Datenschutz: Continental verbietet Nutzung von Whatsapp und Snapchat

Die EU-Datenschutzgrundverordnung zeigt Wirkung. Die Mitarbeiter des Autozulieferers Continental dürfen auf Diensthandys kein Whatsapp mehr nutzen. Zwei andere Messengerdienste bleiben aber erlaubt.

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Nicht überall erlaubt: der Messengerdienst Whatsapp
Nicht überall erlaubt: der Messengerdienst Whatsapp (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Der Autozulieferer Continental untersagt seinen Mitarbeitern ab sofort die Nutzung von Apps wie Whatsapp und Snapchat auf ihren Dienstgeräten. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Hannover mit. Betroffen davon seien potenziell 36.000 Mobilgeräte der weltweit 240.000 Mitarbeiter, sagte ein Sprecher auf Anfrage von Golem.de. Angesichts der Ende Mai in Kraft getretenen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) befürchtet das Unternehmen, wegen der Datenschutzdefizite der Apps hohe Bußgelder zahlen zu müssen.

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Die Nutzung der Dienste sei schon zuvor nicht erlaubt, sondern bestenfalls geduldet gewesen, sagte der Sprecher. Das liege daran, dass Whatsapp beispielsweise dem Nutzer die Verantwortung über die aus dem Adressbuch hochgeladenen Kontaktdaten gebe. Es sei nicht praktikabel, dass jeder einzelne Nutzer verantwortlich für die Datenweitergabe sei. Aktuell heißt es in den Nutzungsbedingungen von Whatsapp: "Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern und anderen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten."

Privatpersonen dürfen Adressbuch hochladen

Nach einer Änderung der AGB im September 2016 fand sich darin noch die Formulierung: "Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können." Zwar war dieser Passus nach Ansicht von Datenschützern ohnehin unwirksam. Doch was für Privatpersonen nach Inkrafttreten der DSGVO aufgrund der sogenannten Haushaltsausnahme erlaubt ist, gilt nicht für Unternehmen. Nach Ansicht der Bundesdatenschutzbeauftragten ist derzeit noch unklar, ob Handwerker beispielsweise Whatsapp wie gehabt zur beruflichen Kommunikation nutzen dürfen.

Dem Sprecher zufolge hat Continental generell "nichts gegen Messengerdienste einzuwenden". Diese seien "sehr nützlich". Das Unternehmen empfehle seinen Mitarbeitern daher die Nutzung von Wire oder Threema, die sich ohne Zugriff auf das Adressbuch verwenden lassen. Bei Threema werden die Kontaktdaten dem Anbieter zufolge nur kurzfristig zur Synchronisation übertragen und dann gleich wieder gelöscht.

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Intern komme beispielsweise Skype for Business zum Einsatz, sagte der Conti-Sprecher. Es werde auch überprüft, ob auf den Mitarbeiter-Handys tatsächlich keinen unerlaubten Apps installiert seien. "Continental zeigte sich offen, diese Regelung aufzuheben, sollten die Anbieter eine unbedenkliche Nutzung ihrer Dienste im Sinne des Datenschutzes schon in der Grundeinstellung ermöglichen", hieß in der Pressemitteilung.

Ähnliche Verbote bei anderen Firmen

Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge steht Continental mit dem Verbot nicht alleine da. Die Deutsche Bank habe die Nutzung von SMS, Whatsapp und anderen Messenger-Diensten auf Diensthandys bereits seit Januar 2017 untersagt, sagte ein Sprecher. Grund seien die weitreichenden Dokumentationspflichten für Banken. Auch die Commerzbank erklärte, Whatsapp sei für geschäftliche Kommunikation nicht zugelassen. Beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hieß es: "Bereits seit der Einführung dienstlicher Smartphones sperren wir technisch den Zugriff auf die Kontakte für alle Apps auf Grund von Sicherheits- und Datenschutzbedenken." Bei Volkswagen ist die dienstliche Nutzung solcher Messenger-Apps nicht vorgesehen, für den dienstlichen Gebrauch sei eine separate Messenger-App im Einsatz.

Die am 25. Mai 2018 in Kraft getretene DSGVO sieht bei schweren Datenschutzverstößen Geldbußen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens vor. Bei einem Jahresumsatz von 44 Milliarden Euro könnte für Continental die Strafe bei maximal 1,76 Milliarden Euro liegen.

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plutoniumsulfat 07. Jun 2018

Ich bitte dich, dass Facebook alles an Daten sammelt, was sie in die Finger bekommen, ist...

FreiGeistler 06. Jun 2018

Du scheinst deswegen ja sehr frustriert zu sein. Es gibt nicht nur Whatsapp für's...

FreiGeistler 06. Jun 2018

@Lemo Was ist das Problem? Hier werden wenigstens Alternativen geboten. Gestern in der 20...

tehabe 05. Jun 2018

Artikel 6 Absatz 1 endet nicht bei Punkt a.



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