Real: Gesichter dürfen an der Supermarktkasse gescannt werden

Der Lebensmittelhändler Real darf in seinen Filialen Gesichtsscanner einsetzen, um den Blickkontakt von Kunden mit Werbeaufstellern zu messen – dieser Ansicht ist jedenfalls der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Denn personenbezogene Daten würden dabei keine erhoben. Das System wird nicht von Real selbst betrieben, sondern von dem Unternehmen Echion, das bei Real Werbeflächen gemietet hat.
Das Vorgehen hatte bundesweit bei Datenschützern und Aktivisten für Aufregung gesorgt. Der Verein Digitalcourage will im Laufe der Woche sogar Anzeige gegen das Unternehmen einreichen(öffnet im neuen Fenster) , ebenso wie bei der Deutschen Post, die ähnliche Systeme testen soll. Bundesweit ist das System von Real in derzeit 40 von 285 Supermärkten installiert.
Daten für 150 Millisekunden im Speicher
Das System zur sogenannten Blickkontakterfassung erfasst das Gesicht der Kunden und soll prüfen, ob diese bestimmte Werbeaufsteller anschauen. Auch die Dauer des Blickes wird erfasst. Außerdem schätzt das System das Alter der Kunden. Von den Videodaten selbst werden offenbar keine Kopien gespeichert. Nach Angaben von Real werden die Daten für rund 150 Millisekunden im Speicher vorgehalten, nach der Analyse werden die erhobenen Metadaten an den Server des Unternehmens weitergegeben. Das System wird von der Augsburger Firma Echion betrieben.
Mit den Systemen soll Werbung in Supermärkten stärker auf die Interessen der Kunden zugeschnitten werden. Nach Ansicht des Landesdatenschützers seien alle für eine Prüfung erforderlichen Informationen eingegangen, es gebe nichts zu beanstanden. Trotzdem will die Behörde keine grundsätzliche Entwarnung geben: "Unsere Aufgabe ist es, das derzeit laufende System zu prüfen. Wir testen nicht, was theoretisch mit der Technik möglich wäre."