Dark Mode: Wann Schwarz-Weiß-Denken weiterhilft

Viele Nutzer und auch Apple versprechen sich vom Dark Mode eine augenschonendere Darstellung von Bildinhalten. Doch die Funktion bringt andere Vorteile als viele denken - und sogar Nachteile, die bereits bekannte Probleme bei der Arbeit am Bildschirm noch verstärken.

Artikel von Mike Wobker veröffentlicht am
Nicht nur Apple setzt auf den Dark Mode - auch die Youtube-App unter Android unterstützt eine dunkle Darstellung
Nicht nur Apple setzt auf den Dark Mode - auch die Youtube-App unter Android unterstützt eine dunkle Darstellung (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Vor der massenhaften Verbreitung von anwenderfreundlichen Betriebssystemen mit Mauszeigernavigation und gezeichneten Fenstern mussten Anwender mit sehr tristen Eingabefenstern leben. Ein C64 zeigt graue Schrift auf blauem Grund, MS-DOS konnte weiße Schrift auf schwarzem Grund darstellen und der in Deutschland unter dem Namen Schneider CPC bekannte Amstrad war mit seiner grünen Schrift sicherlich auch kein Augenschmaus.

Inhalt:
  1. Dark Mode: Wann Schwarz-Weiß-Denken weiterhilft
  2. Brauchen wir weniger blaues Licht?

Apple hat auf der Entwicklerkonferenz WWDC die neuen Funktionen seines Betriebssystems iOS 13 vorgestellt, darunter einen systemweiten Dark Mode, der mit weißer Schrift auf schwarzem Grund eine augenschonendere Darstellung verspricht. Angeblich haben sich viele Nutzer genau diese Funktion gewünscht. Doch warum sollten Anwender nun auf die von Büchern und Zeitungen gewohnte schwarze Schrift auf weißem Grund verzichten, nachdem genau diese Art der Darstellung über Jahrzehnte forciert wurde?

Die Antwort findet sich in der Art und Weise, wie Inhalte auf modernen Geräten konsumiert werden. Anders als von einem Buch werden sie von einem Bildschirm aktiv beleuchtet. Grundsätzlich empfiehlt beispielsweise das Deutsche Grüne Kreuz, ein Verein zur Gesundheitsvorsorge, bei der Nutzung von Bildschirmen hohe Kontrastwerte und den Verzicht auf grelle Farben.

Bildinhalte mit einer reinen Schwarz-/Weiß-Darstellung kann das menschliche Auge am besten wahrnehmen, wohingegen farbiges Licht eine höhere Anstrengung erfordert. Dies sagt zunächst noch nichts über die Verteilung von hell zu dunkel oder dunkel zu hell auf dem Monitor aus. Hier hilft die Funktionsweise des Auges weiter.

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Vereinfacht betrachtet, dringt das von einem Objekt reflektierte Licht durch die Binde- und Hornhaut, fällt anschließend durch die vordere Augenkammer und die Pupille auf die Augenlinse und wird von dort gebündelt an die Netzhaut weitergeleitet. Hier sorgen die Stäbchen für die Unterscheidung von hell und dunkel und die Zapfen erkennen Farben und Schärfe.

Der Dark Mode ist nichts für den Alltag

Bei Tageslicht beziehungsweise ausreichender Helligkeit sind die Zapfen am aktivsten und die Pupille ist am kleinsten. Dadurch wird das einfallende Licht stark gebündelt und Objekte sowie deren Farben scharf abgebildet. Bei Dunkelheit kehrt sich dieser Mechanismus um. Die Pupille ist stark geweitet, um einen möglichst großen Lichteinfall zu ermöglichen und die Stäbchen sorgen für die Unterscheidung von hellen und dunklen Objekten. Farben lassen sich somit kaum noch erkennen und auch das scharfe Sehen ist deutlich schwerer.

In Bezug auf Bildschirme lässt sich daher feststellen, dass dunkle Objekte auf einem hellen Hintergrund schärfer wahrgenommen werden und auch Farben besser zu erkennen sind. Hierbei wird eine Überanstrengung der Augen vermieden, wenn die Helligkeit des Monitors an das Umgebungslicht angepasst wird. Kehren wir die Darstellung von schwarzen und weißen Bildinhalten um, muss sich das Auge ebenfalls an die neuen Verhältnisse anpassen. Dieser Vorgang wird als Dunkeladaption bezeichnet und dauert bei einem gesunden Auge circa 25 Minuten.

Da sich dieses nun stark mit der Erfassung von kleinen hellen Objekten beschäftigen muss, wird die Wahrnehmung von Farben vernachlässigt und Motive erscheinen unscharf. Bei Tageslicht laufen hier also zwei Funktionen entgegen. Die Pupille zieht sich durch das helle Umgebungslicht zusammen, gleichzeitig benötigen die Stäbchen aber einen höheren Lichteinfall.

Der Dark Mode eignet sich daher eher für dunkle Umgebungen, in denen Nutzer ihren Bildschirm ohnehin mit einer niedrigen Helligkeit betreiben sollten. Da die Augen hierbei durch das fehlende Umgebungslicht bereits auf die Wahrnehmung von hell und dunkel eingestellt sind, werden Nutzer nicht von einem weißen Bildschirm geblendet. Für eine alltägliche Nutzung ist das dunkle Schema aber eher ungeeignet.

Deshalb weist Apple auch dezent darauf hin, dass der Dark Mode nur in Situationen mit wenig Licht angewendet werden sollte und implementiert eine Funktion, die den Dark Mode automatisch aktiviert, wenn das Umgebungslicht auf den Sonnenuntergang beziehungsweise Dunkelheit schließen lässt. Im allgemeinen Marketing-Hype wird diese Information gerne vernachlässigt und der Dark Mode als ganz neue Nutzungserfahrung angepriesen.

Viele Anwender versprechen sich außerdem eine Reduktion von blauem Licht bei der Darstellung von Bildinhalten durch den Dark Mode. Aber ist das sinnvoll?

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Brauchen wir weniger blaues Licht? 
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eechauch 28. Jun 2019

Das ist aber jetzt auch eher eine Designfrage als alles andere, die meisten Leuten finden...

TheYummy 24. Jun 2019

So ein Wechsel von SAP auf ein anderes ERP fühlt sich bestimmt ähnlich an wie von der...

disciple.of.zen 22. Jun 2019

...es ist doch so einfach: Der Kunde will das haben. Jedesmal wieder diese...

mtness 20. Jun 2019

Und jetzt soll mir das als absolute Neuheit angepriesen werden? Na wie auch immer.

flasherle 19. Jun 2019

ja wenn man manchmal nicht zu ende liest. *shame on me*



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