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Eine eigene semantische Welt: Präpositionen

2010 führte Randall Munroe in seinem Comic XKCD eine Umfrage durch, um herauszufinden, wie Menschen Farben benennen. Spätere, umfangreichere Analysen zu Farbbegriffen im amerikanischen Englisch und im Japanischen stammen von US-Wissenschaftlern der Ohio State University-Mansfield und der Tohoku-Universität in Japan (danke an Alice Boxhall für die Hinweise zu diesen wissenschaftlichen Arbeiten). Zu meiner Überraschung zeigt sich dort, dass im Japanischen Hellblau als eigenständige Grundfarbe bezeichnet wird, im Gegensatz zum englischsprachigen Raum.

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Das englische Wort "blue" umfasst aus japanischer Sicht sowohl Blau als auch Hellblau - das kann zu Missverständnissen führen. Genauso verhält es sich mit der Zuordnung von englischen zu deutschen Präpositionen und umgekehrt. Laut Pons kann "bei" die gleiche Funktion erfüllen wie die englischen Wörter "with", "for", "in", "to", "near", "by", "among" und "during". Der Python-Code

  1. with open('workfile') as f:
  2. for line in f:
  3. print(line)

würde in einer deutschen Pseudo-Übersetzung also zu:

  1. bei öffne('workfile') als f:
  2. bei zeile bei f:
  3. drucke(zeile)

Mit "auf" gibt es das gleiche Problem. Und es wird nicht dadurch einfacher, dass "auf" zu jenen Präpositionen gehört, die mit dem Kasus des zugehörigen Substantivs auch noch die Bedeutung ändern können.

Ich habe versucht, mir all die Übersetzungen der Präpositionen einzuprägen. Nur um dann bei der erstbesten Gelegenheit von "auf" wieder überrumpelt zu werden. Sowohl bei "The paper is on the table" als auch "We speak in Englisch" erfordert die deutsche Übersetzung das Wort "auf" für "on" und "in". Wo ist da der Zusammenhang? Das ergibt keinen Sinn!

Meine Empfehlung ist daher, den Sinn gar nicht erst zu suchen und sich gar nicht erst die Übersetzungen einprägen und ihren englischen Bedeutungen zuordnen zu wollen. "Um" ist nicht einfach das englische "around", es hat eine komplett eigenständige semantische Bedeutungsvielfalt und sollte auch so behandelt werden. Statt Übersetzungen und vermeintlich ähnliche Wörter für das Verständnis oder die Herleitung heranzuziehen, sollten die Präpositionen von Grund auf neu gelernt werden. Am besten zusammen mit den entsprechenden Verben und typischen Wendungen wie "[es liegt] auf der Hand".

Kwargs: Artikel werden dekliniert

Die Artikel zu deklinieren, hält ebenfalls einiges an Mühsal für den Anfänger bereit. Wie oben bereits gezeigt, ist das Genus eines Substantivs oft bereits eine Herausforderung. Die Deklinationsregeln zu lernen, braucht genauso viel Zeit. Die Artikeldeklination hat aber eine wichtige Bedeutung, denn dadurch ist die Satzstruktur im Deutschen nicht festlegt.

Die Reihenfolge der Wörter im englischen Satz "The man gives the ball to the dog" kann nicht verändert werden, ohne den Sinn zu verändern. "The ball gives the dog to the man" sagt etwas komplett anderes aus. Soll der Satz seinen Sinn behalten, müssen Wörter ergänzt oder die Zeichensetzung geändert werden: "To the dog, the man gives the ball." Aber schon das zusätzliche Komma verändert die Struktur ein wenig.

Im Deutschen hingegen sind zwar alle drei Substantive maskulin: der Mann, der Ball und der Hund. Doch je nachdem, ob das Wort als Subjekt (Nominativ), direktes Objekt (Akkusativ) oder indirektes Objekt (Dativ oder Genitiv) auftritt, verändert sich der Artikel. Die direkte Übersetzung des obigen Satzes lautet deshalb "Der Mann gibt dem Hund den Ball." Da das "der" jedes Mal dekliniert wird, ist die Satzstellung im Deutschen wesentlich freier darin, wo das Subjekt und die Objekte um das Verb herum platziert werden.

Einige Regeln schränken die Variationsmöglichkeiten ein, trotzdem bleiben drei Varianten übrig:

1. Der Mann gibt dem Hund den Ball.

2. Den Ball gibt der Mann dem Hund.

3. Dem Hund gibt der Mann den Ball.

Der Unterschied zwischen diesen Sätzen liegt allein in der Betonung, ihre inhaltliche Aussage und die Grammatik ist stets die gleiche.

In Python gibt es ein ähnliches Prinzip. Je nachdem, wie eine Funktion definiert wurde, müssen die Argumente für diese Funktion in einer festen Reihenfolge übergeben werden, oder über Schlüsselwörter. Grundsätzlich ist die Anzahl der übergebenen Argumente dabei nicht limitiert.

Argumente, die nicht in der Funktionsdeklaration aufgeführt wurden, können über die vordefinierten Variablen *args und **kwargs abgefragt werden. Praktisch ist dabei auch, dass beim Aufruf der Funktion und der Übergabe von Argumenten per Schlüsselwort die Reihenfolge in der Deklaration nicht eingehalten werden muss.

Damit können wir ein einfaches Programm schreiben, das den Unterschied zwischen der deutschen und englischen Grammatik demonstriert:

  1. def giver_pos(subject, direct_object, indirect_object):
  2. """Argumentstruktur analog zur englischen Satzstruktur"""
  3. print(f'The {subject} gives the {direct_object} to the {indirect_object}.')
  4.  
  5. def giver_kwargs(**kwargs):
  6. """Mögliche Argumentstruktur analog der deutsche Satzstrukturen"""
  7. subject = kwargs['subject']
  8. direct_object = kwargs['direct_object']
  9. indirect_object = kwargs['indirect_object']
  10. print(f'The {subject} gives the {direct_object} to the {indirect_object}.')
  11.  
  12. # Gibt dieselbe Aussage aus
  13. giver_pos('man', 'ball', 'dog')
  14. giver_kwargs(subject='man', direct_object='ball', indirect_object='dog')
  15. giver_kwargs(direct_object='ball', indirect_object='dog', subject='man')
  16. giver_kwargs(indirect_object='dog', subject='man', direct_object='ball')
  17. giver_kwargs(subject='man', indirect_object='dog', direct_object='ball')
  18.  
  19. # Ist nicht identisch zu obigem giver_pos()-Aufruf
  20. giver_pos('ball', 'man', 'dog')

Der Aufruf der giver pos()-Funktion ist schneller getippt, erfordert aber Wissen über die Argument-Reihenfolge. Die Funktion giver_kwargs() erfordert mehr Tipparbeit, ist zugleich aber auch flexibler und selbstdokumentierend. Die englische Grammatik bevorzugt eine einfache, feste Satzordnung und verliert dabei an Flexibilität. Die deutsche Grammatik leistet sich eine aufwendige Deklination, um einen flexiblen Satzbau zu ermöglichen.

 Context Manager: Trennende Verben ersetzen die AusnahmebehandlungDelay Slot: Das Verb steht immer an zweiter Stelle 
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Peter Brülls 15. Mai 2019

Nein, herunterladen ist der Standard, hochladen die Ausnahme. Schlechtes Beispiel, da...

gfa-g 12. Mai 2019

Nicht in den meisten, nur in romanischen Sprachen!

Toleg 10. Mai 2019

Es gibt shon Regel, von denen es wiederrum Ausnahmen gibt :) Beispiel: https://pp.userapi...

minnime 09. Mai 2019

Oh ja, mein Lieblingsbuch, kann jedem, naja, nicht jedem, nur wärmstens ans Herz legen.

schily 09. Mai 2019

und daher zu Mißverständnissen führen kann. Das ist, in Anbetracht der lustigen...


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