Darpa: Raketenflugzeug mit wenig Geld

Mit Hilfe des neuen Raketenflugzeugs XS-1 will das US-Militär 1,3 Tonnen schwere Satelliten für nur fünf Millionen US-Dollar in den Orbit bringen. Für die hoch gesteckten Ziele wird aber kaum Entwicklungsgeld zur Verfügung gestellt.

Artikel von veröffentlicht am
So soll das neue Weltraumflugzeug XS-1 von Darpa einmal aussehen.
So soll das neue Weltraumflugzeug XS-1 von Darpa einmal aussehen. (Bild: Darpa)

Mit dem Space Shuttle ist immer der Traum verbunden gewesen, wie mit einem Flugzeug jederzeit in den Orbit zu fliegen. Darpa, die Technologieagentur des US-Militärs, will den Traum nach Jahren wahr machen. Neben vielen Mitbewerbern hat jetzt Boeing den Auftrag bekommen, mit einem Budget von 140 Millionen US-Dollar das Weltraumflugzeug XS-1 zu entwickeln, das mithilfe einer kleinen Raketenstufe Satelliten in den Weltraum bringen soll. Jeder Flug soll nur fünf Millionen US-Dollar kosten. Ob dieses Ziel realistisch ist, darf in Frage gestellt werden.

Inhalt:
  1. Darpa: Raketenflugzeug mit wenig Geld
  2. So viel Entwicklungsarbeit und so wenig Geld

Denn schon die Bewertungskriterien zur Auswahl von Konstruktionsvorschlägen für das XS-1 sprechen Bände. "Cost Realism" und "Schedule Realism", also eine realistische Einschätzung von Kosten und Zeitplänen, spielten dabei explizit nur eine untergeordnete Rolle. Ausschlaggebend soll dagegen die technische und wissenschaftliche Entwicklung sein.

Das XS-1 ist schneller als die Falcon 9

Das Prinzip erinnert an die Rakete Falcon 9, deren erste Raketenstufe nicht in der Orbit gelangt, sondern wieder landet. Das XS-1 ist mit 3,4 Kilometer pro Sekunde zwar deutlich schneller als die erste Stufe der Falcon 9, die nur 2,3 Kilometer pro Sekunde erreicht, aber trotzdem nicht schnell genug, um einen Orbit zu erreichen. Eine herkömmliche Raketenstufe soll dann die bis zu 1350 Kilogramm schweren Satelliten in einen polaren Orbit bringen.

Das Testprogramm für das XS-1 ist in drei Phasen aufgeteilt. In der ersten Phase sollen zehn Flüge mit dem Triebwerk am Boden getestet werden, in der zweiten Phase soll es in zehn Tagen zehn Flüge mit nicht mehr als der halben Geschwindigkeit unternehmen und zum Startplatz zurückkehren. Erst in einer dritten Phase soll die volle Geschwindigkeit erreicht werden und später auch ein Satellit mit Hilfe einer zweiten Raketenstufe in einen Orbit gebracht werden.

Wegen der hohen Endgeschwindigkeit wird das XS-1 dann nicht wieder im Flug zur Startrampe zurückkehren und innerhalb von einem Tag wieder startklar sein können. Oberhalb der Atmosphäre können nur die Raketentriebwerke die Flugrichtung umkehren. Das bedeutet ohne extremen Leichtbau einen zu großen Treibstoffbedarf. Die Flügel helfen allerdings dabei, in der Wahl der Landeplätze flexibler zu sein, als es die Falcon 9 sein könnte.

Als Antrieb für das XS-1 soll wegen der hohen Treibstoffeffizienz und der hohen Endgeschwindigkeiten ein Wasserstoff-Raketentriebwerk zum Einsatz kommen. Das soll Aerojet-Rocketdyne liefern und die Bezeichung AR-22 tragen. Dieses AR-22 ist tatsächlich einfach nur eine ältere Version des RS-25-Space-Shuttle-Triebwerks. Zuletzt flog die Raumfähre mit der Version RS-25D. Die Firma hat aber noch übrig gebliebene Bauteile von älteren Triebwerken, aus denen die AR-22 zusammengebaut werden sollen.

Diese Triebwerke waren im Einsatz beim Space Shuttle zwar als wiederverwendbar, aber sehr wartungsanfällig bekannt. Nach jedem Flug mussten die drei Triebwerke ausgebaut, demontiert und inspiziert werden. Pro Shuttle Mission wurden dafür etwa 1500 Arbeitsstunden aufgewendet. Beim Einsatz in einem unbemannten Flugzeug lassen sich die Anforderungen an die Zuverlässigkeit zwar senken und auch der Schub könnte gesenkt werden, um die Abnutzung zu reduzieren. Es sind aber Zweifel angebracht, ob solche Maßnahmen ausreichen, um tägliche Flüge ohne größere Reparaturen mit einem derart komplexen Triebwerk zu erlauben.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
So viel Entwicklungsarbeit und so wenig Geld 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Star Wars
Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
Artikel
  1. Lohn und Gehalt: OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr
    Lohn und Gehalt
    OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr

    Die Firma hinter Chat-GPT zahlt im Vergleich zu Unternehmen wie Nvidia besonders gut. Erfahrene Forscher und Entwickler auf dem Gebiet sind Mangelware.

  2. Software-Probleme: Elektrischer Chevy Blazer mit Verkaufsstopp belegt
    Software-Probleme
    Elektrischer Chevy Blazer mit Verkaufsstopp belegt

    Chevrolet hat einen Verkaufsstopp für sein neues Elektro-SUV Blazer verhängt, weil die Besitzer zahlreiche Softwareprobleme gemeldet haben.

  3. USA: Vertikale Agri-Photovoltaik lässt weiterhin Feldnutzung zu
    USA
    Vertikale Agri-Photovoltaik lässt weiterhin Feldnutzung zu

    Das US-Solarunternehmen iSun und der deutschen Agrivoltaik-Firma Next2Sun bauen in den USA eine Solaranlage mit vertikal aufgestellten Solarmodulen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Crucial P5 Plus 2 TB mit Kühlkörper 114,99€ • Crucial Pro 32 GB DDR5-5600 79,99€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • Anthem PC 0,99€ • Wochenendknaller bei MediaMarkt • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /