Datenschutz: Facebook speicherte Millionen Passwörter im Klartext

Das unverschlüsselte Speichern von Passwörtern gilt als grober Verstoß gegen den Datenschutz. Bei Facebook sollen bis zu 600 Millionen Nutzer davon betroffen gewesen sein.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Die Verschlüsselung ist für Facebook-Chef Mark Zuckerberg eigentlich ein wichtiges Thema.
Die Verschlüsselung ist für Facebook-Chef Mark Zuckerberg eigentlich ein wichtiges Thema. (Bild: Stephen Lam/Reuters)

Passwörter von vielen Millionen Facebook-Nutzern sind für Mitarbeiter des Online-Netzwerks im Klartext zugänglich gewesen. "Wir gehen davon aus, dass wir Hunderte Millionen Nutzer von Facebook Lite, Dutzende Millionen weitere Facebook-Nutzer sowie Zehntausende Instagram-Nutzer benachrichtigen werden", teilte das Unternehmen am 21. März mit. Facebook habe keine Hinweise darauf, dass jemand intern missbräuchlich darauf zugegriffen habe, hieß es weiter. Die Passwörter seien für niemanden außerhalb des Unternehmens sichtbar gewesen. Facebook Lite ist eine abgespeckte Version für Nutzer des Online-Netzwerks in Regionen mit langsamen Internetleitungen.

Stellenmarkt
  1. Mitarbeiter (w/m/d) IT-Service
    The Boston Consulting Group GmbH, Berlin
  2. Mitarbeiter für Konzeption und Qualitätssicherung (m/w/d)
    ADG Apotheken-Dienstleistungsgesellschaft mbH, Fürth, Mannheim
Detailsuche

Die betroffenen Nutzer sollen dennoch "als Vorsichtsmaßnahme" benachrichtigt werden, obwohl es keinen Hinweis auf einen Missbrauch der Daten gebe. Die Passwörter hätten eigentlich auch intern unkenntlich sein müssen. Der Fehler sei bei einer Routineprüfung im Januar aufgefallen. Er sei inzwischen behoben worden - Facebook machte keine Angaben dazu, wann genau. Normalerweise würden die Passwörter mit einem Salt, einer zufällig generierten Buchstaben- und Zahlenfolge, ergänzt und anschließend gehasht.

Zugriff für 20.000 Mitarbeiter

Kurz vor der Facebook-Mitteilung hatte der IT-Sicherheitsexperte Brian Krebs in seinem Blog von dem Fall berichtet. Er schrieb unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Facebook-Insider, mehr als 20.000 Mitarbeiter des Online-Netzwerks hätten Zugriff auf die im Klartext gespeicherten Passwörter haben können. Insgesamt könnten 200 bis 600 Millionen Facebook-Nutzer betroffen sein.

Die Archivdateien mit unverschleierten Passwörtern reichten bis ins Jahr 2012 zurück, hieß es bei Krebs weiter. Laut Logdaten hätten rund 2.000 Entwickler etwa neun Millionen interne Abfragen für Datenelemente gemacht, die ungeschützte Passwörter enthielten, schrieb der Sicherheitsexperte unter Berufung auf den Firmen-Insider. Facebook machte dazu zunächst keine Angaben.

Grober Datenschutzverstoß

Golem Akademie
  1. Docker & Containers - From Zero to Hero
    5.-7. Oktober 2021, online
  2. Penetration Testing Fundamentals
    23.-24. September 2021, online
Weitere IT-Trainings

Die Speicherung von Passwörtern im Klartext stellt einen Verstoß gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung dar. Zur "Sicherheit der Verarbeitung" fordert Artikel 32 auch die "Pseudonymisierung und Verschlüsselung personenbezogener Daten". Zudem heißt es in Nummer 2: "Bei der Beurteilung des angemessenen Schutzniveaus sind insbesondere die Risiken zu berücksichtigen, die mit der Verarbeitung - insbesondere durch Vernichtung, Verlust oder Veränderung, ob unbeabsichtigt oder unrechtmäßig, oder unbefugte Offenlegung von beziehungsweise unbefugten Zugang zu personenbezogenen Daten, die übermittelt, gespeichert oder auf andere Weise verarbeitet wurden - verbunden sind."

Unter anderem aus diesem Grund war gegen den Chatanbieter Knuddels eine Strafe verhängt worden, weil nach einem Datenleck die unverschlüsselten Passwörter veröffentlicht worden waren. Die DSGVO bietet den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit, deutlich höhere Bußgelder als zuvor zu verhängen. Artikel 83, Nummer 4 der DSGVO sieht bei schweren Verstößen Geldbußen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro oder bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes vor, wenn ein Datenverarbeiter seine Pflichten verletzt hat. Wenn gegen bestimmte Grundsätze der Datenverarbeitung verstoßen wird, sind sogar doppelt so hohe Bußgelder möglich.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Ohne GTA 6
Diese Spiele haben wir auf der E3 vermisst

E3 2021 Kein Dragon Age, kein neues Star-Wars-Spiel und Bioshock: Golem.de erklärt, welche Top-Spiele gefehlt haben - und warum.

Ohne GTA 6: Diese Spiele haben wir auf der E3 vermisst
Artikel
  1. Malware: Trojaner verhindert Urheberrechtsverletzungen
    Malware
    Trojaner verhindert Urheberrechtsverletzungen

    Wer sich die Schadsoftware Vigilante einfängt, kann nicht mehr auf The Pirate Bay und ähnliche Webseiten zugreifen.

  2. Nextbox von Nitrokey im Test: Die eigene Cloud im Wohnzimmer
    Nextbox von Nitrokey im Test
    Die eigene Cloud im Wohnzimmer

    Mit der Nextbox hat Nitrokey eine Cloud für zu Hause entwickelt, um die man sich nicht kümmern muss. Dafür kann man sie auf der ganzen Welt erreichen.
    Ein Test von Moritz Tremmel

  3. Prime Day 2021 bei Amazon - das sind die Highlights
     
    Prime Day 2021 bei Amazon - das sind die Highlights

    Lange haben wir gewartet, jetzt ist es so weit: Der Prime Day 2021 ist gestartet und bietet millionenfache Angebote aus allen Kategorien.
    Ausgewählte Angebote des E-Commerce-Teams

Bonita.M 22. Mär 2019

Man kann das garnicht lokal gegen entfernt gespeicherte Hashes vergleichen weil man zu...

TrollNo1 22. Mär 2019

Die DSGVO gilt nicht für Amerika. Die DSGVO gilt für die EU. Und wenn ein amerikanischer...

TrollNo1 22. Mär 2019

Eiszeit wäre angebracht...

nicoledos 22. Mär 2019

der Unterschied, Knuddels hat die Passwörter (unbeabsichtigt) mit der Welt geteilt, FB...

supergurki 21. Mär 2019

Ah ja... da wollte vielleicht jemand polemisieren und hat gleich die Plattform vergessen...


Folgen Sie uns
       


Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Amazon Prime Day • SSDs (u. a. Crucial MX500 1TB 75,04€) • Gaming-Monitore • RAM von Crucial • Fire TV Stick 4K 28,99€ • Bosch Professional • Dualsense + Pulse 3D Headset 139,99€ • HyperX Cloud II 51,29€ • Apple-Produkte (u. a. iPhone 12 128GB 769€) • TV OLED & QLED [Werbung]
    •  /