Abo
  • Services:

Datenschutz: Otto verwirrt mit persönlicher Hotline-Ansprache

Ein Anrufer will bei einer Baumarkt-Hotline eine Frage zu einem Produkt stellen und wird am Telefon mit vollem Namen begrüßt, obwohl er noch nie dort eingekauft hat. "Woher haben Sie meinen Namen?", fragt der Journalist und Blogger Jürgen Vielmeier und erhält erstaunliche Antworten.

Artikel veröffentlicht am ,
Hauptsitz der Otto Group in Hamburg-Bramfeld
Hauptsitz der Otto Group in Hamburg-Bramfeld (Bild: Wikimedia/Otto Group/CC-BY-SA 3.0)

Eigentlich wollte er nur einen Farbmischer beim Baumarkt kaufen, wie Jürgen Vielmeier in einem Blogpost schreibt. Die Küche brauchte mal wieder einen Anstrich. Um nicht vergeblich zum Baumarkt der Firma Hagebau in Siegburg zu fahren, rief er die Hotline von Hagebau.de an, um sich nach der Verfügbarkeit des Produkts am Standort Siegburg zu erkundigen.

Inhalt:
  1. Datenschutz: Otto verwirrt mit persönlicher Hotline-Ansprache
  2. Werbung muss sein

"Guten Tag, Herr Vielmeier!", schallte es ihm am Telefon entgegen, noch bevor er etwas sagen konnte. "Sind Sie nicht Herr Jürgen Vielmeier aus Bonn?" Klar, die Telefonnummer des Anrufers wird dank Rufnummernübertragung beim Gesprächspartner angezeigt. Aber wie kommt der Hagebaumarkt in Siegburg, bei dem Vielmeier nach eigenen Angaben noch nie eingekauft hat, auch nicht online, an seinen vollen Namen?

Reicht Otto Kundendaten an Dritte weiter?

Ein gutes Dutzend Telefongespräche und E-Mails mit verschiedenen Hotlines und Pressesprechern später bekommt Vielmeier von der Pressestelle der Hagebau-Gruppe folgende Antwort: "Herr Vielmeier, haben Sie einen Account bei Otto.de? Dann wird der Callcenter-Agent Ihre Daten von dort haben." Der Onlineversandhandel unter Otto.de wird von der Firma Otto GmbH & Co KG betrieben. Dort hatte Vielmeier ein Kundenkonto, in dem neben seinem Namen, der Postanschrift und der E-Mail-Adresse auch seine Telefonnummer und sein Geburtsdatum gespeichert sind.

Handelt Otto.de also mit den persönlichen Daten seiner Kunden und gibt diese ungefragt an andere Unternehmen weiter? Ein Pressesprecher von Otto dementiert entschieden: "Wir geben keine personenbezogenen Daten ohne Erlaubnis weiter und verstoßen auch nicht gegen das Datenschutzrecht."

Undurchsichtiges Otto-Imperium

Stellenmarkt
  1. Wirecard Global Sales GmbH, Aschheim bei München
  2. ING-DiBa AG, Frankfurt

Um zu verstehen, wie die Baumarkt-Hotline trotzdem an Vielmeiers persönliche Kundendaten kommt, ohne dass er dort je Kunde war, muss man tief in das Unternehmensgeflecht der Otto Group eintauchen. Während es aus Kundensicht natürlich erscheint, die Telefonnummer auf Hagebau.de anzurufen, um mit dem Kundendienst eines Hagebaumarkts zu sprechen, ist das bei der Otto Group nicht so einfach. Der Onlineshop von Hagebau.de heißt zwar Hagebau, wird aber von der Baumarkt Direkt GmbH & Co KG betrieben, einem Joint Venture der Hagebau-Gruppe und: Otto.

Die Pressestelle der Hagebau-Gruppe bestätigte laut Vielmeier, "dass Hagebau und Hagebau.de nicht all zu viel miteinander zu tun hätten." Hagebau.de ist also in Wirklichkeit ein Otto-Shop mit fremdem Label, ohne dass der Kunde irgendetwas davon mitbekommt. Wer einen Hagebaumarkt anrufen möchte, landet bei einer Otto-Hotline. Im Gespräch mit Golem.de bestätigte ein Otto-Pressesprecher genau das. Die Hagebau-Gruppe selbst betreibt offenbar gar keine eigene Kundenhotline.

Für den Kunden ist dieses Beziehungswirrwar nicht leicht zu durchschauen. Nur ein Blick in die Impressen und Firmenbeschreibungen von Otto.com, Otto.de, Hagebau.com und Hagebau.de zeigt auf, wer zu wem gehört und mit wem der Kunde beim Einkauf letztendlich einen Kaufvertrag abschließt.

Werbung muss sein 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 102,46€ + Versand
  2. und 50€-Steam-Guthaben erhalten
  3. 59,90€
  4. täglich neue Deals bei Alternate.de

486dx4-160 22. Nov 2016

Das ist lustig!! Sich vor Werbemails und Datenhandel zu schützen, indem man ein Email...

der_wahre_hannes 21. Nov 2016

Bei IKEA aber eben mit der Unternehmenskultur zu begründen. Die Werbung, die im...

1ras 21. Nov 2016

Hier auch nochmal der Tipp eine zufällige Zeichenfolge in die E-Mail-Adresse mit...

Clown 21. Nov 2016

Die in Call Centern üblichen ContactCenter-Lösungen beinhalten meist ohnehin schon eine...

david_rieger 21. Nov 2016

Da sollte man sich vorher mal Gedanken machen, warum man in einer "Community" anonym...


Folgen Sie uns
       


Oculus Go - Test

Virtual Reality für 220 Euro? Oculus Go überzeugt im Test.

Oculus Go - Test Video aufrufen
Kailh KS-Switch im Test: Die bessere Alternative zu Cherrys MX Blue
Kailh KS-Switch im Test
Die bessere Alternative zu Cherrys MX Blue

Der chinesische Hersteller Kailh fertigt seit fast 30 Jahren verschiedenste Arten von Schaltern, unter anderem auch Klone von Cherry-MX-Switches für Tastaturen. Der KS-Switch mit goldenem Stempel und markantem Klick ist dabei die bessere Alternative zu Cherrys eigenem MX Blue, wie unser Test zeigt.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Apple-Patent Krümel sollen Macbook-Tastatur nicht mehr stören
  2. Tastaturen Matias bringt Alternative zum Apple Wired Keyboard
  3. Rubberdome-Tastaturen im Test Das Gummi ist nicht dein Feind

Oneplus 6 im Test: Neues Design, gleich starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
Oneplus 6 im Test
Neues Design, gleich starkes Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Oneplus 6 hat einen schnellen Prozessor, eine Dualkamera und ein großes Display - mit einer Einbuchtung am oberen Rand. Der Preis liegt wieder unter dem der meisten Konkurrenzgeräte. Das macht das Smartphone trotz fehlender Innovationen zu einem der aktuell interessantesten am Markt.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Android-Smartphone Neues Oneplus 6 kostet ab 520 Euro
  2. Oneplus 6 Oneplus verkauft sein neues Smartphone auch direkt in Berlin

PGP/SMIME: Die wichtigsten Fakten zu Efail
PGP/SMIME
Die wichtigsten Fakten zu Efail

Im Zusammenhang mit den Efail genannten Sicherheitslücken bei verschlüsselten E-Mails sind viele missverständliche und widersprüchliche Informationen verbreitet worden. Wir fassen die richtigen Informationen zusammen.
Eine Analyse von Hanno Böck

  1. Sicherheitslücke in Mailclients E-Mails versenden als potus@whitehouse.gov

    •  /