedesk ist *nicht* Teil der Datenbank...

Lanski 22. Aug 2018

Diese absolute Idiotie fällt unter Social Engineering? :D Man gibt jedem das Passwort...

topas08 22. Aug 2018

Dann nimmt man halt den Account eines Kollegen, der gerade in Elternzeit gegangen ist...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Starship Troopers
Paul Verhoevens missverstandene Satire

Als Starship Troopers in die Kinos kam, wurde ihm faschistoides Gedankengut unterstellt. Dabei ist der Film des Niederländers Paul Verhoeven eine beißende Satire.
Von Peter Osteried

25 Jahre Starship Troopers: Paul Verhoevens missverstandene Satire
Artikel
  1. Azure DevOps: Die Entwicklerplattform, die es richtig macht
    Azure DevOps
    Die Entwicklerplattform, die es richtig macht

    Azure DevOps ist eine mächtige und ständig wachsende Plattform. Ich bin Fan - und zwar aus guten Gründen.
    Ein IMHO von Rene Koch

  2. Lügenvorwürfe: Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe
    Lügenvorwürfe
    Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe

    Wie in Köln arbeiten Telekom-Werber offenbar auch in Karlsruhe mit fragwürdigen Methoden. Verbraucherschützer fordern ein Verbot solcher Besuche ohne Einwilligung.

  3. Energiekrise: Brauchen wir Atomkraftwerke noch?
    Energiekrise
    Brauchen wir Atomkraftwerke noch?

    Wegen des Kriegs in der Ukraine laufen die letzten drei deutschen Atomkraftwerke bis Mitte April. Ein Weiterbetrieb wird gefordert. Wie realistisch oder sinnvoll ist das?
    Eine Analyse von Werner Pluta

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Kingston NV2 2TB 104,90€ • Patriot Viper VPN100 2TB 123,89€ • Alternate: Weekend Sale • WSV bei MediaMarkt • XIAOMI Watch S1 149€ • Alphacool Eiswolf 2 AiO 360 Radeon RX 6800/XT 227,89€ • MindStar: be quiet! Dark Power 13 1000W 259€ • The Legend of Zelda: Link's Awakening 39,99€ [Werbung]
    •  /