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Datenleck: Millionen Patientendaten ungeschützt im Netz

Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder und Röntgenaufnahmen: 16 Millionen Patientendatensätze konnte ein Sicherheitsforscher auf ungeschützten Servern im Internet entdecken. Auch Tausende Patienten aus Deutschland sind betroffen.
/ Moritz Tremmel , dpa
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Millionen sensibler Patientendaten offen im Netz (Bild: Jonny Lindner/Pixabay)
Millionen sensibler Patientendaten offen im Netz Bild: Jonny Lindner/Pixabay

Sensible medizinische Daten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR)(öffnet im neuen Fenster) auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet. In Deutschland seien mehr als 13.000 Datensätze von Patienten betroffen, in mehr als der Hälfte sind auch medizinische Bilder wie Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder und Röntgenaufnahmen enthalten: Sie seien noch bis vergangene Woche zugänglich gewesen und stammten von mindestens fünf verschiedenen Serverstandorten. Der größte Teil der Datensätze entfalle auf Patienten aus dem Raum Ingolstadt und aus Kempen in Nordrhein-Westfalen.

Nach den Recherchen des BR mit der US-Investigativplattform Propublica lagen die Bilder und andere Patientendaten auf ungesicherten Servern. Die Bilder seien hochauflösend und gespickt mit zahlreichen Informationen wie Geburtsdatum, Vor- und Nachname, Termin der Untersuchung und Informationen über den behandelnden Arzt oder die Behandlung selbst, schreibt der BR. Weltweit sollen in rund 50 Ländern von Brasilien über die Türkei bis Indien 16 Millionen Datensätze offen im Netz stehen. Besonders betroffen seien Patienten aus den USA. "Allein bei einem einzelnen Anbieter für radiologische Untersuchungen lagen nach einer Auswertung von Propublica mehr als eine Million Datensätze von Patienten vor" , heißt es in dem Bericht weiter.

Es handle sich nicht um ein einzelnes großes Datenleck, sondern um eine Vielzahl von ungeschützten Servern. Der Sicherheitsforscher Dirk Schrader machte den BR auf das Problem aufmerksam. Er konnte weltweit über 2.300 Rechner finden, auf denen die Datensätze offen lagen.

Bei den Daten handelte es sich oft um Bilder, die von Magnetresonanztomographie-Untersuchungen stammen (MRT). In der MRT-Röhre entstehen zwei- und dreidimensionale Bilder vom Körperinneren der Patienten. Diese Bilder würden von den Geräten an einen speziellen Server geschickt, berichtete der BR. Das System werde für die Bildarchivierung verwendet, ein sogenanntes Picture Archiving and Communication System (PACS). Auch Röntgenaufnahmen und Bilder aus der Computertomographie landeten auf diesen Servern.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sprach von einem "verheerenden ersten Eindruck" . Nach jetzigem Kenntnisstand seien in Deutschland zwei Krankenhäuser betroffen, sagte Kelber. Es müsse nun geklärt werden, ob möglicherweise auch Drittanbieter in der Verantwortung stehen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es hohe Bußgelder geben werde, sagte Kelber. "Diese Daten sind hochsensibel, und ich möchte natürlich auf keinen Fall, dass das im Internet steht, ohne Passwort-Authentifizierung. Ich finde das katastrophal" , sagte Sebastian Schinzel, Professor für IT-Sicherheit an der FH Münster, dem BR.


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