Darknet: Grams - eine Suchmaschine für Drogen

Sie sieht aus wie Google und funktioniert auch genau so: Grams ist die bisher nützlichste Suchmaschine fürs Tor-Netz, durchsucht aber leider nur Märkte für Drogen und Waffen.

Artikel von Patrick Beuth/Zeit Online veröffentlicht am
Screenshot der Suchmaschine Grams
Screenshot der Suchmaschine Grams (Bild: Screemshot: Golem.de/Grams)

Es gibt eine neue Suchmaschine, die aussieht wie Google und für Menschen gemacht wurde, die Drogen, abgefischte Kreditkartendaten oder Waffen kaufen wollen. Diese Suchmaschine heißt Grams, ist nur im Tor-Netzwerk erreichbar, und ihr Betreiber will verständlicherweise anonym bleiben.

Inhalt:
  1. Darknet: Grams - eine Suchmaschine für Drogen
  2. Grams-Entwickler will mit Anzeigen Geld verdienen

Das Tor-Netzwerk - umgangssprachlich (nicht ganz korrekt) auch Darknet oder Deep Web genannt - ist ein Bereich des Internets, der schwer zu überblicken ist und in dem es vor obskuren Angeboten nur so wimmelt. Neben Drogen und Waffen werden dort auch Pornos, Hackerdienste und Auftragsmorde angeboten. Was davon ernst gemeint, was eine Falle oder ein Witz ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht feststellen.

Die Suchmaschine Grams soll in diesem Umfeld die "vertrauenswürdigen" Angebote heraussuchen. Vertrauenswürdig in dem Sinne, dass Käufer bekommen, wofür sie bezahlen. Während es dabei häufig um illegale Waren gehen dürfte, verdeutlicht die Suchmaschine ein grundsätzliches Problem des Tor-Netzwerks: Für diejenigen, die nicht genau wissen, wo sie was finden, ist es mehr oder weniger unbenutzbar.

Das ist schade, denn neben Schwarzmärkten bietet es auch einen kaum zensierbaren, sicheren Raum für Blogger, Whistleblower und alle anderen, die sich anonym im Netz informieren oder austauschen wollen. Eine gute Suchmaschine, die bei der Orientierung hilft, wäre deshalb ein echter Gewinn für das Netzwerk.

Schutzraum für Whistleblower

Um das Netzwerk überhaupt erreichen zu können, brauchen Nutzer die Anonymisierungssoftware Tor. Sie hilft, die eigene Identität im Netz zu verschleiern, und zum Beispiel Zensurmaßnahmen im Internet zu umgehen. Das Tor-Netzwerk wiederum besteht zu großen Teilen aus Websites mit kryptischen Adressen wie http://3g2upl4pq6kufc4m.onion, deren Betreiber nicht erkannt oder nicht lokalisiert werden wollen. Hidden Services werden solche Seiten genannt. Das können Blogs von Dissidenten sein, sichere Briefkästen von investigativen Reportern - oder eben Märkte für illegale Waren und Dienstleistungen.

Der einfachste Weg ins Tor-Netzwerk ist die Installation des Tor-Browser-Bundles. Das Bündel besteht aus einem speziellen Firefox-Browser und der Tor-Software. Die verschiedenen Versionen für Windows, Mac und Linux sowie die Installationsanleitungen stellt das Tor-Projekt bereit.

Danach ist jeder Nutzer auf sich allein gestellt. Zwar gibt es mit dem Hidden Wiki eine vergleichsweise bekannte erste Anlaufstelle. Aber die Links im Hidden Wiki sind mitunter mehrere Jahre alt, und ob sie auf vertrauenswürdige oder wenigstens ungefährliche Seite führen, können Nutzer nicht erkennen.

Wer sich abseits vom Hidden Wiki einen Eindruck vom Angebot im Tor-Netzwerk verschaffen will, muss im offenen Internet nach Linklisten suchen und diese dann durchprobieren.

Eine bessere Idee haben selbst die Macher von Tor nicht. Andrew Lewman, Direktor des Projekts, verweist auf Anfrage nur darauf, dass man keine Kontrolle über die Hidden Services habe. Anders gesagt: Das Tor-Projekt entwickelt die Technik und ist sich bewusst, dass diese für edle und weniger edle Zwecke genutzt werden kann. Ob und wie sich die Nutzer im Netzwerk zurechtfinden, ist nicht das Problem der Entwickler.

Moritz Bartl, ein Unterstützer des Tor-Projekts, sagt: "Gewissermaßen ist das Tor-Netz intern so, wie das Internet in den frühen Neunzigern war: Die vergleichsweise langsame Geschwindigkeit führt zu eher inhaltsbetonten, wenig grafisch aufwendigen Websites, und eine große Suchmaschine gibt es noch nicht."

Bisherige Darknet-Suchmaschinen taugen nichts

Immerhin verlinkt das Hidden Wiki auf mehrere sehr schlichte Suchmaschinen. Sie heißen Torch, Torsearch, Torfind oder Darkpit, aber keine von ihnen ist zum Beispiel in der Lage, den sicheren Briefkasten für Whistleblower zu finden, den das spendenfinanzierte Recherchebüro Propublica im Tor-Netzwerk eingerichtet hat. Sie spucken reine Textlinks ohne erkennbare Gewichtung aus, häufig wird nicht einmal klar, was hinter den Links eigentlich steckt.

Grams, erreichbar unter http://grams7enufi7jmdl.onion/, ist da benutzbarer. Allerdings ist es eine reine Produktsuche. Wer dort nach Drogen, Zubehör oder anderen Dingen sucht, erhält eine Linkliste, die nach Relevanz sortiert ist und auf Wunsch die günstigsten, teuersten oder die neuesten Angebote zuerst auflistet. Angezeigt werden zudem der (Deck-)Name des Verkäufers und sein Standort sowie ein Textsnippet, in dem erste Informationen zum Angebot erkennbar werden. Das sieht ein wenig wie bei Google oder anderen Suchmaschinen im Clearnet aus und ist deutlich hilfreicher als die reinen Textlinks.

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Grams-Entwickler will mit Anzeigen Geld verdienen 
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ploedman 28. Apr 2014

+1

Bouncy 28. Apr 2014

Die neue Welt? Wann genau hast du den Freiheitsbegriff kennengelernt, wenn du bisher...

horotab 25. Apr 2014

Also die allermeisten Hack-Angriffe werden durch die Industrie und durch Staaten...

ichbinhierzumfl... 25. Apr 2014

hey brain! wer redet hier von heroin vom staat? ...



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