D-LBO: General wegen Kritik an gescheitertem Bundeswehr-Digitalfunk entlassen
Bei einem der wichtigsten Rüstungsprojekte der Bundeswehr, der Umrüstung auf den Digitalfunk, gibt es weiterhin große Probleme. In 16.000 Fahrzeugen, vom Kampfpanzer bis zum VW Bulli, sollen neue Funksysteme eingebaut werden. Jedoch sind derzeit nicht einmal 1.000 Umrüstungen geschafft, wie die Wochenzeitung Die Zeit (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf mehrere interne Militärquellen und Dokumente berichtet. Man liege eine dreistellige Zahl hinter dem bereits deutlich abgespeckten Plan für das laufende Jahr, heißt es unter Berufung auf Informationen aus der Bundeswehr.
Das Rüstungsprojekt Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) wird mindestens 20 Milliarden Euro kosten und gilt bei den Militärs als "kriegsentscheidend". Beim D-LBO geht es nicht nur um digitale Funkgeräte, sondern um ein digitales Führungs- und Informationssystem für Landstreitkräfte.
Mehr als 200 verschiedene Fahrzeugtypen sollen auf abhörsichere, abstrahlgeschützte und kryptografiefähige Funkgeräte umgerüstet werden. Zu dem System gehören ein Gefechtsführungssystem mit Karten und Daten und eine Schnittstelle, über die unbemannte Systeme und Mobiltelefone eingebunden werden können.
Einer der wichtigsten Generäle der Bundeswehr verlor 2025 offenbar vor allem wegen drastischer interner Warnungen vor anhaltenden Schwierigkeiten beim Digitalfunk seinen Posten. Generalleutnant Alfons Mais war von 2020 bis 2025 Inspekteur des deutschen Heers. Zum russischen Überfall auf die Ukraine hatte er im Jahr 2022 auf Linkedin geschrieben, dass die Bundeswehr "mehr oder weniger blank dastehe".
Der Generalleutnant wies immer wieder auf die Probleme hin
Intern wies Mais in der Folge immer wieder auf die Probleme hin – bis er im Herbst 2025 von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) überraschend in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Warum genau, war bislang offen.
Im Gespräch mit der Zeit äußerte sich Mais nun erstmals öffentlich zu den Umständen seiner Abberufung: Anders als oft behauptet, sei die nicht unbedingt einvernehmlich gewesen. Weitere, mit der Sache vertraute Gesprächspartner bestätigen, dass Mais "ein Opfer dieser Sache mit dem Funk" sei. Er sei "Pistorius auf die Nerven gegangen". Das Verteidigungsministerium wollte den Vorgang nicht kommentieren.
Mais selbst sagte der Zeit, er sei "im Kopf am Ende sehr müde gewesen". Der Bericht der Zeit stützt sich auf viele Gespräche sowie auf mehr als zwei Gigabyte und Tausende Seiten an vertraulichen Unterlagen aus der Bundeswehr zum Digitalfunk.
Wer sind die Verantwortlichen der Industrie?
D-LBO wird maßgeblich von einer Allianz aus Rheinmetall Electronics und dem Softwareentwickler Blackned verantwortet, während Unternehmen wie Airbus, Rohde & Schwarz und Krauss-Maffei Wegmann und Nexter Defence Systems (KNDS) zentrale Komponenten und Infrastruktur beisteuern.
Der Verteidigungsexperte der Grünen, Niklas Wagener, hatte im November 2025 nach einer Präsentation kritisiert: "Von einem einsatzbereiten Digitalfunk sind wir weiterhin weit entfernt. Übertragungszeiten für Chatnachrichten von 59 Minuten und für Stellungsskizzen von bis zu 25 Minuten sind inakzeptabel."
Es sei außerdem erfahren worden, dass mehr als 20 Funkteilnehmer nicht stabil zusammengeschaltet werden konnten. "Von einer verbandsweisen Digitalisierung einer ganzen Brigade kann also keine Rede sein", hatte Wagner gesagt.