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Die Priorität entscheidet über den Preis

Am teuersten wäre eine hohe Priorisierung der Wiederherstellung, dann arbeiten die Techniker im Schichtsystem, um den Vorgang möglichst schnell abzuschließen. Bei normaler Priorität würde die Platte abhängig vom Eingangsdatum eingetaktet. Wir entscheiden uns für die preiswerteste Variante: Grits Festplatte kommt dran, wenn Zeit ist. Das kann zwar mitunter einige Monate in Anspruch nehmen, ist aber immer dann ratsam, wenn es sich beispielsweise um private Fotos oder Videos handelt, deren Wiederbeschaffung nicht zeitkritisch ist.

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Ganz glücklich ist Grit darüber nicht, denn schließlich steht das Ende des Schuljahres mit den Klausuren bald bevor. Doch sie kann die entstandene Lücke mit geborgten Materialien von Kollegen und etwas Mehrarbeit füllen.

Ein paar Wochen später ist es dann soweit. Ich bin in Leipzig im Firmensitz von Data Recovery. Ich will zuschauen, wenn sich die Fachleute Grits Festplatte vornehmen.

Technikchef Lars Müller führt mich in einen ungefähr 40 Quadratmeter großen Raum. Hier hängen mehrere komplett bestückte, kleine PC-Motherboards an den Wänden, Kabel führen zu ihren Netzteilen und Festplatten, Lüfter surren. Einig paar junge Männer sitzen darunter an Schreibtischen und lesen Meldungen auf ihren Bildschirmen, einer beugt sich über sein Mikroskop. Er platziert eine Platine auf dem Objektträger. Wie eine Stadtlandschaft taucht das Innenleben einer SSD auf dem Monitor auf. Vorsichtig schiebt er sie hin und her, sucht nach den Beinchen eines Chips. Hier kann er später eine Klemme anschließen und versuchen, die Daten auszulesen. Eine Wand ist Regalfläche, mit Hunderten beschrifteten und mit Barcodes versehenen Schubladen - wie kleine Urnenkästen für die defekten Datenträger, die in ihnen auf ihre Wiedererweckung warten.

Gut zuhören und manchmal reden

Auch unsere Platte schlummert in einer dieser Kisten, bis sie ein Techniker herausnimmt und kurz an einen Rechner anschließt. Sie klackert und kratzt eine Sekunde lang, bevor er sie wieder abzieht. Oft müssen die Datenretter die Platten gar nicht erst öffnen, um eine Diagnose zu stellen. Die Angaben aus dem ersten Beratungstelefonat und ein paar kaum hörbare Geräusche reichen dann aus. Erst nach Auftragsfreigabe wird unsere Platte geöffnet, vorsichtig werden einige weiße Stückchen Kunststoff an den Gehäuserändern entfernt und von allen Seiten begutachtet. Diese Staubfilter geben einen Hinweis darauf, ob Schmutz oder Feuchtigkeit ins Gehäuse eingedrungen ist. Mit einer starken Taschenlampe werden die einzelnen "Platter" genannten runden Scheiben auf Beschädigungen abgeleuchtet. Sie halten auf ihrer spiegelnden, magnetisierten Oberfläche die eigentlichen Daten und füllen fast den ganzen Innenraum des Gehäuses aus.

  • In diesen Kästen ruhen Datenträger, die auf ihre Wiederherstellung warten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Datenretter bei der Arbeit (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Mit viel Fingerspitzengefühl wird der beschädigte Festplattenkopf ausgetauscht. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das geschieht in Reinräumen, sogenannten "Flow-Boxen". (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Diese PCs dienen zum Auslesen der Daten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
In diesen Kästen ruhen Datenträger, die auf ihre Wiederherstellung warten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Während wir seinen Kollegen bei der Arbeit zusehen, sagt Technikchef Müller: "Jeder einzelne hier hat schon mit einem Datenträger gesprochen. Man steckt da persönlich ziemlich tief drin. An der einen oder anderen Festplatte hängt Herzblut, weil man sieht, es ist nur noch ein einziger kleiner Schritt, bis sie die Daten preisgibt, bis sie sagt: Ich habe jetzt keine Lust mehr, hier nimm! Dann kommt es vor, dass Sie die Techniker mit den Platten reden hören."

Die genauen Abläufe der Datenrettung sind Firmengeheimnis, denn die Branche ist verschwiegen und jeder hat seine Mitbewerber genau im Blick. Ich darf aber trotzdem zusehen, wie die Festplatten hier zunächst repariert werden. Für die meisten Modelle gibt es im Lager Ersatz. Keine Ersatzteile wohlgemerkt, denn um eine kaputte Platte zu retten, muss eine komplett neue, funktionierende Platte ausgeschlachtet werden.

In unserem Fall kommt also ein neuer Laufwerksarm samt Kopf zum Einsatz. Der Techniker hat ihn vorsichtig aus dem neuen Gerät gelöst und in die defekte Festplatte eingesetzt. Nachdem alles wieder zusammengeschraubt und kalibriert ist, schließt er den Datenträger an einen der PCs an der Wand an und versucht, die Daten auszulesen.

Jetzt beginnt der zweite, entscheidende Schritt der Rettung: Die Daten erscheinen nämlich nicht wie bei normalen Laufwerken einfach als Dateien, sondern werden sequentiell ausgelesen und auf eine andere Platte gespiegelt. Um aus dem Datensalat wieder Verzeichnisse und Dateistrukturen zu machen, muss noch der Controller der Platte analysiert werden. Er hält die Informationen, die man zur eigentlichen Wiederherstellung benötigt: Welche Bits gehören zusammen und bilden so ein Dokument, Foto oder Video?

Ganz so einfach ist es bei unserer Platte allerdings nicht.

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 Datenrettung: Zwischen Schlüsseldienst und UhrmacherKopf für Kopf 
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my3cents 18. Okt 2018

Hm, also mich hat der Artikel nicht vom Hocker gehauen. Er enthält kaum tiefgreifende...

magnolia 20. Aug 2018

+1 Ein sehr interessanter Artikel!

Aluz 10. Aug 2018

Privat: Handy mit google coud PC hat nen RAID 1 drin (5 konnte ich mir leider nicht...

SJ 10. Aug 2018

Es ist bekannt, dass alle einmal defekt geht... sei es CD-Spieler, Fernseher, Handy...

Aluz 10. Aug 2018

Ja und? Vielen Menschen, welche sich nicht in technischen Berufen befinden geht es so...


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