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Datenschutz: Schufa wertet Kontoauszüge in Pilotprojekt mit O2 aus

Mit Check Now will die Schufa auf Kontoauszüge zugreifen und in Zukunft weitreichende Einschätzungen über Verbraucher ermitteln.
/ Moritz Tremmel
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Die Schufa sammelt Daten und wertet sie aus. (Bild: Christoph Scholz)
Die Schufa sammelt Daten und wertet sie aus. Bild: Christoph Scholz / CC-BY-SA 2.0

In einem Pilotprojekt testet der Telekommunikationsanbieter O2/Telefónica gemeinsam mit der Schufa deren neues Produkt Check Now. Verbraucher mit einem schlechten Schufa-Score sollen ihre Kontoauszüge zur Verfügung stellen, die anschließend von der Auskunftei ausgewertet werden, um beispielsweise – je nach Ausgang der Auswertung – dennoch einen Vertrag oder Kredit zu bekommen. Laut einem Bericht von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung gehen die Pläne der Schufa jedoch noch deutlich weiter.

Seit dem 4. November kann die Telefónica-Kundschaft bei einer O2-Bestellung freiwillig ein kleines Häkchen setzen, das der Schufa den Zugriff auf das Konto gewährt. Die datenschutzrechtliche Verantwortung liege komplett bei der Schufa, erklärt die Telefónica auf Anfrage von Golem.de.

Die abgegriffenen Daten dürfen von der Auskunftei 12 Monate gespeichert und zur Entwicklung eigener Produkte verwendet werden. Auch wenn die Schufa derzeit betont, dass in der Testphase keine Daten gespeichert würden, die Erlaubnis hat sie sich bereits eingeholt. "Über die spätere Ausgestaltung des finalen Produktes können wir derzeit daher noch keine Auskunft geben," sagte die Schufa der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) .

Diese konnte gemeinsam mit dem NDR und WDR interne Dokumente einsehen. Demnach verfolge die Auskunftei mit dem Dienst offenbar das Ziel, einen detailgetreuen Einblick in Millionen Kontoauszüge zu bekommen. Daraus könnte die Schufa möglicherweise eine Art Superscore errechnen oder Affinitätsscores, mit denen sie die Vorlieben der Verbraucher erkennen und bewerten könnte.

Übernahme eines Startups ermöglicht Kontozugriff

In einer internen Präsentation vor Kunden listet die Schufa 12 Kategorien und 65 Unterkategorien auf, die ausgelesen werden könnten. Neben dem Gehalt – das die Schufa bisher nicht kennt – könnte sie auch Unterhaltszahlungen, Ausgaben für Strom, Gas, Versicherungen oder Wellness auslesen und auswerten. Auch "Risikofaktoren" wie Zahlungen an Inkassoinstitute oder Glücksspiel könnten erkannt werden.

Entsprechende Pläne verfolgt die Auskunftei seit 2018. Diese wurden durch den Kauf des Münchner Startups Fin Api möglich, das eine Lizenz der Finanzaufsicht Bafin besitzt und auf die Konten zugreifen darf. Bereits vor dem Kauf spielte de Auskunftei mit dem Gedanken, regelmäßig auf Konten zuzugreifen und bei jeder Anfrage Scores zu berechnen.

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Datenschützer sind entsetzt

Niemand kann die "tatsächliche Reichweite dieser Einwilligung überschauen" , betont der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar in der Süddeutschen Zeitung. Mit der Erlaubnis mache man sich "wirklich nackig" . Er befürchtet, dass die Schufa umfassende Persönlichkeitsprofile zum Nachteil der Verbraucherschaft anlegen könnte. "Wenn jemand sich an irgendwelchen Online-Wetten beteiligt, dann wird das sich sicherlich nicht positiv auf die Bonität auswirken." Die Person bekomme dann womöglich keinen Handyvertrag, keine Versicherung oder Kredit mehr.

Auch Thilo Weichert, ehemaliger Landesdatenschutzbeauftragter in Schleswig-Holstein, kritisiert, dass die hochsensiblen Daten hier ausschließlich im Unternehmensinteresse verwendet würden, ohne dass der Betroffene das nachvollziehen könne: "Das ist für mich tatsächlich ein Horror."

Linkspartei will Scoring verbieten, CDU findet es wichtig

In einer Bundestagsdebatte am Donnerstag Abend(öffnet im neuen Fenster) forderte die Linkspartei, das Einholen von Bonitätsbewertungen "- mit der Ausnahme der Beantragung von Krediten -" zu verbieten. Zudem muss "eine vollständige Transparenz über [die] Berechnungsmethoden und all ihre Faktoren hergestellt" werden, betonte die Bundestagsabgeordnete Zaklin Nastic. Die "Blackbox Schufa" müsse endlich geöffnet werden.

Derweil hält Sebastian Steineke (CDU) Scoring für "etwas Positives für die Verbraucherinnen und Verbraucher." Gäbe es keine solche Verfahren, müssten die Unternehmen anders kalkulieren, um etwaige Zahlungsausfälle abzufedern – die Produkte würden dann für alle teurer.


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