D João II: Portugal baut Europas ersten Drohnenträger zur See
Die D João II ist Europas erster dedizierter Drohnenträger(öffnet im neuen Fenster) – ein 107,6 Meter langes Kriegsschiff, das ausschließlich für den Betrieb unbemannter Luft-, Oberflächen- und Unterwassersysteme konzipiert wurde. Die niederländische Werft Damen baut das Schiff in Galați, Rumänien. Die Auslieferung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Das Besondere: Die D João II kann innerhalb einer Woche ihr komplettes Einsatzprofil ändern. Container mit Spezialsystemen werden ausgetauscht, das Deck nimmt unterschiedliche Drohnentypen auf. "Dieser Ansatz erlaubt dem Schiff, hohe funktionale Flexibilität ohne signifikante strukturelle Kompromisse,"erklärte Ricardo Sá Granja, Sprecher der portugiesischen Marine.
48 Besatzungsmitglieder betreiben das Schiff, dazu kommen 42 Spezialisten – Wissenschaftler und Drohnenoperateure. Im Kriegsfall bietet die D João II Platz für weitere 100 bis 200 Personen. Das 94 Meter lange Deck erlaubt Start und Landung von Luftdrohnen, ein Hangar dient zur Montage und Wartung. Über eine Heckrampe gelangen Oberflächen- und Unterwasserdrohnen ins Wasser. Ein ferngesteuertes Tauchfahrzeug erreicht 6.000 Meter Tiefe.
Wer hat das erfunden? – Admiral mit Präsidentschaftsambitionen
Admiral Henrique Gouveia e Melo(öffnet im neuen Fenster) entwickelte das Konzept während seiner Amtszeit als Chef der portugiesischen Marine von 2021 bis 2024. Gouveia e Melo kandidierte im Januar 2026 für das Präsidentenamt und landete mit zwälf Prozent auf dem vierten Platz.
Die portugiesische Marine ließ das Konzept nicht patentieren. Die Werft, die den Auftrag gewann, hat bereits Interessensbekundungen von anderen europäischen Marinen erhalten. China, Iran und Türkei entwickeln oder betreiben bereits ähnliche Flachdeckschiffe für autonome Luftsysteme.
94,5 Millionen aus EU-Töpfen
Die Gesamtkosten belaufen sich auf 132 Millionen Euro. Davon stammen 94,5 Millionen Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds, Portugal steuert 37,5 Millionen Euro bei. Zum Vergleich: Ein US-amerikanischer Ford-Klasse-Flugzeugträger kostet rund 13 Milliarden US-Dollar, Großbritanniens Queen Elizabeth über 1 Milliarde US-Dollar. Drohnen hingegen erlauben kleineren Streitkräften Machtprojektion zu reduzierten Kosten und einem niedrigeren Risiko für ihre Soldaten.
Warum braucht Portugal das? – 69 russische Schiffe in einem Jahr
Portugal überwacht einen maritimen Raum von derzeit 1,73 Millionen Quadratkilometern – die drittgrößte Ausschließliche Wirtschaftszone in der EU(öffnet im neuen Fenster). Eine beim UN-Festlandsockel-Ausschuss eingereichte Erweiterung könnte diese Fläche auf 4 Millionen Quadratkilometer vergrößern, die Entscheidung steht seit 2017 aus.
Die russische Marineaktivität im Atlantik nimmt zu. Zwischen 2022 und 2024 verfolgte die portugiesische Marine 143 russische Schiffe entlang der Küste(öffnet im neuen Fenster). 2025 waren es bereits 69 russische Schiffe(öffnet im neuen Fenster) – darunter U-Boote mit Langstreckenraketen und Spionageschiffe, die Unterseekabel zerstören können.
Die auf dem Schiff gesammelten Daten sollen helfen, hybride Bedrohungen zu kontern: Sabotage an maritimer kritischer Infrastruktur oder verdeckte Aktionen. Die D João II wird sowohl auf nationaler Ebene als auch im Nato-Rahmen eingesetzt.
Ukraine-Kooperation und KI-Integration
Unbemannte Systeme an Bord sollen nach Möglichkeit in Portugal gefertigt werden. Die Marine hat Kooperationsverträge mit portugiesischen Herstellern geschlossen. Internationale Partnerschaften sind geplant. Im Dezember 2025 unterzeichnete Premierminister Luís Montenegro bei seinem ersten Kiew-Besuch ein Abkommen mit der Ukraine zur gemeinsamen Produktion von Unterwasserdrohnen. "Portugal und die Ukraine verfügen über Fachwissen bei unbemannten Fahrzeugen, das heute weltweit führend ist", sagte Montenegro.
Rear Admiral Christopher Alexander von der US-Marine schätzte auf einer Konferenz in Washington, dass bis 2045 fast 45 Prozent der amerikanischen Überwasserflotte(öffnet im neuen Fenster) aus unbemannten Systemen bestehen wird. Die Modularität der D João II bedeutet: Sie könnte künftig neue Fähigkeiten integrieren, ohne ihre Primärfunktion als Mehrzweckschiff zu gefährden.
Portugal testet seit 2010 maritime Drohnentechnologie bei den Repmus-Übungen(öffnet im neuen Fenster) (Robotic Experimentation and Prototyping with Maritime Unmanned Systems) auf der Troia-Halbinsel – der weltgrößten internationalen Drohnenübung(öffnet im neuen Fenster) zur See. 2024 nahmen über 2.000 Teilnehmer aus 30 Nationen teil(öffnet im neuen Fenster), organisiert mit Nato und Europäischer Verteidigungsagentur.
Der Drohnenträger zeigt: Kleine Marinen setzen auf Automatisierung statt auf Masse. 45 Tage Autonomie ohne logistische Unterstützung, schneller Profilwechsel, ein Zehntel der Kosten eines konventionellen Trägers – das macht aus Portugal einen Vorreiter bei einer Technologie, die Seekriegsführung grundlegend verändern könnte.
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