Abo
  • Services:

Data Fairplay: Geld her für meine Daten!

Die Plattform Data Fairplay will den Datenhandel umkrempeln: Künftig sollen Internetfirmen zahlen, wenn sie Informationen über Kunden nutzen wollen. Ändert sich das Kräfteverhältnis zwischen Nutzer und Wirtschaft?

Artikel veröffentlicht am , Christoph Schlautmann/Handelsblatt/Jens Koenen
Data Fairplay will den Datenhandel umkrempeln.
Data Fairplay will den Datenhandel umkrempeln. (Bild: Data Fairplay)

Welche Urlaubsregionen bevorzugen Sie? Wie hoch ist Ihr Haushaltseinkommen? Und an welches Modell denken Sie beim Autokauf? Die Antworten darauf lassen sich professionelle Datensammler wie Doubleclick, einer der größten Werbebannervermarkter im Internet, oder die Otto-Tochter Eos teuer bezahlen. 6,3 Milliarden Dollar gaben Pkw-Anbieter, Assekuranzen, Reiseveranstalter und andere Werbetreibende schon 2012 weltweit aus, um an Daten möglicher Kunden zu gelangen. In vier Jahren, glauben die Marktforscher von Transparency Market Research, könnten es 48,3 Milliarden sein. Allein: Die Verbraucher, denen die Daten gehören, sehen davon keinen Cent.

Stellenmarkt
  1. über duerenhoff GmbH, Raum Wiesloch
  2. matrix technology AG, München

Das könnte sich bald ändern. Geht es nach Thomas Ghabel, bis vor dreieinhalb Jahren Finanzvorstand des untergegangenen Baumarkts Praktiker, sollen am schwunghaften Datenhandel erstmals auch die Bürger verdienen. "Wer freiwillig seine Daten zur Verfügung stellt", glaubt der Startup-Unternehmer, "könnte damit leicht zwischen 30 und 40 Euro verdienen - und das gleich mehrfach." Auf seiner Internetplattform Data Fairplay will er die Daten nachfragenden Unternehmen zum Kauf anbieten - gegen eine Maklerprovision. Seit dieser Woche ist die Website online.

Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel. Unternehmen würden künftig nur noch dann Informationen von Kunden bekommen, wenn sie diesen dafür auch etwas böten, glaubt Marc Drüner von der Beratungsgesellschaft Trommsdorff+Drüner: "Die Kunden verstehen es durchaus, die Daten zu geben, die einen echten Mehrwert für sie bedeuten, und nicht alle Daten von ihnen sammeln zu lassen, die technisch erhebbar sind." Stephen Brobst, Cheftechnologe des Datenbankspezialisten Teradata, spricht gar von einer Revolution der Kunden: "Die Konsumenten werden die Kontrolle über ihre Informationen zurückerobern."

Bei Data Fairplay können sich Verbraucher mit ihren Stammdaten registrieren. Das sind neben dem Einkommen etwa Angaben über Freizeitaktivitäten, Urlaubsgewohnheiten, das Mobilitätsverhalten, die Elektroniknutzung und die Adresse. Sie ist für den Datenweiterverkauf entscheidend. Denn auf die Anschrift erhalten die werbetreibenden Firmen erst Zugriff, nachdem sie dem jeweiligen Verbraucher einen zufriedenstellenden Preis geboten haben.

In den USA ist der Datenhandel gang und gäbe

Was für uns bizarr wirkt, ist in den USA längst Realität. Schon im November 2011 startete Shane Green in Washington mit elf Millionen Dollar Unterstützung das Startup Personal. Wer sich dort als Nutzer einschreibt, kann nach Greens Angaben bis zu 1.000 Dollar im Jahr verdienen - vorausgesetzt, er gibt genügend Auskünfte. Sie reichen von der Pizzabestellung bis zur Medikamenteneinnahme. Im vergangenen Oktober gab es von Investoren weitere 4,5 Millionen Dollar für Personal, zudem zog Esther Dyson, Boardmitglied des Werbekonzerns WPP, in den Firmenvorstand ein.

Ein lohnendes Geschäft ist der Datenhandel längst. 500 Millionen Konsumenten weltweit, davon 37 Millionen Haushalte in Deutschland, führt der US-Konzern Acxiom in seiner Datenbank. Die Firma aus Little Rock in Arkansas erfasst nicht nur Hautfarbe, politische Einstellungen oder Urlaubsträume einzelner Bürger, sondern auch die Neigung zum Glücksspiel, Allergien oder die Wohnungsgröße.

2,5 Millionen Datensätze im Monat generiert daneben der Datensammler Egentic Planet49 in 30 Ländern. Seit 2001 veranstaltet er Gewinnspiele im Internet, um anschließend die Daten der Teilnehmer zu vermarkten. Die angeblich 1.000 Firmenkunden, zu denen das Versandhaus Baur zählt, zahlen pro Adresse zwischen 30 Cent und 20 Euro. Bei einem Umsatz von 49 Millionen Euro schaffte das Sulzbacher Unternehmen 2011 - neuere Zahlen fehlen - einen Jahresüberschuss von 12,4 Millionen Euro.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. RT-AC5300 + Black Ops 4 für 255,20€ + Versand statt ca. 305€ im Vergleich und Blue Cave...
  2. 59,79€ inkl. Rabatt
  3. (Neuware für kurze Zeit zum Sonderpreis bei Mindfactory)

Lazer 06. Mär 2014

wenn der kunde zusätzlich zum datensammler kohle für seine datensätze bekommt, wird das...

Hu5eL 06. Mär 2014

Glückwunsch, da ist er wieder, der NSA-Post der niemals fehlen darf!

.02 Cents 06. Mär 2014

Es gibt sicher Bereiche in denen freiwillig erhobene Daten wertvoll sind. Wenn ich zum...

flaviaarking888 06. Mär 2014

Schau doch bitte mal bei Twister mit dieser Idee vorbei, aber den an die erste Regel des...

dabbes 06. Mär 2014

auch kein weiterer text


Folgen Sie uns
       


BMW stellt seinen Formel-E-Rennwagen vor - Bericht

BMW setzt auf elektrischen Motorsport: Die Münchener treten als zweiter deutscher Autohersteller in der Rennserie Formel E an. BMW hat in München das Fahrzeug für die Saison 2018/19 vorgestellt.

BMW stellt seinen Formel-E-Rennwagen vor - Bericht Video aufrufen
Energietechnik: Die Verlockung der Lithium-Luft-Akkus
Energietechnik
Die Verlockung der Lithium-Luft-Akkus

Ein Akku mit der Energiekapazität eines Benzintanks würde viele Probleme lösen. In der Theorie ist das möglich. In der Praxis ist noch viel Arbeit nötig.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Elektroautos CDU will Bau von Akkuzellenfabriken subventionieren
  2. Brine4Power EWE will Strom unter der Erde speichern
  3. Forschung Akku für Elektroautos macht es sich im Winter warm

iOS 12 im Test: Auch Apple will es Nutzern leichter machen
iOS 12 im Test
Auch Apple will es Nutzern leichter machen

Apple setzt mit iOS 12 weniger auf aufsehenerregende Funktionen als auf viele kleine Verbesserungen für den Alltag. Das erinnert an Google und Android 9, was nicht zwingend schlecht ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Apple iOS 12.1 verrät neues iPad Pro
  2. Apple Siri-Kurzbefehle-App für iOS 12 verfügbar

iPhone Xs, Xs Max und Xr: Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?
iPhone Xs, Xs Max und Xr
Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?

Apples neue iPhones haben neben dem Nano-SIM-Slot eine eingebaute eSIM, womit der Konzern erstmals eine Dual-SIM-Lösung in seinen Smartphones realisiert. Die Auswahl an Netzanbietern, die eSIMs unterstützen, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber eingeschränkt - ein Überblick.
Von Tobias Költzsch

  1. Apple Das iPhone Xr macht's billiger und bunter
  2. Apple iPhones sollen Stiftunterstützung erhalten
  3. XMM 7560 Intel startet Serienfertigung für iPhone-Modem

    •  /