Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Datamining: Schufa will Daten bei Facebook und Twitter suchen

Die Auskunftei Schufa will in Nutzerdaten bei Facebook , Twitter und Xing Datamining betreiben, um Erkenntnisse über die Kreditwürdigkeit der Nutzer zu gewinnen. Partner ist die Universität Potsdam (HPI).
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Achim Sawall
78 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Werbeabbildung der Schufa (Bild: Schufa)
Werbeabbildung der Schufa Bild: Schufa

Die Schufa will bei Facebook gezielt Daten über Verbraucher sammeln. Wie der Radiosender NDR Info(öffnet im neuen Fenster) berichtet, lässt die Auskunftei dafür vom Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) Projektvorschläge entwickeln.

Laut Dokumenten, die NDR Info vorliegen, sollen Kontakte von Facebook-Mitgliedern herangezogen werden, um Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit zu ziehen. Zudem sei die Analyse von Textdaten möglich, um "ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln."

Untersucht werden könne auch, ob die Schufa über Facebook-Profile oder Zugänge zum Kurznachrichtendienst Twitter "Adressen und insbesondere Adressänderungen" ermitteln könne. Möglich sei auch die "automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten" . Es gehe darum, "Chancen und Bedrohungen für das Unternehmen zu identifizieren und zu bewerten" , erklärte die Schufa.

In den Dateien seien neben Facebook auch berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn, Geodatendienste wie Google Street View sowie Mitarbeiterverzeichnisse von Unternehmen aufgeführt, aus denen Daten gewonnen werden könnten. Diese Daten sollen mit den Schufa-Verbraucherdaten verknüpft werden.

Vertreter der Schufa und des HPI sollen die Recherchen von NDR Info bestätigt haben. Das Institut habe zum 1. April 2012 ein Forschungsprojekt mit dem Namen "Schufa-Lab@HPI" eingerichtet, das auch öffentlich im Internet angekündigt(öffnet im neuen Fenster) ist.

Das Material, das NDR Info vorliege, sei aber eine Sammlung von Projektideen, die "in Gesprächen zwischen dem HPI-Fachgebiet Informationssysteme und dem Projektpartner Schufa entstanden." Dies sei "Grundlagenforschung" , die nach "höchsten ethischen Maßstäben" betrieben werde. Schufa-Vorstand Peter Villa sagte jedoch, dass sich sein Unternehmen "durch wissenschaftlich fundierte Ergebnisse langfristig die Qualitätsführerschaft unter den Auskunfteien in Deutschland sichern" wolle.

Der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte NDR Info: "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension." Er zweifle daran, dass eine Umsetzung der Projektideen rechtlich überhaupt möglich sei.

Nachtrag vom 7. Juni 2012, 13:06 Uhr

Bitkom-Präsident Dieter Kempf sagte dazu: "Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte in die Praxis umgesetzt werden. Das Durchforsten von sozialen Netzwerken nach Informationen, die Rückschlüsse auf die finanzielle Leistungsfähigkeit erlauben, würde viele Internetnutzer zu Recht verunsichern. Wir sollten alles unterlassen, was das Vertrauen in das Internet beschädigt."

Auch von den Grünen, der Linkspartei, FDP, SPD und den Piraten gab es klare Ablehnung.


Relevante Themen