Datenschutz: Amazon aktiviert Sidewalk und gibt WLAN für andere frei

Amazons Mesh-Technik Sidewalk nutzt auch die WLAN-Infrastruktur anderer - Sicherheitsfachleute sehen das kritisch.

Artikel veröffentlicht am ,
Auf all diesen Echo-Geräten läuft Amazons Sidewalk.
Auf all diesen Echo-Geräten läuft Amazons Sidewalk. (Bild: Stephen Brashear/Getty Images))

Sidewalk von Amazon soll für Echo-Geräte und Ring-Kameras immer eine gute Internetversorgung bieten. Dabei nutzt die Mesh-Technik ein eigenes Verfahren, greift aber auch auf fremde WLAN-Netzwerke zurück. Die Idee ist es, Internetanschlüsse aus der Nachbarschaft mitzuverwenden, um mögliche WLAN-Abdeckungsprobleme ausgleichen zu können.

Die jüngst in den USA freigeschaltete Funktion entfacht Kritik. In einem Bericht von Forbes bemängeln Sicherheitsfachleute, dass Sidewalk im Amazon-Konto standardmäßig aktiv ist. Sobald Sidewalk von Amazon für das entsprechende Kundenkonto aktiviert wird, können Fremde den Datenverkehr eines WLANs mitbenutzen. Im Frage-Antwort-Bereich auf Amazons Sidewalk-Webseite gibt Amazon indirekt an, dass die Sidewalk-Funktion standardmäßig aktiviert wird.

Dieser Umstand wird vom Chief Information Security Officer beim Sicherheitsspezialisten Cyjax scharf kritisiert. Das sei "aus der Perspektive der Privatsphäre und der Angriffsfläche zutiefst problematisch", sagt Ian Thornton-Trump. "Es ist eine interessante Lösung für die Leistungsprobleme von Amazon-Produkten, da sich viele ihrer IoT-Geräte am Rande der WLAN-Einrichtungen zu Hause befinden." Es sei aber nicht im Sinne der Kundschaft, dass Sidewalk standardmäßig aktiviert wird. "Niemand nutzt umsonst mein WLAN, vor allem kein riesiges Unternehmen mit Milliarden von US-Dollar", erbost sich Thornton-Trump.

Kritik an Amazons Sidewalk

Der Kritik von Thornton-Trump schließt sich Alan Woodward an, er ist Cyber-Sicherheitsexperte an der Surrey University. Er hält es laut einem BBC-Artikel für einen Fehler, dass die Funktion standardmäßig aktiv ist. Er würde es vorziehen, wenn diese erst aktiviert werden müsste. Es fühle sich falsch an, nicht zu wissen, welche Geräte das eigene WLAN-Netzwerk nutzen.

Wenn ein Sidewalk-Gerät eines anderen den eigenen WLAN-Zugang verwendet, wird die maximale Geschwindigkeit reduziert, mit der das Sidewalk-Gerät das Internet nutzen kann. Zudem wird das Datenvolumen gedeckelt, das maximal von einem Sidewalk-Gerät eines anderen übertragen werden kann, gibt Amazon an. Demnach nutzen Sidewalk-Geräte ein fremdes WLAN-Netzwerk mit maximal 80 KBit/s und das monatlich erlaubte Datenvolumen für Sidewalk-Geräte liegt bei 500 MByte, wenn sie ein fremdes WLAN nutzen. Diese Beschränkungen gelten für jedes Amazon-Konto, das mittels Sidewalk ein fremdes WLAN nutzt.

Bei der Sidewalk-Aktivierung ist Amazon ein Fehler unterlaufen. Obwohl der Dienst vorerst nur in den USA zur Verfügung steht, wurden auch Amazon-Kunden in anderen Ländern über den Start von Sidewalk informiert. Das sei ein Fehler gewesen, räumte Amazon in einem BBC-Bericht ein. Sidewalk steht derzeit nur in den USA zur Verfügung. Wann die Funktion auch in anderen Ländern angeboten wird, ist nicht bekannt.

Die ersten Sidewalk-fähigen Geräte sind einige Ring-Kameras sowie die meisten Echo-Lautsprecher und alle Echo-Show-Modelle mit Display.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


DerET 30. Nov 2020

Aus der E-Mail von amazon:

Isodome 30. Nov 2020

Ich bin enttäuscht. Das wäre sicher auch undifferenzierter gegangen.

Isodome 30. Nov 2020

Amazon könnte und sollte ein VPN dazwischen schalten.

gelöscht 30. Nov 2020

Amazon kennt aber die Zugangsdaten da diese per Default von deren Geräten in der Cloud...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Ukrainekrieg
Palantir für die militärische Zielauswahl verantwortlich

Das US-Unternehmen Palantir ist mit Software am Kriegsgeschehen in der Ukraine beteiligt. Auch die hiesige Polizei setzt Software des Unternehmens ein.

Ukrainekrieg: Palantir für die militärische Zielauswahl verantwortlich
Artikel
  1. Grüner Wasserstoff: Neues Verfahren erzeugt Wasserstoff aus Salzwasser
    Grüner Wasserstoff
    Neues Verfahren erzeugt Wasserstoff aus Salzwasser

    Wo es Sonne gibt, um Wasserstoff zu erzeugen, fehlt es oft an Süßwasser. Ein neu entwickelter Elektrolyseur kann das im Überfluss vorhandene Meerwasser verarbeiten.

  2. Streaming: Netflix streicht Funktion aus drei Abomodellen
    Streaming
    Netflix streicht Funktion aus drei Abomodellen

    Künftig gibt es 3D-Raumklang alias Spatial Audio nur noch im teuersten Netflix-Abo. Wirbel entfacht eine Filmveröffentlichung in Japan.

  3. Software: Wie Entwickler Fehler aufspüren - oder gleich vermeiden
    Software
    Wie Entwickler Fehler aufspüren - oder gleich vermeiden

    Es gibt zahlreiche Arten von Softwarefehlern. Wir erklären, welche Testverfahren sie am zuverlässigsten finden und welche Methoden es gibt, um ihnen vorzubeugen.
    Von Michael Bröde

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung G5 Curved 27" WQHD 260,53€ • Graka-Preisrutsch bei Mindfactory • Samsung Galaxy S23 jetzt vorbestellbar • Philips Hue 3x E27 + Hue Bridge -57% • PCGH Cyber Week • Dead Space PS5 -16% • PNY RTX 4080 1.269€ • Bis 77% Rabatt auf Fernseher • Roccat Kone Pro -56% [Werbung]
    •  /