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Data-Mining: Der "finale Rettungsstuss" der Bahn-Pünktlichkeit

Der Datenanalyst David Kriesel hat sämtliche Fernzüge der Deutschen Bahn in diesem Jahr auf deren Pünktlichkeit hin untersucht. Die Auswertung macht deutlich, wie die Bahn ihre Werte schönrechnet.

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Datenanalyst David Kriesel erklärt die sogenannte Pofalla-Wende.
Datenanalyst David Kriesel erklärt die sogenannte Pofalla-Wende. (Bild: media.ccc.de/Screenshot: Golem.de)

Was viele Bahnreisende schon selbst erfahren mussten, hat der Datenanalyst David Kriesel in einer umfangreichen Auswertung nun statistisch nachgewiesen: Vor allem im Fernverkehr hat die Deutsche Bahn ein großes Problem mit verspäteten und ausgefallenen Zügen. Um die versprochenen Pünktlichkeitswerte annähernd einzuhalten, nehme die Bahn zulasten von Passagieren dabei häufig Zugausfälle in Kauf, erläuterte Kriesel in seinem Vortrag auf dem 36. Chaos Communication Congress (36C3) am Samstag in Leipzig. Das Argument der Bahn, sie könne ausgefallene Züge nicht in die Pünktlichkeitsstatistik aufnehmen, bezeichnete er als "finalen Rettungsstuss".

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Für seine Analyse sammelte Kriesel nach eigenen Angaben über die Fahrplan-API der Bahn seit 8. Januar 2019 die Pünktlichkeitsdaten zu jedem Halt eines Fernzugs an einem der rund 350 Fernbahnhöfe. Dies ergab einen Datensatz von knapp 25 Millionen Zughalten, dessen Auswertung er auf dem 36C3 präsentierte.

Ausgefallene Züge zählen nicht

Insgesamt konnte Kriesel dabei die eigenen Angaben der Bahn im Großen und Ganzen bestätigen. Demnach erreichten die Fernzüge, zu denen ICEs, ICs und ECs zählen, im zu Ende gehenden Jahr eine Pünktlichkeitsquote von knapp 75 Prozent. Dieser Wert lag unter dem selbstgesteckten Ziel der Bahn von 76,5 Prozent. Allerdings wird laut Bahn-Definition ein Halt als pünktlich gewertet, "wenn die planmäßige Ankunftszeit um weniger als 6 bzw. 16 Minuten überschritten wurde". Den Wert von sechs Minuten übernahm auch Kriesel bei seiner Analyse.

Nicht als unpünktlich werden jedoch einzelne Halte oder komplette Fahrten gewertet, die ausgefallen sind. Die Bahn begründet dies damit, dass es schwierig sei, "dafür ein sinnvolles mathematisches Modell zu hinterlegen". Zudem liege die sogenannte Erfüllungsquote im Nah- und Fernverkehr bei mehr als 99 Prozent. Das bedeutet, dass weniger als ein Prozent der Züge von Ausfällen betroffen sind.

Ausfallquote höher als angegeben

Dieser Aussage widersprach jedoch Kriesel. Seiner Auswertung zufolge fielen im abgelaufenen Jahr mehr als 5 Prozent aller ICEs aus. Bei den ICs lag die Ausfallquote bei mehr als 3 Prozent, bei ECs waren es mehr als 2 Prozent. An einem heißen Sommertag im Juli 2019 seien sogar mehr als 10 Prozent aller ICEs ausgefallen. Die Zugart mit den geringsten Ausfällen, der EC, habe hingegen mit rund 69 Prozent die schlechteste Pünktlichkeitsquote gehabt.

Nicht in die Statistik fließen demnach auch verkürzte Zugfahrten ein. Dabei werden auf einer Strecke von A nach B einfach die letzten Halte gestrichen, damit der Zug wenden und pünktlich in der anderen Richtung zurückfahren kann. Diese sogenannte Pofalla-Wende soll auf Anweisung von Bahn-Vorstand Ronald Pofalla eingeführt worden sein, um Verspätungen aufzuholen. Rechne man die ausgefallenen Halte in die Statistik ein, sinke die Pünktlichkeitsquote auf 72,5 Prozent. "Beim Fernverkehr liegt bei denen einiges im Argen", sagte Kriesel.

Praxistipps für Bahnfahrer

Allerdings wollte er die Pofalla-Wende als Geschäftsentscheidung der Bahn nicht von außen kritisieren, gab den Zuhörern jedoch den Praxistipp, beim Buchen von ICEs den Ausfall von Zughalten an Start- und Endbahnhöfen einzukalkulieren. Kriesel empfiehlt außerdem Vorsicht mit ICEs im Allgemeinen und besonders im Sommer. Darüber hinaus ergab seine Auswertung, dass Verspätungen von mehr als 40 Minuten kaum noch aufgeholt würden. Diese Züge würden von der Bahn offenbar aufgegeben.

Die Verspätungen ließen sich aber von den Reisenden auch zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. So präsentierte Kriesel eine lange Liste von Zugverbindungen, die an bestimmten Halten regelmäßig eine hohe Verspätung aufweisen. Dieser Umstand könne dazu genutzt werden, um die Zugbindung eines Spartickets aufzuheben.

Einzelne Bahnhöfe sammeln der Statistik zufolge besonders viele Verspätungsminuten. Davon befinden sich die meisten an der Rhein-Schiene sowie in Nordrhein-Westfalen. Aber auch die Bahnhöfe in Hamburg verfügten nur über eine Quote von etwa 60 Prozent. An der Spitze dieser Negativliste stand dabei der Frankfurter Hauptbahnhof mit 93.000 Minuten, gefolgt von Bahnhöfen wie Hamburg, Köln, Frankfurt Flughafen oder Mannheim mit 50.000 Minuten.

Kriesel kündigte an, auf seiner Website demnächst noch weitere Auswertungen zur Verfügung zu stellen. Die Rohdaten dürfe er aus Copyright-Gründen jedoch nicht herausgeben. Immerhin habe die Bahn das Projekt nicht torpediert und ihm erlaubt, die Daten automatisiert herunterzuladen und darüber "einen kleinen Community-Vortrag" zu halten. Ob die Bahn wirklich so offen sei oder einfach vergessen habe, zu googeln, wisse er aber nicht.

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dumdideidum 03. Jan 2020

Ich sag seit Jahren, dass die Privatisierung vor allem ein großer Schwindel ist, um...

fanreisender 01. Jan 2020

Kannst Du doch in Deutschland genau so. Du hast jetzt nicht die Forderung gestellt, dass...

BLi8819 31. Dez 2019

Naja, wenn ich in dem Zug drin sitze bringt mir der andere Zug nichts. :-D Aber Andy_T...

Oh je 30. Dez 2019

Mangels Button

Bendix 30. Dez 2019

"Kriesel kündigte an, auf seiner Website demnächst noch weitere Auswertungen zur...


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