Abo
  • Services:

Das Phänomen Anonymous: Niemals sein, immer nur werden

Anonymous ist so lebendig wie eh und je - auch fünf Jahre nach der ersten öffentlichkeitswirksamen Aktion. Das ursprünglich als Spaßaktion gestartete Kollektiv bleibt ein Phänomen.

Artikel von Stephan Humer veröffentlicht am
Anonymous-Aktivisten während einer Demo in Paris
Anonymous-Aktivisten während einer Demo in Paris (Bild: Dominique Faget/AFP/Getty Images)

Mehr als fünf Jahre nach der ersten spektakulären Aktion, dem Projekt Chanology aus dem Jahr 2008, ist Anonymous so präsent wie damals. Und das ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil solche Phänomene meist eine kurze Haltbarkeit haben. Es ist auch deshalb außergewöhnlich, weil hier kein klar umrissenes Projekt, keine eindeutige Aktivistengruppe und kein ins Scheinwerferlicht strebender Einzelner im digitalen Aufmerksamkeitswettbewerb besteht. Wie ist das möglich?

Anonymous braucht ein Label

Inhalt:
  1. Das Phänomen Anonymous: Niemals sein, immer nur werden
  2. Aus Prinzip launisch
  3. Un-Struktur macht es Gegnern schwer

Um das zu verstehen, muss die entscheidende Frage beantwortet werden: Wer oder was genau ist Anonymous eigentlich? Das zu definieren, ist gar nicht so einfach. Zwar könnte argumentiert werden, eine solche Definition sei auch gar nicht notwendig, schließlich gehe es Anonymous nicht um sich selbst, sondern um seine jeweiligen Aktionen mit Bezug auf die grundsätzlichen Fragen des digitalen Lebens wie Privatsphäre, Anonymität und Zensur. Doch das ist nicht ganz korrekt. Denn die Wirkung von Anonymous hängt auch davon ab, wie stark darüber in den Medien berichtet wird. Dazu muss Anonymous greifbar sein. Es braucht ein Label, um das Massenpublikum zu erreichen.

Aus der Extremismusforschung ist bekannt, dass Terrororganisationen gern anonyme Attentate für sich beanspruchen, die ihnen inhaltlich gelegen kommen, auch wenn sie gar nicht ihre Urheber oder Initiatoren sind. Nach diesem Mechanismus bestünde ohne die Marke auch für Anonymous stets die Gefahr, dass sich jemand anders eines (medial erfolgreichen) Defacements oder einer DDos-Attacke annähme und sein Label darauf klebte. Daher braucht es eine Mindestdefinition, die für jeden klar erkennbar sein muss.

Da zweifelsfrei mehrere Menschen hinter Anonymous stecken, handelt es sich zumindest um ein Kollektiv. Man kann an Legenden stricken, Strukturen verleugnen und ohne Repräsentanten auftreten, doch nimmt man die beiden Aspekte von "Label" und "Gruppe" zusammen, erhält man als kleinsten Nenner eine Gruppe von Personen, die gemeinsam handelt, unter einem bestimmten Label, welches einer bestimmten Idee entstammt.

Wie definiert man Anonymous?

Stellenmarkt
  1. Lidl Digital, Leingarten
  2. BRABENDER TECHNOLOGIE GMBH & CO. KG, Duisburg

Und so definiert auch die wohl bekannteste Anonymous-Forscherin Gabriella Coleman das Phänomen: als "Protest Ensemble", womit sie sowohl den inhaltlichen "Protest"- als auch den strukturellen "Ensemble"-Aspekt aufgreift.

Gewisse Parallelen zu Anonymous sind beispielsweise bei Indymedia zu erkennen, einem Netzwerk von Medienaktivisten und Journalisten, das sich als Teil des Graswurzel-Journalismus versteht: Es hält wie Anonymous die Handelnden, ihre Gesichter, Namen und Rollen innerhalb der Struktur im Hintergrund, hat jedoch ebenfalls ein klar erkennbares Label samt Logo.

Indymedia basiert zwar im Wesentlichen auf bestimmten Websites, doch auch die führten eine dynamische Existenz und waren nicht auf einen Online-/Offline-Zustand beschränkt. Sie wuchsen, teilten sich in andere Websites auf oder wurden abgeschaltet. Der wesentliche Unterschied liegt allerdings in der inhaltlichen Tatsache, dass Indymedia eine klar linksradikale Ausrichtung hat, während Anonymous, wie Coleman betont, mit den "Weapons of the Geek" eher gegen digitale Bürgerrechtseinschränkungen kämpft, jenseits von Ideologien und auf Basis einer gewachsenen Freiheitserfahrung im digitalen Raum.

Indymedia ist heute im Gegensatz zu Anonymous kaum mehr im Blickpunkt der klassischen Medien, so dass seine Meldungen hauptsächlich Menschen mit entsprechendem Szenebezug erreichen dürften.

Die Besonderheit von Anonymous, unvorhersehbar zu agieren, hängt maßgeblich damit zusammen, unvorhersehbar zu sein.

Aus Prinzip launisch 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 3,74€
  2. 179,00€
  3. (u. a. WD 8 TB externe Festplatte USB 3.0 149,99€)
  4. 177,00€

Dystopis 01. Okt 2014

Gestartet sind sie mit einem Ziel und einem Auftrag. Jetzt sind sie zwar bekannt &#8211...

dirk1405 30. Sep 2014

Was bei Facebook läuft ist so und so lächerlich. ICh habe vor einigen Monaten den...

gaym0r 29. Sep 2014

Tolle Quelle...

Crass Spektakel 27. Sep 2014

Mal ehrlich, hat jemand jemals auf Indymedia eine Meldung gelesen die nicht total Bala...

furanku1 25. Sep 2014

Der Artikel postuliert einfach gleich im ersten Satz Anonymous sei "so lebendig wie eh...


Folgen Sie uns
       


Huawei zu Spionagevorwürfen im Golem.de Interview

Der deutsche Pressesprecher von Huawei erklärt den Umgang mit Spionagevorwürfen.

Huawei zu Spionagevorwürfen im Golem.de Interview Video aufrufen
Galaxy S10e im Test: Samsungs kleines feines Top-Smartphone
Galaxy S10e im Test
Samsungs kleines feines Top-Smartphone

Mit dem Galaxy S10e bietet Samsung auch ein kompaktes Modell seiner neuen Oberklasse-Smartphone-Serie an. Beim Gerät gibt es zwar ein paar Abstriche bei der Hardware, es liegt aber fantastisch in der Hand und macht super Fotos - für uns der klare Geheimtipp der neuen Reihe.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Samsung Galaxy M20 kommt an drei Tagen nach Deutschland
  2. Smartphone Samsungs LPDDR4X-Speicher fasst 12 GByte
  3. Non-Volatile Memory Samsung liefert eMRAM aus

Geforce GTX 1660 im Test: Für 230 Euro eine faire Sache
Geforce GTX 1660 im Test
Für 230 Euro eine faire Sache

Die Geforce GTX 1660 - ohne Ti am Ende - rechnet so flott wie AMDs Radeon RX 590 und kostet in etwa das Gleiche. Der klare Vorteil der Nvidia-Grafikkarte ist die drastisch geringere Leistungsaufnahme.

  1. Nvidia Turing OBS unterstützt Encoder der Geforce RTX
  2. Geforce GTX 1660 Ti im Test Nvidia kann Turing auch günstig(er)
  3. Turing-Grafikkarten Nvidias Geforce 1660/1650 erscheint im März

Display-Technik: So funktionieren Micro-LEDs
Display-Technik
So funktionieren Micro-LEDs

Nach Flüssigkristallanzeigen (LCD) mit Hintergrundbeleuchtung und OLED-Bildschirmen sind Micro-LEDs der nächste Schritt: Apple arbeitet daran für Smartwatches und Samsung hat bereits einen Fernseher vorgestellt. Die Technik hat viele Vorteile, ist aber aufwendig in der Fertigung.
Von Mike Wobker

  1. AU Optronics Apple soll Wechsel von OLEDs zu Micro-LEDs vorbereiten

    •  /