Das Internet der Menschen: "Industrie 4.0 verbannt Menschen nicht aus Werkhallen"

Mittelständler können die Chancen der Digitalisierung nur dann nutzen, wenn ihre Beschäftigten mitziehen. Denn oft scheitern Innovationen nicht an der Technik, sondern am Faktor Mensch.

Artikel von Eva-Maria Hommel/Handelsblatt veröffentlicht am
Früher zählte die schnelle Hand, heute verändern sich die Produktionsprozesse.
Früher zählte die schnelle Hand, heute verändern sich die Produktionsprozesse. (Bild: Mike McKeown/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images)

Früher zählte die schnelle Hand: Wenn beim Automobilzulieferer Borg-Warner in Ludwigsburg einmal außergewöhnlich viele Glühkerzen geordert wurden, kam Kniffliges auf den Schichtführer zu: Er musste Arbeiter für Sonderschichten zusammentrommeln, es galt das Windhundprinzip. Wer sich als Erster meldete, wurde eingeteilt. Konflikte waren programmiert - es ging oft viel Zeit verloren.

Inhalt:
  1. Das Internet der Menschen: "Industrie 4.0 verbannt Menschen nicht aus Werkhallen"
  2. Die Führungskraft wird zum Dirigenten

Heute läuft die Kapazitätsplanung geschmeidiger - und bindet die Mitarbeiter flexibel ein: Der Produktionsverantwortliche vermerkt am Computer, welche Schichten frei sind, die 700 Mitarbeiter können sich mit ihren Smartphones eintragen - eine Art Schicht-Doodle. Wer schon viele Überstunden hat, wird seltener berücksichtigt, auch Qualifikation und rechtliche Regeln bezieht das System automatisch mit ein. "Durch verringerte Reaktionszeiten und ideale Auslastung entstehen keine überflüssigen Arbeitskosten", erklärt Produktionsleiter Michael Berner. Das zugrundeliegende System Kapaflexcy hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Universität Stuttgart entwickelt. Eine Erkenntnis: Der Mensch bleibt auch in der Smart Factory eine wichtige Entscheidungsinstanz.

Berufsbilder wandeln sich

Eine aktuelle Studie des IT-Branchenverbands https://www.bitkom.org/industrie40/ zeigt, dass zunehmend ein neuer Typus Mitarbeiter in den Werkhallen gefordert ist. "Industrie 4.0 verbannt den Menschen nicht aus den Werkhallen", sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger. "Allerdings wandeln sich die Berufsbilder. Der Umgang mit den neuen digitalen Technologien muss geübt werden, und es braucht in der Regel auch neue Mitarbeiter mit guten Fähigkeiten im Umgang mit Industrial IT." Befragt wurden 559 Produktionsleiter und Chefs von Industrieunternehmen. Nur 42 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass auch Geringqualifizierte in der Industrie 4.0 komplexe Aufgaben übernehmen können.

Oft scheitern Innovationen nicht an der Technik, sondern am Faktor Mensch. Und längst nicht alle Industrieführer stehen in den Startlöchern. Ein Drittel der Befragten gab an, sich zumindest noch nicht mit Industrie 4.0 zu beschäftigen, immerhin zwölf Prozent schlossen dies auch für die Zukunft aus.

Mitarbeiter werden flexibler

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Bei Borg-Warner waren viele Mitarbeiter erst einmal skeptisch, sagt Führungskraft Berner, aber: "Sie haben schnell die Erfahrung gemacht, dass vor allem sie von dieser Flexibilisierung profitieren." Sie könnten stärker selbst den Schichtplan mitbestimmen, das Verfahren sei transparenter und gerechter.

Geförderte Projekte können mittelgroßen Unternehmen eine Tür öffnen. Vielen fehle es nicht nur an Geld und Zeit, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, sondern schlicht an Orientierung, sagt Martin Haas, Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatung Staufen. "Industrie 4.0 ist ein weites Feld. Für einen Mittelständler ist es nicht einfach, da seinen Weg zu finden", sagt Haas. Man versuche, Entscheider an das Thema heranzuführen mit Best-Practice-Besuchen bei anderen Unternehmen, die schon weiter sind.

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Die Führungskraft wird zum Dirigenten 
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User_x 01. Mai 2016

na dann nehmen wir die hotelerie, wird auch nicht anders sein. man kann zwar an personal...

User_x 01. Mai 2016

hab doch irgendwann mal aufgeschnappt, dass die darpa oder zumindest das us militär für...

FreiGeistler 29. Apr 2016

Na schön, ersetze "IT News für Profis" mit "Golem.de".



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