Dance Pedelec Abo: Das E-Bike für 80 Euro (im Monat)
Ein E-Bike-Abo für 60 Euro im Monat: Mit diesem ambitionierten Ziel ist das Startup Dance im Juli 2020 angetreten. Das hat nicht ganz geklappt, der Preis wurde noch vor Beginn der ersten Abos auf 80 Euro erhöht. Trotzdem fanden wir ein Miet-Pedelec mit Rundumservice attraktiv und ließen uns inkognito auf die Vorbestellerliste schreiben.
Am 14. September war es dann so weit: Wir bekamen eine Mail, in der wir gebeten wurden, die Dance-App zu installieren. Die Lieferung des Dance One(öffnet im neuen Fenster) genannten Rades wurde uns für die kommenden 48 Stunden in Aussicht gestellt.
Das klappte reibungslos, die App zeigte uns sogar exakt, wo sich der Fahrer befand. So begrüßten wir ihn vor unserem Bürohaus, nachdem er mit seinem elektrisch angetriebenen Lieferwagen auf den Hof gefahren war. Zu unserem Erstaunen forderte er keinerlei Identitätsnachweis, sondern stellte das Rad vor uns auf den Gehweg und gab uns eine sehr freundliche und ausführliche Einweisung.
Dabei stellten wir fest, dass der Akku offenbar defekt war, weil er sich nicht mit dem Rad verbinden ließ, obwohl er vollen Ladestand anzeigte. Wir bekamen einen neuen Akku und fanden gleich das nächste Problem. Das Bluetooth-Schloss verweigerte den Dienst. Es wird mit dem Telefon gekoppelt und sollte eigentlich zwei Funktionen erfüllen: als "Handschellenschloss" das Hinterrad sperren und mit einem mitgelieferten robusten und stoffummantelten Kabel an einem Fahrradständer befestigt werden. Gleichzeitig dient es als GPS-Tracker, wenn das Rad für eine Wartung oder bei Diebstahl vom Anbieter geortet werden soll.

Leider bewegte sich der motorisierte Sperrmechanismus nur einige Zentimeter weit, bevor er sich laut piepend wieder in die Ausgangsposition zurückbegab.
Wir überzeugten den Dance-Mitarbeiter, uns das Rad trotzdem zu geben – das erschien uns schließlich als guter Grund, den sogenannten Concierge-Service auszuprobieren. Wir versprachen, das Rad nicht unangeschlossen stehen zu lassen, was auch den Verlust der Versicherung zur Folge gehabt hätte, aber dazu später mehr. Erst mal schwangen wir uns auf unser nagelneues Dance One.
Schade, dass man das Dance One nicht kaufen kann
Die Besonderheit des Dance-Abos besteht darin, dass das gemietete Rad eine Eigenentwicklung ist. Auch andere Anbieter haben Miet-Pedelecs im Programm – dabei handelt es sich aber meist um normale E-Bikes bekannter Hersteller. Vergleichbar ist höchstens Swapfiets(öffnet im neuen Fenster) , dessen Räder allerdings gegen das Dance One eher altmodisch wirken.
So ist der Akku beim Dance One komplett im Rahmen integriert, ein flüchtiger Blick verrät nicht, dass es sich um ein Pedelec handelt. Tritt man jedoch in die Pedale, dann schiebt der Motor in der Hinterradnabe kräftig. Dabei ist das Fahrverhalten nicht so fein abgestimmt wie beim Cowboy 3 , auch wenn wie bei diesem eine Gangschaltung fehlt und der Antrieb über einen Riemen läuft. Bei den genauen Spezifikationen hält sich der Hersteller leider bedeckt.
Trotzdem fährt sich das Dance One hervorragend und ist sehr gut für den Stadtverkehr mit häufigen Ampelstopps gerüstet. Wer noch schneller starten möchte oder mehr Schub am Berg benötigt, kann den Boost-Modus mit der sehr einfach gehaltenen Fernbedienung am Lenker aktivieren. Der Boost-Modus greift nicht ganz so stark wie beim Vanmoof , aber für die Handvoll Berliner Hügel ist er mehr als ausreichend.
Die Akkulaufzeit ist ebenfalls eher auf den urbanen Raum ausgerichtet: 55 Kilometer gibt der Hersteller für das Rad an, wir schafften bei normalen Temperaturen, leichtem Gegenwind und gerader Strecke eher 60, trotz gelegentlicher Boost-Unterstützung. Wir bemerkten positiv, dass auch bei leerem Akku das Licht weiterhin funktioniert. Eine Federung gibt es nicht, aber die dicke Bereifung schluckte das Berliner Kopfsteinpflaster erstaunlich souverän. Was wir ebenfalls mochten: Sowohl Gepäckträger als auch Fahrradständer des Dance One sind sehr robust und belastbar.
Mit knapp über 20 Kilogramm Gewicht ist das Pedelec noch gut tragbar, aber der Akku muss zum Laden ohnehin aus dem Rad genommen werden. Da das Dance-Abo eine Diebstahlversicherung beinhaltet, kann das E-Bike guten Gewissens einfach vor dem Haus angeschlossen werden.
Wie bereits erwähnt, funktionierte unser Schloss allerdings nicht. In diesem Fall – und wenn das Dance-Schloss nicht mit beiden Komponenten angeschlossen wurde – greift die Versicherung nicht und es sind 1.000 Euro Selbstbehalt fällig.
Der Concierge überzeugte
Um das zu verhindern, nahmen wir also den sogenannten Concierge-Service in Anspruch. Die Idee ist, dass das Rad einfach irgendwo in der Stadt im Geschäftsgebiet von Dance abgestellt werden kann und vor Ort innerhalb eines Tages repariert wird. Dazu muss es in der App mit dem Bluetooth-Schloss gesichert werden.
Da das bei uns nicht möglich war, meldete sich Dance per Mail und wir machten einen Übergabetermin für ein neues Rad aus. Das wurde anstandslos und sehr schnell geliefert. Beide Dance-Mitarbeiter, mit denen wir Kontakt hatten, waren sehr nett und konnten uns alle Details des Rades und des Dienstes gut erklären. Sie nahmen sich genügend Zeit, um uns auch eine Probefahrt zu ermöglichen.
Obwohl unser neues Dance One nun mit einem funktionierenden Schloss versehen war, fanden wir die Sperrung per Smartphone noch verbesserungsbedürftig.
Am Schloss wird noch gearbeitet
Meist brauchten wir zwei Anläufe, bis das Rad in der App auftauchte. Ab und zu verweigerte der Mechanismus den Dienst, obwohl sich keine Speichen vor dem Schließbügel befanden. Sollte das Smartphone mal nicht in der Nähe sein oder sein Akku alle, kann das Rad auch über einen selbst festgelegten Tasten-Farbcode am Schloss gesperrt und geöffnet werden. In Bewegung lässt sich das Schloss übrigens nicht aktivieren. Die App bietet außer der Schloss-Steuerung und dem Kontakt zum Kundenservice eine Ortungsfunktion für das Dance One und einen Tachometer.
Schweren Herzens mussten wir uns nach drei Wochen vom Dance One trennen und wir kündigten unser Abo. Wir wurden in der App aufgefordert, Pedelec samt Ladegerät und Schlüsseln für den Akku pünktlich zum Monatsende einfach an einem öffentlich zugänglichen Platz abzustellen. Ein Foto des angeschlossenen Rades muss in der App hochgeladen und der Standort bestätigt werden – fertig.
Dance steht erst am Anfang
Nach Angaben von Dance befinden sich derzeit mehrere Hundert Räder auf den Berliner Straßen, es sollen mehrere Tausend werden. Das Unternehmen sammelt Feedback aus der Nutzerschaft, um den Dienst anzupassen, und so sind auch Updates der App und der Software des Pedelec geplant. Die Ausweitung des Dienstes auf Hamburg ist anscheinend geplant, da Dance dort bereits Personal anwirbt(öffnet im neuen Fenster) .
Dance One: Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Das Dance One kann zu unserem Bedauern nicht gekauft werden – aber es ist derzeit in Berlin für 80 Euro monatlich abonnierbar(öffnet im neuen Fenster) . Da sich Dance noch im Aufbau befindet, ist ein Eintrag auf der Warteliste erforderlich, für das Abo entscheidet man sich aber erst nach einer Benachrichtigung per Mail.
Fazit
Das Dance One ist sicherlich nicht die preiswerteste Variante für ein Fahrradabo, es kostet einiges mehr als die Konkurrenz von Swapfiets – dafür ist es aber im Antrieb moderner und bietet mit dem robusten Gepäckträger und der Versicherung ohne Selbstbehalt einige Vorteile.
Wir mochten das Fahrgefühl dank Riemenantrieb und kräftigem Hinterradmotor ebenso wie den sehr guten Service von Dance. Das Rad könnte somit auch für Firmen(öffnet im neuen Fenster) interessant sein, die ihre Belegschaft beispielsweise im Sommer mit Pedelecs ausstatten möchten und dabei die volle Kostenkontrolle behalten wollen.
| Fahrergröße/max. Gewicht | 160-195 cm/110 kg |
|---|---|
| Reifen | 27,5'' |
| Motorleistung | Heckmotor 36 V, 250 W |
| Akkukapazität | 360 Wh |
| Ladezeit | ca. 3 Stunden |
| Reichweite laut Hersteller | bis zu 55 km |
| Reichweite gemessen (normale Witterung, ebene Strecke) | 60 km |
| Gewicht | 22 kg |
| Bremsen | hydraulische Scheibenbremsen |
| Schaltung/Kette | keine/Gates-Carbon-Riemen |
| Material Rahmen | Aluminium |
| Lieferumfang StVZO-konform | ja |
| Preis | 80 Euro monatlich |
Schade ist hingegen, dass das Dance One derzeit nur in einer einzigen Rahmengröße erhältlich ist und dass das Bluetooth-Schloss mit der Smartphone-Anbindung anscheinend noch einige Kinderkrankheiten aufweist.
Da das Pedelec sich vom Anbieter tracken lässt, ist Dance auch nichts für Datenschutzpuristen.
Wer hingegen ein unkompliziertes, praktisches und verhältnismäßig leichtes Pedelec sucht und sich nicht dauerhaft binden möchte, sollte Dance mal Probe fahren – es kostet ja zunächst nur 80 Euro.
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