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Dank Geothermie: Ausbau erneuerbarer Energie durch Erdwärme begrenzbar

Mit stabiler Grundlast ließe sich ein Drittel der Stromspeicher einsparen. Insgesamt könnten die Energiekosten um 60 Prozent sinken, konservativ gerechnet.
/ Mario Petzold
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Neue Bohrtechniken sollen zur Verbreitung von Geothermiekraftwerken beitragen, wie hier in Utah, USA. (Bild: Fervo Energy)
Neue Bohrtechniken sollen zur Verbreitung von Geothermiekraftwerken beitragen, wie hier in Utah, USA. Bild: Fervo Energy

Eine Studie der Stanford University(öffnet im neuen Fenster) , Kalifornien, USA, hat die Auswirkungen neuer technischer Entwicklungen im Bereich der Geothermie genutzt, um ein globales Energiesystem ohne fossile Energieträger durchzurechnen. Der große Vorteil bei der Stromerzeugung via Erdwärme wäre die Grundlastfähigkeit, wodurch bereits ein Anteil von 10 Prozent an der gesamten Energieproduktion große Effekte hätte.

Es handelt sich nicht um die derzeit oftmals im Bereich heißer Quellen und vulkanisch aktiver Gegenden erfolgende Nutzung der Erdwärme, sondern um die sogenannte erweiterte Geothermie oder Tiefengeothermie, die auch hierzulande erforscht wird. Dabei werden Bohrungen bis in eine Tiefe von 8 km getrieben. Die technischen Grundlagen schuf die Erdgas- und Erdölindustrie.

Gebaut wird ein solches Kraftwerk beispielsweise gerade in Utah(öffnet im neuen Fenster) , USA. Es soll noch 2026 den ersten Strom produzieren und eine Leistung von 2 Gigawatt erreichen, was einem großen Kohlekraftwerk entspricht.

Geringerer Aufwand, weniger Landbedarf

Solche Geothermiekraftwerke könnten so gut wie überall in Betrieb genommen werden, weil in dieser Tiefe immer rund 200 °C herrschen, teils deutlich mehr. Laut dem Forschungsteam, dessen Studie in Cell Reports Sustainability(öffnet im neuen Fenster) erschienen ist, würde ein zehnprozentiger Anteil der Geothermie an der Energieversorgung ausreichen, um fast ein Drittel weniger Stromspeicher in Form von Akkumulatoren zu benötigen.

Bei der Windkraft ließen sich dadurch 15 Prozent an Leistung einsparen, bei der Photovoltaik 12 Prozent. Hinzu käme, dass der globale Flächenbedarf für die Energieerzeugung um 20 Prozent geringer ausfallen würde. Das wäre vor allem in dicht besiedelten Regionen entscheidend, denn insgesamt läge der Landverbrauch auch ohne Geothermie bei 0,57 Prozent.

Energiekosten wenig überraschend deutlich niedriger

Bei einer Umstellung komplett auf erneuerbare Energiequellen erwartet das Forschungsteam, dass die Energiekosten gegenüber dem aktuellen Stand um 60 Prozent sinken. Für Europa sollen es sogar 64 Prozent sein.

Überraschend ist das nicht: Heizen mit einer Wärmepumpe ist grob überschlagen halb so teuer wie mit Öl oder Gas. Ähnlich sieht es bei der individuellen Mobilität aus: Laut ADAC(öffnet im neuen Fenster) ist aktuell ein Elektroauto inklusive Anschaffungspreis der günstigste Pkw, gerechnet auf die gefahrenen Kilometer.

Allerdings handelt es sich dabei um einen konservativen Rechenansatz. Die Forschungsgruppe hat außerdem weitere Faktoren eingerechnet, die den fortschreitenden Klimawandel inklusive gesundheitlicher Risiken und Schäden durch extreme Wetterereignisse und steigenden Meeresspiegel abbilden. Dann lägen die Energiekosten inklusive versteckter Ausgaben 90 Prozent unter den Energiekosten bei gleichbleibendem fossilen Anteil.


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