Datenschutz: Massenbeschwerde gegen verhaltensbasierte Werbung

Bürgerrechtsorganisationen setzen Datenschutzbehörden mit Massenbeschwerden unter Druck. So wollen sie den Kontrollverlust der Nutzer bei Echtzeit-Auktionen für verhaltensbasierte Internetwerbung beenden.

Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
In Echtzeit-Auktionen wird heutzutage Internetwerbung vergeben.
In Echtzeit-Auktionen wird heutzutage Internetwerbung vergeben. (Bild: State Library Victoria Collections/CC-BY 2.0)

Gegen Techniken der verhaltensbasierten Werbung haben zwölf Bürgerrechtsorganisationen bei den Datenschutz-Aufsichtsbehörden von neun EU-Mitgliedstaaten Beschwerden eingereicht. In Deutschland reichten vier Digital- und Datenschutzorganisationen bei allen 16 Landesbehörden Beschwerde (PDF) ein.

Inhalt:
  1. Datenschutz: Massenbeschwerde gegen verhaltensbasierte Werbung
  2. Geringer Mehrwert personalisierter Werbung

Im Kern geht es um Echtzeit-Auktionen für Internetwerbung, die unter anderem Google unterhält. Die Systeme arbeiten nach der Spezifikation Real Time Bidding (RTB), um personalisierte Werbung für Websites bereitzustellen. Die Beschwerden richten sich dabei zum einen gegen OpenRTB, das von fast allen Unternehmen in der Online-Medien- und Werbebranche, unter anderem von Facebook und Twitter, verwendet wird. Zum anderen geht es gegen das Google-eigene System der Authorized Buyers, das vor kurzem noch DoubleClick Ad Exchange (kurz AdX) hieß.

Profiling unter Beschuss

Für Eva Simon, Rechtsexpertin der NGO Liberties, ist der Fall klar: "Diese Werbemethode verstößt eindeutig gegen die EU-Datenschutzverordnung." Denn jedes Mal, wenn eine Person eine Website besucht und ihr eine verhaltensorientierte Anzeige angezeigt wird, werden ihre persönlichen Daten, wie etwa Browserverlauf oder Standort, aber auch sexuelle Orientierung oder sogar eindeutige ID-Codes in Echtzeit an Tausende von Unternehmen weitergereicht. Diese Daten würden digitale Werbeunternehmen über eine Gebotsanfrage übertragen, um Werbeplatz zu verkaufen.

Die Methode stößt auf Kritik, da mit ihr massenweise personenbezogene Daten übertragen werden. Dazu gehören Indikatoren über Sexualität, Ethnizität und politische Meinungen. Außerdem bezweifeln die NGOs, dass die Branche die Kontrolle über die Verbreitung personenbezogener Daten nach deren Übertragung überhaupt behalten kann. Sie sehen nach dem Profiling-Artikel der DSGVO "keine rechtliche Grundlage für eine solche allgegenwärtige und invasive Profilerstellung und Verarbeitung personenbezogener Daten aus Profitgründen".

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Auf Anfrage von Golem.de verwies die Branchenorganisation IAB Europa auf eine frühere Stellungnahme, wonach mit dem 2018 eingerichteten IAB Europe Transparency & Consent Framework (TCF) alle Anforderungen der DSGVO eingehalten werden könnten. Demnach willige der Nutzer in die Datenverarbeitung ein, wobei er über die Unternehmen informiert werde, mit der die jeweilige Website zusammenarbeite. Dabei räumte die IAB bereits Nachbesserungsarbeiten ein: Die kommende Version des Frameworks werde die Widerrufsrechte des Nutzers direkt in die Datensätze einbauen. Der Verband wies außerdem darauf hin, dass er mit den Datenschutzbehörden eng zusammenarbeite.

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Geringer Mehrwert personalisierter Werbung 
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perseus 28. Jun 2021

Danke, sehr interessant, mal einen kleinen Einblick in diese Abläufe zu bekommen.

Ykandor 18. Jun 2019

"blockierte Anfragen auf dieser Seite 5 oder 38 %" Im Header steht bei mir aber auch...

sio1Thoo 07. Jun 2019

...dass es heutzutage immer noch Leute gibt, die sich über Werbung im Internet aufregen...



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