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Das andere How-to: Deutsch lernen für Programmierer

Programmierer schlagen sich ständig mit der Syntax und Semantik von Programmiersprachen herum. Der US-Amerikaner Mike Stipicevic hat aus der Not eine Tugend gemacht und nutzt sein Wissen über obskure Grammatiken, um Deutsch zu lernen.

Artikel von Mike Stipicevic veröffentlicht am
Deutsch lernen: Man kann es klassisch mit Buch machen - oder wie Mike Stipicevic mit Python.
Deutsch lernen: Man kann es klassisch mit Buch machen - oder wie Mike Stipicevic mit Python. (Bild: AFP/Freier Fotograf/Getty Images)

Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch, und ich bin Programmierer. Programmierer müssen sich jeden Tag mit ungewöhnlicher Grammatik herumschlagen - warum also keinen Vorteil daraus ziehen? Also nutzte ich bekannte Konzepte, um mir fremde anzueignen. Oder anders gesagt: Ich habe mir Teile der deutschen Grammatik mit vertrauten Programmierkonzepten erschlossen.

Eingebaute Fehlerkorrektur: Substantive haben ein Geschlecht

Die wohl erste Schwierigkeit für Deutschlernende ist es, sich das Genus jedes Substantivs zu merken und wie er korrekt in einem Satz dekliniert wird. Die zugrunde liegende Grammatik ist zwar einheitlich, aber ein Umstand ist eine Herausforderung: Die Zuordnung des Genus eines Substantivs zum Geschlecht des jeweiligen Gegenstands ist oft unlogisch. Der Junge ist maskulin, das Mädchen hingegen ein Neutrum, die Männlichkeit ist feminin. Da hilft nur massives Auswendiglernen, um die korrekte Deklination anwenden zu können.

Es ist unmöglich, diesen Prozess zu vereinfachen oder das Wissen herzuleiten. Ich habe meinen Frieden mit dem Genus geschlossen, indem ich die ganze Sache als Vorwärtsfehlerkorrektur betrachte. Bei dieser Kodierungstechnik werden zusätzliche, redundante Informationen in eine Nachricht eingefügt. Gehen Teile der Nachricht verloren oder sind verrauscht, dann kann mit Hilfe dieser zusätzlichen Informationen die ursprüngliche Nachricht rekonstruiert werden, ohne dass der Absender um eine neue Übermittlung gebeten werden muss.

Wer jemals in schwierigen Fällen am Telefon Wörter statt Buchstaben zum Buchstabieren benutzt hat (T wie Theodor, P wie Paula, C wie Cäsar...), verwendet ebenfalls eine Vorwärtsfehlerkorrektur. Das funktioniert auf Basis einer (impliziten) Vereinbarung zwischen Sender und Empfänger: Ich sage ein Wort, das wir beide kennen, und der zu übertragende Buchstabe ist der erste Buchstabe dieses Wortes. Beide könnten sich auch auf eine formale Variante dieses Codes einigen, etwa das Nato-Alphabet. Wenn dieser Code benutzt wird und ich höre: "[krächz]-elta", kann ich vermuten, dass der Sender Delta meint. Die Regeln sehen vor, dass er nichts anderes gemeint haben kann, denn kein anderes Wort endet mit -elta.

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Computer benutzen aufwendigere, aber ähnliche Methoden, um Datenströme gegen Übertragungsfehler zu schützen. Diese dem Sender und Empfänger bekannten Regeln sind zum Beispiel Hamming-Matrizen, Reed-Solomon-Codes und Markow-Ketten.

Das Genus eines individuellen Substantivs und die Grammatikregeln zur Genus-Deklination von Artikeln und Adjektiven bilden jenes gemeinsame Regelwerk, das Sender und Empfänger kennen. Es mag nicht die Shannon-Grenze erreichen, trotzdem ist das deutsche Genus-System eine natürlich entstandene, überraschende Form der Vorwärtsfehlerkorrektur.

Das folgende Beispiel klingt künstlich, aber stellen wir uns den akustischen Unterschied zwischen den Wörtern Rat und Rad über eine schlechte Telefonverbindung vor. In einem Satz wie "Gib mir das Ra(d/t)" würde ein deutscher Hörer sofort das (Fahr-)Rad erkennen - einfach weil es richtig klingt, "das Rat(-schlag)" hingegen falsch. Das Gehirn nimmt solche Rekonstruktionen unbewusst ständig vor. Genus und Deklination fungieren als Paritätbits im Satz. "Klingt richtig" ist das Erkennen der Fehlerfreiheit nach einer Paritätsprüfung.

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Peter Brülls 15. Mai 2019

Nein, herunterladen ist der Standard, hochladen die Ausnahme. Schlechtes Beispiel, da...

gfa-g 12. Mai 2019

Nicht in den meisten, nur in romanischen Sprachen!

Toleg 10. Mai 2019

Es gibt shon Regel, von denen es wiederrum Ausnahmen gibt :) Beispiel: https://pp.userapi...

minnime 09. Mai 2019

Oh ja, mein Lieblingsbuch, kann jedem, naja, nicht jedem, nur wärmstens ans Herz legen.

schily 09. Mai 2019

und daher zu Mißverständnissen führen kann. Das ist, in Anbetracht der lustigen...


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