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Dark Matter von Blake Crouch: Sein ganz persönliches Multiversum

Das Multiversum mal anders: In Dark Matter wird es auf das Leben eines Menschen heruntergebrochen. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr erhellend.
/ Peter Osteried
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Joel Edgerton und Jennifer Connelly spielen unterschiedliche Versionen ihrer Figuren in Dark Matter (Bild: Apple TV+)
Joel Edgerton und Jennifer Connelly spielen unterschiedliche Versionen ihrer Figuren in Dark Matter Bild: Apple TV+

Große Sci-Fi, mit Stars besetzt, aufwendig umgesetzt und mit einer Geschichte, die zum Nachdenken anregt: Dark Matter reiht sich in die Riege von Top-Genre-Serien bei Apple TV+, wie For All Mankind , Silo , Foundation , Infiltration und Constellation ein. Die Serie startet am 8. Mai.

Alles beginnt mit einem ganz normalen Leben, dem von Jason Dessen, der als Physiker eine blendende Karriere vor sich hatte, sich aber dafür entschied, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen und nun als Lehrer unterrichtet. Dann trifft er einen alten Freund, der ihm ein herausfordernderes Arbeitsleben anbietet.

Er wird von einem Maskierten entführt und unter Drogen gesetzt. Als er wieder aufwacht, ist alles anders. Er ist nicht mehr verheiratet und hat keinen Sohn mehr, stattdessen ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann, der aus seinem Talent für Physik viel gemacht hat.

Jason versteht nicht, wie das sein kann, bis er herausfindet, dass sein anderes Ich einen Weg gefunden hat, im Multiversum den Platz mit einer weiteren Version seiner selbst zu wechseln. Aber warum? Und schafft es Jason, der sich fragt, was sein anderes Ich in seinem Leben treibt, in diese Welt zurückzukehren?

Eigentlich sollte aus Dark Matter ein Film werden. Schriftsteller Blake Crouch(öffnet im neuen Fenster) schrieb im Jahr 2020 ein Drehbuch für Sony Pictures. Als es dort nicht voranging, machte das Projekt eine Transformation durch: Aus dem Film wurde eine Serie, was der Geschichte zugutekommt. Denn mit neun Folgen wird der Story mehr Raum zur Entfaltung gewährt.

Crouchs Roman stammt aus dem Jahr 2016. Damals war das Multiversum als Konzept noch nicht in aller Munde, inzwischen haben Marvel und DC in ihren Filmen und Serien aber kräftig mit den Ideen paralleler Entwicklungen gespielt. Auch abseits der beiden Großen gab es faszinierende Versuche, das Multiversum zu ergründen. Die Serie liegt damit im Trend und könnte die Actionfilme mit den Superhelden übertrumpfen, weil die Geschichte intimer ist.

Hochkarätig besetztes Ensemble

Bei Apple TV+ lässt man sich die Serien etwas kosten. Über die genaue Höhe des Budgets ließ der Streamer bisher nichts verlauten, aber die Besetzung ist erstklassig.

In den Hauptrollen agieren Joel Edgerton als Jason und Jennifer Connelly als seine Frau Daniela. Außerdem sind Jimmi Simpson, der eine der besten Rollen in der Fernsehserie Westworld innehatte, und Alice Braga dabei, die unter anderem in Repo Men, Predators und The Suicide Squad spielte.

Komplex erzählt und wissenschaftlich akkurat

Edgerton sagte dem Magazin Streaming Serien Highlights(öffnet im neuen Fenster) über seine Rolle und ihre Herausforderungen: " Es war schon ein sehr anstrengender Dreh, da ich täglich zwischen den Charakteren von Jason-1 und Jason-2 hin und her springen musste. Wir drehten alles mit mir als Jason-1, dann wechselte ich, und wir drehten alles noch mal mit Jason-2. Natürlich musste ich mit einem Double proben und der Person erklären, in welchem Tempo ich als Jason-1 agiere und in welchem ich als Jason-2 auftrete. Das lief so lange gut, bis es um körperlich anstrengende Szenen ging. Dann mussten wir proben, bis die Szene richtig saß. "

Mit Edgerton und Connelly sind zwei Schauspieler dabei, die man eher im Kino antrifft. Inzwischen sind die Grenzen zwar fließend, gerade bei Apple TV+ fällt aber auf, dass häufig auf Hauptdarsteller gesetzt wird, die vor allem mit Filmen assoziiert werden. Unterbewusst soll das beim Publikum wohl das Gefühl auslösen, einen Film zu sehen - was die Miniserien von Apple TV+ im Grunde auch sind, wenn man akzeptiert, dass ein Film dann eine Laufzeit von sechs bis acht Stunden hat.

Der Autor schreibt selbst

Crouch ist der Showrunner, er schrieb zudem die ersten vier Folgen selbst und bestimmte damit, wie die Figuren und die Geschichte sich entwickeln. Bei seinen Romanen, aber auch der Serie ist es Crouch wichtig, wissenschaftlich akkurat zu sein, was immer eine Herausforderung ist, da er die Hilfe von Experten benötigt. Die ersten Folgen wurden von Jakob Verbruggen inszeniert, der für Apple auch an Infiltration arbeitete.

Dark Matter wurde vom 4. Oktober 2022 bis zum April 2023 gedreht - danach folgte eine langwierige Postproduktion. Schon anhand dieser Daten merkt man, dass Serien in Hinblick auf Budget, Drehzeit, aber auch Nachproduktion mittlerweile so aufwendig wie große Filme sind. Der Aufwand lohnt aber auch.

Dark Matter, das im Deutschen analog zum Roman den Untertitel Der Zeitläufer hat, ist eine komplexe Geschichte, die sich mit dem großen Thema des Menschseins beschäftigt, der Frage nach den Entscheidungen, die jeder tagtäglich trifft - den großen und den kleinen.

Das zeigt sich besonders an der Hauptfigur: Jason-1 ist ein Lehrer und führt ein normales Leben, Jason-2 ist extrem erfolgreich, aber einsam. Der entscheidende Moment in beider Leben war, als Daniela schwanger wurde. Ein Jason entschied sich für die Familie, der andere für die Arbeit. Anhand beider Figuren untersucht Crouch die Konsequenzen, die mit den Entscheidungen eines Lebens einhergehen.

Das ist der eine Aspekt, der Dark Matter nicht nur unterhaltsam, sondern auch anregend macht. Der andere ist, dass die Serie über ein starkes Mystery-Element verfügt. Denn was trieb Jason-2 dazu an, den Platz mit Jason-1 zu wechseln? Und was wissen die Vertrauten von Jason-2, das Jason-1 unklar ist?

Sehr schön gestaltet ist der erzählerische Wechsel. Er geht immer mit einem einprägsamen Geräusch einher, das wie ein Alarm funktioniert und die Zuschauer darauf vorbereitet, dass nun aus dem Leben des jeweils anderen Jason erzählt wird.

Dark Matter ist kluge Science-Fiction, die nicht nur durch ihre spannende Erzählweise punktet, sondern auch, weil man sich instinktiv fragt, welche großen Entscheidungen im eigenen Leben es in eine andere Richtung gelenkt haben - und wie das eigene alternative Leben aussehen könnte.


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