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Dan Cases A4-SFX im Test: Noch kleiner kann Gaming-Hardware nicht verpackt werden

Selbst ein Schuhkarton ist größer: Das A4-SFX von Dan Cases ist mit sieben Litern Volumen das kompakteste Gaming- Gehäuse der Welt. Damit in den Winzling auch High-End-Hardware wie eine 30-cm- Grafikkarte passt, wurden viele clevere Ideen umgesetzt.
/ Marc Sauter
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Dan Cases A4-SFX (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Dan Cases A4-SFX Bild: Martin Wolf/Golem.de

Manche Idee ist zu Größerem bestimmt, obgleich das Resultat winzig ist: Daniel Hansen hat in seinem Einmannprojekt Dan Cases das derzeit kompakteste Gehäuse für leistungsstarke Gaming-Rechner überhaupt entwickelt. Obwohl es nur ein Volumen von sieben Litern ausweist, passt in das A4-SFX genannte Gehäuse aktuelle High-End-Hardware wie eine 30 cm lange Grafikkarte und Prozessoren mit bis zu 18 Kernen. Wir haben uns von Daniel eines der ersten Muster schicken lassen und einem Test unterzogen. Angefangen hat das Projekt 2013 in den Foren von Computerbase(öffnet im neuen Fenster) , Hardwareluxx(öffnet im neuen Fenster) und PC Games Hardware(öffnet im neuen Fenster) sowie im Hardforum(öffnet im neuen Fenster) . Über eine Million Abrufe und mehrere Tausend Kommentare zeugen von einem regen Interesse.

Gefertigt wird das A4-SFX(öffnet im neuen Fenster) in den Werken des bekannten Gehäuseherstellers Lian-Li. Es besteht wenig überraschend aus gebürstetem, eloxiertem Aluminium. Die Abmessungen betragen 200 x 112 x 317 mm (ohne Füße), was ein Volumen von 7,25 Litern ergibt. Zum Vergleich: Ein handelsüblicher Winterschuhkarton wäre groß genug, um das A4-SFX hineinzupacken. Das Gehäuse wiegt leer 1,25 kg und besteht aus einem stabilen Rahmen, an dem zwei Türen sowie die aus einem Stück gefertigte Front und der Deckel befestigt sind. Alle Seitenwände bestehen aus 1,4 mm starkem und gelochtem Aluminiumblech, sie werden per Klipsverfahren und mit wenigen Schrauben montiert.

Die vielen Lüfterlöcher an den Seitenteilen und im Deckel und die Langlöcher im Boden erklären sich durch das Belüftungskonzept des A4-SFX: Bedingt durch die sehr kompakten Ausmaße werden keine Gehäuselüfter verbaut, sondern alle Komponenten saugen Frischluft von außen an. Ein Teil der Hitze entweicht durch den Kamineffekt nach oben weg. Diese Art der Kühlung schränkt die Wahl der Komponenten zwar ein, ungeachtet der kompakten Maße ist das A4-SFX anders als fast alle anderen Mini-ITX-Gehäuse mit unter 10 Litern Volumen und internem Netzteil aber für High-End-Hardware ausgelegt.

Sind die vier Sicherungsschrauben der beiden geklipsten Seitenwände entfernt, offenbart sich der zweigeteilte Innenaufbau des A4-SFX. In der von vorne betrachtet linken Kammer sitzt die Grafikkarte, die eine Länge von bis zu 295 mm und maximal eine Dual-Slot-Kühlung aufweisen darf. Damit sind die meisten Referenzmodelle von AMD und Nvidia mit einem Grafikchip kompatibel. Die rechte Kammer nimmt ein Mini-ITX-Mainboard und ein Netzteil im SFX- oder SFX-L-Formfaktor auf. Darunter und davor befinden sich insgesamt drei 2,5-Zoll-Montageplätze. Das kleine Gehäuse ermöglicht also den Einbau von bis zu 6 TByte Flash- oder Magnetspeicher, etwa drei Samsung 850 Evo SSDs.

Besonders spannend finden wir die vielen Detaillösungen des exzellent verarbeiteten A4-SFX, die den Einbau von Komponenten simpel machen. Eine der cleveren Ideen ist ein PCIe-Riser-Band für die Grafikkarte.

Aufgepasst bei der Komponentenwahl

Theoretisch passen in das A4-SFX alle Mini-ITX-Mainboards, in der Praxis gilt es aber, den Prozessor und die CPU-Kühlung zu beachten. Wer maximale Leistung in das Gehäuse quetschen möchte und sich um die Geräuschentwicklung wenig schert, der kann Asrocks X99E-ITX/ac verbauen und einen Xeon E5-4669 v3(öffnet im neuen Fenster) mit wahnwitzigen 18 Kernen in den Sockel 2011-3 stecken. Wir haben uns stattdessen für Asus' ROG Maximus VIII Impact und einen Core i7-6700K mit vier Kernen entschieden. Die thermische Verlustleistung liegt bei 91 statt 135 Watt, wohlgemerkt mit integrierter Grafikeinheit, die wir aber nicht nutzen.

Die Wahl des Prozessors beeinflusst auch die des Kühlers. Der darf maximal 48 mm hoch sein, weshalb manche Modelle nur kompatibel sind, wenn ein flacher Low-Profile-Lüfter verbaut wird. Wir haben uns vorab im offenen Aufbau die Leistung des neuen Cryorig C7(öffnet im neuen Fenster) und des beliebten Noctua L9i(öffnet im neuen Fenster) angeschaut. Im direkten Vergleich kühlt das Cryorig-Modell dank mehr Heatpipes sowie Lamellen besser und ist leiser. Allerdings besteht bei Noctuas L9i die Option, einen dicken 25- statt flachen 14-mm-Lüfter zu verwenden, was die Kühlleistung steigert, ohne die Lautheit zu sehr nach oben zu treiben.

Die Geräuschentwicklung hängt stark von der CPU-Last und subjektivem Empfinden ab, auch weil die Lüftersteuerung des Asus-Boards bei der Silent-Einstelllung die Drehzahl für unseren Geschmack zu ruppig ändert. Wir haben manuelle Einstellungen verwendet, dank 20 Prozent der maximalen Drehzahl ist der Cryorig C7 im Leerlauf nahezu unhörbar. Wird der Core i7-6700K aber stundenlang mit Prime95(öffnet im neuen Fenster) und Small-FFTs gequält, rotiert der Lüfter des Cryorig C7 mit bis zu 2.200 der maximalen 2.500 Umdrehungen pro Minute. Das ist deutlich hörbar bis störend laut, die CPU-Kerne erreichen bis zu 87 Grad Celsius. In CPU-lastigen Spielen wie Assassin's Creed Syndicate rotiert der Lüfter mit bis zu 1.300 Umdrehungen pro Minute bei 63 Grad Celsius, also recht leise.

Welcher Pixelbeschleuniger eingesetzt wird, hängt von zwei Faktoren ab: Die Karte darf maximal 295 mm lang sein, wobei hierbei eventuelle Stromanschlüsse, die nach hinten statt nach oben ragen, nicht berücksichtigt sind. Die Grafikkarte wird aufrecht statt wie in einem ATX-System üblich über Kopf liegend verbaut. Hintergrund ist das vom PCIe-Steckplatz des Mainboards durch das Gehäuse gezogene, teure PCIe-Riserband von 3M(öffnet im neuen Fenster) . Das unterstützt 16 PCIe-3.0-Lanes, im Test maßen wir keinen Leistungsverlust.

Das zweite Limit bei der Wahl des Pixelbeschleunigers ist dessen Kühlung, die maximal zwei Slots belegen darf. Bereits nur wenig dickere Modelle wie Sapphires Radeon R9 290X Tri-X sind zu ausladend, die linke Seitenwand kann nicht geschlossen werden. Was passt, sind Modelle wie Asus' GTX 970/980 Strix und MSIs GTX 970/980 (Ti) Gaming. Auf der sicheren Seite sind Käufer zudem bei den Referenzdesigns von AMD und Nvidia. Selbst eine Geforce GTX Titan X , die derzeit schnellste Karte mit einer GPU, passt in das A4-SFX-Gehäuse.

Bleibt zu guter Letzt noch das Netzteil: Das A4-SFX nimmt, der Name impliziert es, Energielieferanten im SFX-Formfaktor auf. Hier sind Modelle - bedingt durch die Maße - mit kleinen 80-mm-Lüftern üblich, einzig Corsair hat das SF600(öffnet im neuen Fenster) mit 92-mm-Propeller angekündigt. Allerdings ist bei einem SFX-Netzteil so viel Platz zum darunter liegenden 2,5-Zoll-Käfig, dass zwei statt einer HDD/SSD verbaut werden können. Wir haben uns für ein größeres SFX-L-Modell mit 120-mm-Lüfter entschieden, das Silverstone SST-SX500-LG(öffnet im neuen Fenster) mit 500 Watt.

So ist Platz für eine HDD oder SSD hinter der Front und eine im Käfig, was für die meisten Anwender ausreichen dürfte. Das Silverstone-Netzteil ist 80-Plus-Gold-zertifiziert und somit sehr effizient, zudem dreht sich der Lüfter erst ab 41 Grad Celsius Innentemperatur. Zumindest bei unserer Konfiguration, dem Cryorig C7 als CPU-Kühler und einer Radeon R9 Nano als Grafikkarte, war das Silverstone-Netzteil nicht aus dem System herauszuhören.

Der Einbau dauert ein bisschen

Bis der Rechner auf Basis des A4-SFX erst einmal läuft, benötigen wir jedoch knapp eine Stunde - davon allerdings sicherlich eine gute Viertelstunde dafür, das Gehäuse für jeden Schritt auf den Fototisch zu legen. Zuerst muss das A4-SFX auf den Kopf gestellt und die beiden Sicherungsschrauben je Seitenwand gelöst werden, zwingend notwendig sind diese übrigens nicht. Dann sind die zwei Türen mit etwas Zug dank des leichtgängigen Klickmechanismus seitlich abnehmbar. Weitere sechs Schrauben halten die Front- und Deckelverkleidung, die ebenfalls entfernt werden muss.

An der freigelegten Vorderseite befindet sich zwischen dem Power-Button und dem einzelnen USB-3.0-Anschluss eine Halterung für eine SSD oder 2,5-Zoll-Festplatte. Sie sollte kopfüber montiert werden, da ansonsten die Kabel mit dem Netzteil kollidieren. Schönes Detail: Der Strom- und der Sata- oder U.2-Anschluss sitzen bündig an der Kante der Kabelöffnung, weshalb sich abgewinkelte Stecker anbieten. Ist das Laufwerk montiert und es kommt ein SFX-L-Netzteil zum Einsatz, kann der HDD-Käfig befüllt oder abgeschraubt werden.

Das klappt mittels vier durch vibrationsdämpfende, weil entkoppelte Schrauben auf der Unterseite des A4-SFX, die zwischen den Metallfüßchen sitzen. Im nächsten Schritt bestücken wir das modulare Silverstone-Netzteil mit den für unsere Konfiguration notwendigen Kabeln und ziehen sie durch die entsprechenden Öffnungen, bevor wir den Energielieferanten verschrauben. Das ist wichtig, da unter dem hängend montierten Netzteil kaum Spielraum bleibt. Achtung: Nicht vergessen, das über die Front zu verlegende, interne Stromkabel anzuschließen und den Power-Schalter des Netzteils umzulegen!

Nun noch die I/O-Blende des Mainboards befestigen, die Mini-ITX-Platine verschrauben und den Power- sowie den USB-Stecker am Brett anbringen. Platz für Kabelmanagement gibt es im A4-SFX kaum, wir haben die Adern des Netzteils an einigen Stellen ziemlich quetschen müssen. Das liegt allerdings vor allem an dem von uns verwendeten Asus-Board Maximus VIII Impact, mit anderen Boards ist mehr Raum zur Kabelverlegung. Im letzten Schritt wird die durch eine Kunststofftrennwand vom Netzteil isolierte Grafikkarte eingesteckt, verschraubt, verkabelt und die Verkleidung wieder montiert - fertig.

Wie laut und wie kühl ein System im A4-SFX ist, hängt sehr stark von den verbauten Komponenten ab und welche Lüftersteuerung und welche (Produktiv-)Software eingesetzt wird. Theoretisch ist zwar eine Workstation denkbar, wir haben aber das Mini-ITX-Gehäuse als Gaming-Basis eingesetzt; so wird es auch von Dan Cases beworben. Die Kombination aus Core i7-6700K und Radeon R9 Nano samt 16 GByte Arbeitsspeicher liefert eine sehr hohe Leistung, die im Wohnzimmer an einem 1080p-Fernseher unterfordert ist.

Spielen wir Assassin's Creed Syndicate mit maximalen Details - ohne PCSS, aber mit HBAO+ Ultra und 2x MSAA - und fast konstant 60 fps, ist der Rechner hörbar leiser als in Ultra-HD mit nur 20 Bildern pro Sekunde. Laut wird er zwar nach einer Weile, im Wohnzimmer mit Spielesound oder beim Videoschnitt mit dämmendem Kopfhörer ist das System aber nicht störend. Die CPU-Temperatur von 63 und die GPU-Temperatur von 76 Grad Celsius im Spiel zeigt zudem, dass das Zweikammern-Kühlprinzip tadellos funktioniert. Im Leerlauf oder bei geringer Prozessorlast ist der Rechner nahezu lautlos.

Verfügbarkeit und Fazit

Dan Cases plant, das A4-SFX hierzulande über einen großen europäischen Distributor verfügbar zu machen. Der Preis des Mini-ITX-Gehäuses wird bei etwa 230 Euro liegen, eventuell auch ein wenig darüber - abhängig von den vertriebenen Stückzahlen. Die Verfügbarkeit des A4-SFX in einer schwarz und einer silber eloxierten Version soll im Frühling 2016 gegeben sein.

Fazit

Wir sind beeindruckt: Dan Cases' A4-SFX ist das einzige uns bekannte Mini-ITX-Gehäuse mit unter zehn Litern Volumen, in dem sich 30 cm lange Grafikkarten verbauen lassen. Die geniale Idee, mit zwei Kühlkammern und einem PCIe-Riserband zu arbeiten, funktioniert in der Praxis exzellent. Durch die sehr kompakten Maße fällt zwar ein Laufwerksschacht weg, dafür ist Platz für drei 2,5-Zoll-Festplatten oder Flash-Drives. Wer ein Mainboard mit M.2-Slot nutzt, kann gar eine vierte SSD wie eine Samsung 950 Pro verwenden.

Aus Designgründen verzichtet Dan Cases auf einen zweiten USB-3.0-Port und einen Audioausgang an der Gehäusefront, beides empfinden wir jedoch nicht als Verlust. Etwas kritischer sind die fehlenden Staubfilter zu sehen. Es soll sie zwar einzeln zu kaufen geben, Feinstaub dürften sie aber auch nicht abhalten. Käufer sollten viel eher die Komponentenauswahl überdenken: Das A4-SFX verfügt nicht über Lüfter, die Hardware muss sich selbst auf Temperatur halten. Wir raten zu einem 35- oder 65-Watt-Quadcore-Skylake-Prozessor und einer leisen Grafikkarte mit unter 200 Watt thermischer Verlustleistung, etwa eine Geforce GTX 970/980 wie Asus' Strix- oder MSIs Gaming-Modelle.

Ist zweitrangig, wie laut das System ist, nimmt das Mini-ITX-Gehäuse aber auch einen Skylake-Quadcore oder eine achtkernige Haswell-CPU und eine Geforce GTX Titan X auf. Manch kleine Idee wie ein kompaktes Gehäuse ist eben zu Größerem - besonders schneller Hardware - bestimmt.


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