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Das Universum bei Netflix: Bizarrer Mix aus Doku und Disneyfilm

Das Universum ist eine neue Dokuserie bei Netflix , die verschiedene Erzählformen sehr holprig miteinander kombiniert.
/ Peter Osteried
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Die neue Netflix-Dokuserie Das Universum möchte eine große Geschichte von allem erzählen - das klappt aber nur mäßig. (Bild: Netflix)
Die neue Netflix-Dokuserie Das Universum möchte eine große Geschichte von allem erzählen - das klappt aber nur mäßig. Bild: Netflix

Die BBC hat mit ihren Naturdokumentationen seit Jahren großen Erfolg, im Fernsehen wie im Kino. Was die BBC präsentiert, ist die Speerspitze der Naturdokumentation, besser geht es eigentlich nicht. Nun hat Netflix versucht, dem großen Vorbild Konkurrenz zu machen - und das, indem man BBC Studios(öffnet im neuen Fenster) , den kommerziellen Arm des britischen Nationalfernsehens anheuerte, um eine Dokumentation umzusetzen.

Das Universum(öffnet im neuen Fenster) ist nun also das Ergebnis - eine sechsteilige Dokumentationsreihe, die sich wohl anschicken sollte, David Attenboroughs Unser Planet(öffnet im neuen Fenster) zu überflügeln. Allein, es hat nicht geklappt, weil Das Universum ein bizarrer Mix zweier völlig gegensätzlicher Erzählformen ist.

Einerseits ist es eine Naturdokumentation, andererseits geht es um das Universum, um andere Welten, um Schwerkraft und chemische Elemente, um die Sonne und so viel mehr. Die Übergänge sind - gelinde gesagt - extrem holprig.

Von der Sonne zur Gepardenmutter und zurück

Die Folgen tragen die Titel "Die Jagd im Sternenlicht", "Die kosmische Uhr", "Der Wechsel der Jahreszeiten", "Die Elemente", "Eine Welt des Wassers" und "Die Anziehungskraft". Der Ansatz von Das Universum ist, das Große mit dem Kleinen zu verbinden. So erzählt Morgan Freeman schon in der ersten Folge von der Macht der Sonne, von der immensen Energie, die sie ausstrahlt, von ihrer Geburt, von einem Sonnensystem, in dem es vor Jahrmilliarden kälter war, als es heute ist.

Und dann: Geht es um eine Gepardenmutter in der Serengeti. Um ihre Versuche, jeden Tag Wild zu reißen, damit sie ihren Nachwuchs ernähren kann. Der Sprung, der hier immer wieder versucht wird - nämlich das Leben von Tieren überall auf der Welt mit kosmischen Ereignissen in Relation zu setzen - wirkt dabei ungelenk und erzwungen.

Und das umso mehr, als die Geschichten dieser Tiere so gestaltet sind, dass man versucht, sie mit Persönlichkeit zu erfüllen. Sie bekommen sogar Namen - als sähe man weniger eine Naturdokumentation als vielmehr einen Disneyfilm, der alles schön niedlich darstellen will.

Naturdoku und CGI-Ungetüm

Wann immer es nicht um die Tiere auf dieser Welt geht, wird es kosmisch. Man erlebt die Geburt der Sonne und den Urknall. Optisch sind das tolle Momente, die mit Hilfe erstklassiger Computeranimationen umgesetzt wurden. Aber noch einmal: Die Sprünge sind hanebüchen. Vom Urknall zur Geburt eines Schimpansen, das ist eine Entwicklung, auf die man erst mal kommen muss.

Oder wenn über die Wüste als unwirtlichstem Lebensraum auf Erden gesprochen wird, nur um dann den Bogen zu anderen Welten zu spannen, auf denen es noch unwirtlicher ist und nichts leben kann. In jeder Folge gibt es mehrere Momente, an denen man sich als Zuschauer denkt: Hier wurden zwei völlig unterschiedliche Dokumentationen auf geradezu stümperhafte Art und Weise miteinander kombiniert.

Pinguine werden genutzt, um über die Schwerkraft zu schwadronieren, Schimpansen bringt man in Relation zur Kernenergie. Die Übergänge sind immer schmerzhaft, es ergibt sich keinerlei homogene Erzählung. Erst spricht Morgan Freeman vom Leben der Schimpansen, vor allem der Schimpansen-Dame Celeste - und im nächsten Moment von schwarzen Löchern.

Optisch tolle Doku - aber was will sie uns sagen?

Dabei sieht Das Universum natürlich hervorragend aus. Die Naturaufnahmen sind so eindrucksvoll, wie man das von einer Produktion der BBC Studios erwarten kann. Die computergenerierten Bilder sind monumental, untermalt werden sie von emotional packender Musik, die mal bombastisch, mal melancholisch, mal traurig, mal erhebend ist.

Über all dem: die imposante Stimme von Morgan Freeman, der wohl auch das Telefonbuch vorlesen könnte und es klänge eindrucksvoll. Man hat hier den richtigen Mann gefunden, um die Geschichte zu erzählen. Nur ist die Geschichte das eigentliche Problem.

Würde man Das Universum anders betiteln und in zwei Dokumentationen aufspalten, hätte man zwei sehr viel stärkere Formate. So jedoch gestaltet sich Das Universum als merkwürdiger, Frankensteinesker Hybrid.

Am Ende bleibt man ratlos zurück. Was wollte uns diese Serie näherbringen? Hübsche kleine Tiergeschichten, die auch mal wehtun können und die Tiere vermenschlichen? Oder doch eine Geschichte über die Entstehung unseres Universums? Beides hat seine Existenzberechtigung, aber nicht in einem Amalgam.


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