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Die Hacker auf die Seitensprungportale haben nur den Kunden geschadet.
Die Hacker auf die Seitensprungportale haben nur den Kunden geschadet. (Bild: Ashley Madison)

Datenschutz: Beim Ashley-Madison-Hack gibt es keine Gewinner

Die Hacker auf die Seitensprungportale haben nur den Kunden geschadet.
Die Hacker auf die Seitensprungportale haben nur den Kunden geschadet. (Bild: Ashley Madison)

Öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen. Diesen Grundsatz der Hacker-Ethik haben die Datendiebe bei dem jüngsten Angriff auf Ashley Madison vollkommen missachtet - und sich selbst als falsche Moralapostel entlarvt. Geschadet haben sie denjenigen, für die sie sich einsetzen wollten.
Von Jörg Thoma

Diesmal trifft es nicht nur Prominente, wie beim Hack auf iCloud-Konten vor einem Jahr. Mehrere Millionen Unvorsichtige weltweit haben sich bei den Seitensprungportalen Ashley Madison, Established Men und Cougar Life angemeldet, in der Hoffnung, ihre heimlichen sexuellen Phantasien würden Realität. Fast seit Beginn an war das Internet dafür eine Plattform, in all seinen Auswüchsen.

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Diejenigen, deren Daten jetzt im Internet gelandet sind, müssen peinlichen Enthüllungen entgegensehen. Scheidungsanwälte in aller Welt forsten bereits die Datensätze durch, ebenso wie Gaffer, Datenexperten oder selbst ernannte Enthüllungsjournalisten mit einem Hang zum Sadismus, wie ein Radioreporter in Australien, der eine Ehefrau öffentlich per Telefon damit konfrontierte, dass ihr Ehemann sich bei Ashley Madison angemeldet habe. Millionen Privatpersonen stehen am öffentlichen Pranger, für etwas, das vielleicht verwerflich erscheinen mag, aber absolut nicht illegal ist.

Zynismus pur

Geradezu zynisch mutet daher die Mitteilung des sogenannten Impact Teams an, "den Betrug, die Täuschung und Dummheit von ALM und seiner Mitglieder" aufgedeckt zu haben. Die Kriminellen haben es also auch auf die Mitglieder abgesehen. Sie heben sich damit als moralische Instanz über Millionen von Menschen und ihre privaten Gedanken, ihre Geheimnisse. Radikale Sittenwächter in aller Welt wird es freuen.

Noch zynischer lautet daher die Annahme des Impact Teams, die Entlarvten würden das Ganze überstehen. Sie hätten ihre Lektion gelernt, müssten jetzt Wiedergutmachung leisten und ihre Leben weiterleben. Wer jetzt vor dem Scherbenhaufen seiner Beziehung steht, dürfte das anders sehen, abgesehen davon, dass das Internet nichts vergisst. Hinzu kommt, dass viele den Dienst gar nicht nutzten, sondern sich wohl nur aus Neugier dort angemeldet haben oder von anderen worden sind - aus schlechtem Jux. Überprüft haben die Plattformen das nie.

Das perfide Geschäft mit dem Sex

Sex verkauft sich nicht nur gut, er macht einen auch erpressbar. Davon profitierte aber auch der Eigentümer der Webseiten Avid Life Media (ALM). Satte 20 US-Dollar verlangt das Unternehmen, wenn jemand sein Profil gelöscht haben will. Und die jetzt veröffentlichten Unterlagen belegen, dass selbst die Daten gelöschter Profile zumindest teilweise noch vorhanden waren. Aktiv nutzen konnten den Dienst ohnehin nur diejenigen, die auch wirklich dafür zahlten. Nur sie konnten anderen Nachrichten und Einladungen zukommen lassen. Alle anderen warteten vermutlich vergeblich darauf, mögen deren Profile noch so attraktiv gestaltet worden sein, samt sexueller Präferenzen. Die Datensätze sollen auch belegen, dass GPS-Daten derjenigen gespeichert wurden, die sich beispielsweise per App dort angemeldet haben. Informiert worden sein sollen die Benutzer darüber aber nicht.

Diesen fast kriminell laxen Datenschutz von Avid Life Media gilt es ebenso anzuprangern wie die Forderung, Gebühren für die Löschung eines Profils zu verlangen. Das Impact Team hat das aber versäumt. Es hat auch interne Daten aus dem Unternehmen erbeutet, etwa den Flurplan dessen Bürogebäude. Es hätte genügt, diese Unterlagen zu veröffentlichen, um seine Forderungen nach mehr Datensicherheit zu unterstreichen: öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen.

Avid Life Media ging seinerseits auch gleich gegen den Motherboard-Journalisten Joseph Cox vor und ließ einen Tweet sperren, der den Flurplan zeigte. Auch gegen die Webseite CheckAshleyMadison.com gingen die Anwälte von Avid Life Media mit einer Takedown-Notice vor. Dort sollten Betroffene überprüfen können, ob ihre Namen veröffentlicht wurden. Alle Datensätze werden sie aber niemals löschen können. Auch hier trifft es die Falschen.

Die Kunden haben am meisten zu leiden

Das Impact Team hingegen verlangte von Anfang an, dass die Portale stillgelegt werden sollten. Es muss gewusst haben, dass diese Forderung nicht zu erfüllen sind. Es ging ihnen wohl immer nur um die Bloßstellung. Und dadurch könnte Avid Life Media im Nachhinein auch noch eine gewisse öffentliche Sympathie bekommen. Dessen Portale werden sicherlich nicht verschwinden.

Gewonnen hat durch diesen Skandal also wirklich niemand, am wenigsten diejenigen, die das Impact Team eigentlich schützen wollte - die bloßgestellten Kunden.


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jg (Golem.de) 25. Aug 2015

Liebe Leser, wegen der erschreckend hohen Anzahl menschenverachtender Kommentare mussten...

Clown 24. Aug 2015

Für mich ist die "sexuelle Treue" sogar einer der unwichtigsten Aspekte des Treue...

Clown 24. Aug 2015

Weil das eben auch korrekt ist? Aber auf Juristereien gebe ich wenig, denn Recht haben...

Clown 24. Aug 2015

Also hier muss ich gleich schon mal intervenieren, da mir zwei vitale Dinge auffallen...

Cespenar 22. Aug 2015

die schnorcheln einfach weiter und keiner hält sie auf. Achja ich vergas, geht ja um...



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